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SÜT Köln

Vom wahrscheinlich homophoben Herrn Matussek

Von Sabine Arnolds | Am 13. Februar 2014
Kategorien: Featured, informelle, Politik | Mit 7 Kommentaren

Nun ist es raus. Der Herr Matussek ist wahrscheinlich homophob. Darf ich das schreiben? Habe ich mich gefragt. Da er es heute in der für ihre Liberalität allseits geschätzten Tageszeitung Die Welt selbst schreibt, darf ich wohl. Ohne mir eine Verleumdungsklage von dem Herrn Matussek einzuhandeln. Was für ein Bekenntnis! Meine erste Reaktion:

Na, und? Wen interessiert das? Soll er sein Bekenntnis doch in den heimischen PC tippen und das mit seiner Tastatur ausmachen. Müssen wir wirklich schon wieder darüber reden, dass ein konservativ-christlicher Publizist homophob sein könnte?

Der Herr Matussek findet das wohl. Okay, dann reden wir darüber. Der Herr Matussek findet es nämlich doof, dass neuerdings jeder für homophob erklärt wird, der Kritik an Homosexuellen übt. Meinen tut der Herr Matussek, die Schwulen, aber das sagt er nicht so ganz genau, auch wenn er in seinem Bekenntnis-Text meist von Schwulen, schwul und Schwulen-Hassern redet. Lesben kommen nämlich nicht vor. Vielleicht auch, weil ihm ähnlich wie der Frau Kelle jüngst im Maischberger-Talk für Lesben nur das Beispiel der Leckschwestern einfällt? Puh, manchmal ist es schon erleichternd nicht schwul zu sein.

Und noch etwas teilt der Herr Matussek mit der Frau Kelle. Beide fühlen sich angegriffen, ausgegrenzt und als – da ist es wieder das Wort – Schwulenhasser diffamiert. Und warum das alles? Weil sie glauben. Ja, sie glauben. Und zwar glauben sie, dass schwule Liebe (von der lesbischen reden sie nicht, meinen die aber wohl mit) nicht so gleichwertig ist wie die zwischen einem Mann und einer Frau. Weil nur, wenn die Liebe machen (wie meine kichernden pubertären Freundinnen immer zu sagen pflegten), kommen da auch Kinder bei raus. Also sooooo genau wollte ich das wirklich nicht wissen, aber der Herr Matussek will das schon. Und die Frau Kelle weicht, wenn sie festgenagelt wird, in der Regel dann doch aus auf Nebengleise und Nebensächlichkeiten. Aber googeln, das kann sie gut. Die Dame findet auch noch das letzte Arbeitspapier der GEW im Netz, um es dann auszugsweise und in falschem Zusammenhang zu zitieren.

Damit das niemand falsch versteht. Von mir aus dürfen der Herr Matussek und die Frau Kelle glauben, was sie wollen. Glaube soll ja bekanntlich Berge versetzen. Nina Hagen glaubt zum Beispiel an UFOs oder hat das mal getan. Aber dafür musste sie dann auch viel Spot ertragen. Denn eines funktioniert beim Glauben so gar nicht. Argumentieren. Entweder man (oder frau) glaubt an etwas oder an etwas anderes. Da erübrigt sich jedes Argument. Mit Meinungen hingegen ist das ein bisschen anders. Die stützen sich auf Argumente und darüber lässt sich trefflich streiten, gegenseitig austauschen und am Ende vielleicht auch zu einem Kompromiss finden. Aber über Meinungen reden wir hier nicht, sondern über das Glauben.

Vor vielen, vielen Jahren glaubten die Menschen auch, die Erde sei eine Scheibe. Wissenschaftlich und auch tatsächlich glaubensmäßig haben wir diesen Standpunkt heute überwunden. Und über die Sache mit den Menschenrechten reden wir dann mit dem wahrscheinlich homophoben Herrn Matussek in der nächsten Stunde.

Epilog

Heute Morgen bin ich aus einem Alptraum erwacht. Ich war Lehrerin und musste in Sexualkunde unterrichten. Zu den Schülern (damit Frau Macht-Die-Bluse-Zu-Kelle mich auch versteht, verwende ich das generische Maskulinum) gehörten die kleine Birgit Kelle und der kleine Matthias Matussek. Beiden sollte ich erklären, warum Lesben sich eigentlich lecken. Zum Glück bin ich aufgewacht. Denn mal ganz ehrlich. Ich frage den Herrn Matussek und die Frau Kelle doch auch nicht wie sie es ihrem Partner besorgen. Was ich mich aber schon frage: Warum interessieren sich konservativ christlich sozialisierte Menschen so sehr dafür, was bei Schwulen unter oder auf der Bettdecke passiert? Bei Lesben glauben sie das schon zu wissen, dafür genügt ihnen wohl ein Blick auf “einschlägige” Pornoseiten. Wenn ihnen nicht die Grundschullehrerin schon erklärt hat, dass Lesben sich lecken – erzählt jedenfalls die Frau Kelle.

Sabine Arnolds

Ist eine der beiden Gründerinnen von phenomenelle. Die Idee spannende Geschichten um Frauen gesammelt auf einer Seite zu erzählen und ihr eigenes Online-Magazin herauszugeben, treibt sie schon mehrere Jahre um. Ein Lebenstraum wird Wirklichkeit.

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7 Kommentare

  1. Ingo Tönges13. Februar 2014 um 14:23Antworten

    Touchè! Das war ein Volltreffer! :-)

  2. Jeanne Lessenich13. Februar 2014 um 15:51Antworten

    Einfach Grossartig

  3. Rüdiger Fuchs13. Februar 2014 um 16:58Antworten

    Sehr gut!!!

  4. Anke13. Februar 2014 um 17:53Antworten

    Danke!

  5. alwin13. Februar 2014 um 17:57Antworten

    Herr Matussek sind Sie in der Lage zu denken? Sind homophobe Menschen und das sind Sie , in der Lage zu denken? Homosexualität ist nicht Heterosexualität , deshalb können homosexuelle Menschen auch nicht Kinder wie heterosexuelle Menschen zeugen. Zeugungsunfähig sind homosexuelle Menschen aber noch lange nicht. Natürlich können homosexuelle Menschen und Paare auf natürliche Weise Kinder zeugen.Männliche homosexuelle Paare , können sich mit einem weiblichen homosexuellen Paar zusammentun und Kinder zeugen und das auch ohne Geschlechtsverkehr und auch in einem Haushalt wohnen. So wie es in den Niederlanden schon lange rechtlich auch geregelt ist(Queer-Families) .Vielleicht sind Sie auch so ungebildet oder defizitär ausgestattet , dass Sie nicht begreifen können , dass Liebe nichts mit Beziehung,Sex,Ehe ,Fortpflanzung zu tun hat . Nur weil man in jmd. verliebt ist , bedeutet das, dass daraus auch eine Bezihung wird. Oftmals ist man verliebt und derjenige den man liebt , möchte einen nicht. Also Liebe ist durchaus ein eigenständiges Gefühl , dass nichts mit Beziehung, Sex und Fortpflanzung zu tun hat . Dasselbe gilt für Sex. Es gibt viele Menschen , die Sex mit jmd. haben , ohne diesen zu Lieben od. zu kennen ,Sexbeziehungen die verantwortlich geführt werden. Also dasselbe gilt auch für Sex und Fortpflanzung , beides hat biologisch nichts mit Liebe oder Beziehung oder einer Ehe zu tun. Lieben Sie Ihre Partnerin , weil Sie Kinder mit Ihr zeugen können ?Was wäre wenn diese keine Kinder zeugen will/könnte , würden Sie Ihre Partnerin dann nicht mehr Lieben? Führen Sie eine Beziehung, weil Sie sich mit Ihrer Partnerin fortpflanzen können oder weil Sie mit Ihrer Partnerin ein ganzes Leben lang zusammen sein wollen?Ich denke mal Sie führen keine Beziehung mit Ihrer Partnerin ,weil Sie sich mit Ihr fortpflanzen können ?Deshalb , weil alle diese Dinge (Sex,Liebe,Fortpflanzung, Beziehung) nichts miteinander zu tun haben (medizinisch , biologisch) können sich homosexuelle Menschen /Paare durchaus auf natürliche Weise fortpflanzen , ganz ohne Sex. Menschen in einer homosexuellen Partnerschaft ,können sich nicht untereinander fortpflanzen , aber das muss man ja auch nicht . Es gibt ja homosexuelle Männer &Frauen , homosexuelle Männerpaare und Frauenpaare .Weil sich Mann und Frau miteinander fortpflanzen können , bedeutet das aber noch lange nicht,dass diese zusammenghören , sich lieben sollen /müssen oder perfekter sind oder höherwertiger. Wie bereits erklärt,Sex,Liebe, Fortpflanzung ,Beziehung haben nichts miteinander zu tun. Deshalb gehört an auch nicht zu jmd. wel man sich mit ihm fortpflanzen kann. Sie wollen doch nicht ersnthaft behaupten Sie und Ihre Frau gehören zusammen , weil Sie sich miteinander fortpflanzen können .Ist das der Grund weshalb Sie und Ihre Frau zusammen sind, sich lieben , in einer Beziehung miteinander leben , Sex miteinander haben?Wegen Fortpflanzung? Fortpflanzung können Sie auch so machen , dazu benötigen Sie keine Liebe, Beziehung , Ehe dazu! Und das ist ein biologischer, medizinischer Fakt! Und JA es sollte endlich strafbar sein , wenn Menschen wie Sie behaupten homosexuelle Menschen seien defizitäre, weil diese sich angeblich nicht auf natürliche Weise fortpflanzen könnten! Das ist eine so große unverschämte Lüge , dass ist so wie wenn man den Holocaust leugnen würde, wenn man behauptet homosexuelle Menschen könnten sich nicht auf natürliche Weise fortpfanzen. Mit solchen Sprüchen und dummen Argumenten machen Sie noch Stimmung! Es ist kein Wunder, dass viele Menschen denken, Homophobie sei eine Krankheit, denn Sie sehen ja selbst , dass man Leuten wie Ihnen 100 000 mal erklären kann , weshalb homosexuelle Menschen sich fortpflanzen können und trotzdem wiederholen Menschen wie Sie , ständig solche Kommentare wie homosexuelle Menschen seien nicht in der Lage sich forzupflanzen oder die Welt würde aussterben , wenn es nur homosexuelle Menschen gäbe ! Jemand der den Holocaust leugnet und leugnet das sich homosexuelle Menschen nicht fortpflanzen können , gehören angezeigt und bestraft! Sie können behaupten homosexuelle Menschen können sich nicht wie Mann+Frau-Paare fortpflanzen , aber nicht das homosexuelle Menschen fortpflanzungsunfähig wären. Homosexualität ist nicht wie Heterosexualität , trotzdem haben sich homosexuelle Paare diesselben Rechte verdient. Denn homosexuelle Paare tun dasselbe wie heterosexuelle Paare , heiraten aus dem selben Grund wie Heteros , zeugen Kinder (aber eben anders (Queer Families in den Niedelrlanden rechtlich erlaubt!),adoptieren aus demselben Grund wie Heteros, obwohl man auch selbst in der Lage ist Kinder zu zeugen .Das tun ja Mann+Frau-Paare auch. Man adoptiert Kinder ,obwohl an selbst welche zeugen kann.

  6. Robert Niedermeier14. Februar 2014 um 10:17Antworten

    Diese Replik ist viel besser, muss ich anfügen
    “Mir persönlich ist das zu grell, auf den Selbsthass alternder Klemmschwestern abzuzielen, aber wenn er sein Ziel dadurch am Ende sicher trifft, soll es mir recht sein. Zwei alte Freunde, die sich ihre Liebe nie gestehen konnten …okay, irgendwie 1950er, aber was soll’s.” – See more at: http://pantelouris.de/2014/02/13/being-matussek/#sthash.NO5Qgyir.dpuf

  7. Sabine Arnolds14. Februar 2014 um 11:13AntwortenAuthor

    Wahrscheinlich bin ich nicht intellektuell genug, um das zu verstehen. Was mir das Zitat mit den Klemmschwestern sagen soll, verstehe ich auch nicht, nachdem ich den dazugehörigen Artikel gelesen habe. Den ich – mit Verlaub – altersdiskriminierend finde.

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