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LITFEST homochrom

phenomenelle des Tages: Sophia Parnok

I gaze upon the ash and fire of your curls,
Upon your hands, more generous than a king’s, –
The dearth of colors on my palette defeats me!
(aus Sonnet für Marina Zwetajewa, Quelle: Diana Burgin)

Sophia Parnok (11.8.1885–26.8.1933)

Ihre Biografin Diana Lewis Burgin beschreibt sie als eine der vielen „verlorengegangenen Lesben“ der Weltliteratur und als die Sappho der russischen Lyrik. Der Inhalt ihrer leidenschaftlichen und kraftvollen Gedichte ist ebenso deutlich lesbisch wie ihr Leben.

Die Tochter eines Apothekers und einer der ersten Ärztinnen Russlands wächst in einem bildungsfreundlichen Umfeld auf. Früh lernt sie Deutsch und Französisch. Dass sie selbst lesbisch liebt, merkt sie bereits in der Pubertät, eckt damit aber vor allem bei ihrem Vater an. Nicht zuletzt deshalb flieht sie nach dem Abitur mit ihrer damaligen Liebhaberin nach Genf. Doch das Geld wird knapp und so kehrt sie ein Jahr später wieder zurück.

Lesbisches Begehren in Gedichte gefasst

1907 heiratet sie einen Freund, um der Enge der Familie zu entgehen. Mit ihrem Mann zieht sie nach St. Petersburg, die Ehe wird kaum 2 Jahre später geschieden. Parnok geht nach Moskau, arbeitet dort als Journalistin, schreibt Librettos und Gedichte. Ihre wohl berühmteste Beziehung führt sie während des I. Weltkriegs mit der Dichterin Marina Zwetajewa. Gegenseitig inspirieren sie sich zu Gedichten über ihre Liebe – die ersten russischen, in denen lesbisches Begehren ohne Abwertung beschrieben wird.

Während der Revolution lebt Parnok mit ihrer großen Liebe einer Schauspielerin auf der Krim. Erst 1922 kehrt sie nach Moskau zurück, doch die Machthaber sind wenig begeistert von ihren Gedichten. Dennoch kann sie zunächst weiter einige Arbeiten veröffentlichen. Bis die Sowjets 1928 entscheiden, dass ihre Dichtkunst verstummen muss: Publikationsverbot. Parnoks letzte Gedichte werden erst 1979 erstmals veröffentlicht. Die Verfasserin stirbt 1933 nach langer chronischer Krankheit.

Foto: Sophia Parnok and Olga Tsuberbiller, Quelle: http://queercult.com

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