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phenomenelle des Tages: Lucía Sánchez Saornil

Von Sabine Arnolds | Am 13. Dezember 2015
Kategorien: informelle, LeStory | Mit 0 Kommentaren

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Lucía Sánchez Saornil (13.12.1895–2.6.1970)

Lucía Sánchez Saornil

Früh schreibt sie erste Gedichte – unter männlichem Pseudonym –, während sie als Telefonistin ihr Geld verdient. Ein Streik gegen ihren Arbeitgeber bringt Saornil Anfang der 30er Jahre zu den Anarchisten. Sie kämpft gegen Franco und gründet mit anderen Frauen zusammen die Mujeres Libres, eine anarchistische Frauenorganisation. Denn wie den Bürgerlichen gilt die Frauenfrage ihren männlichen Genossen nichts.

Aufgezogen vom verwitweten Vater wächst Saornil in eher armen Verhältnissen auf. Trotzdem gelingt es ihr die Königliche Akademie der schönen Künste in San Fernando zu besuchen. Ihre Gedichte erscheinen in renommierten Zeitschriften. Schnell gehört sie zu den bedeutendsten spanischen Dichter_innen des Ultraismus, der sich ähnlich wie Dada oder Surrealismus gegen starre künstlerische Regeln wandte. Um überhaupt veröffentlichen zu können, schreibt sie unter einem männlichen Pseudonym. Der Vorteil: Sie kann unverhohlen lesbische Themen literarisch verarbeiten.

Von Politik und Liebe

1931 nimmt sie an einem Streik gegen die spanische Telefongesellschaft teil, der von den Anarchisten organisiert wird. Ein Wendepunkt für die 35-Jährige. Sie wird politisch aktiv, schließt sich den Anarchisten an. Sie schreibt für das anarchistische Magazin CNT und wird seine Herausgeberin. 1933 wird sie Generalsekretärin der anarchistischen Hilfsorganisation Solidaridad Internacional Antifascita. In Artikeln für weitere anarchistische Publikationen streicht sie ihren feministischen Standpunkt heraus und kritisiert die festgelegten Geschlechterrollen in der spanischen Gesellschaft ebenso scharf wie den Standpunkt ihrer männlichen Mitstreiter. Ebenso wie ihre bürgerlichen Gegner wollen sie die Frauen in der Küche mit Kindern sehen. Saornil wehrt sich mit Worten gegen die Verbannung der Frauen in den häuslichen Bereich. Sie fordert dazu, Frauen mit den Ideen der Anarchisten anzusprechen und sie in die Führungsebenen einzubeziehen.

We have to take things further, much further than that. The vast majority of male comrades — with the exception of a half dozen right-thinking types — have minds infected by the most typical bourgeois prejudices. Even as they rail against property, they are rabidly proprietorial. (aus The Question of Feminism in CNT 1935)

1936 gründet sie mit zwei anderen Frauen die autonome anarchistische Frauenorganisation Mujeres Libres, die zeitweise während des Spanischen Bürgerkriegs bis zu 30.000 Mitgliedsfrauen hat. Ein Jahr später lernt sie Amerika Barroso kennen, die die Liebe ihres Lebens wird. Nach der Niederlage der republikanischen Truppen fliehen sie gemeinsam nach Paris ins Exil. Nach der deutschen Besetzung Frankreichs geht es zurück nach Madrid. Als sie verraten werden, fliehen sie weiter nach Valencia, wo Barroso Verwandte hat. Ihre Beziehung müssen sie geheim halten. Saornil verdient ihren Lebensunterhalt mit dem editieren von Fotos. Den Untergang des Franco-Regimes Mitte der 70er Jahre erlebt sie nicht mehr. Sie stirbt ein halbes Jahr vor ihrem 75. Geburtstag im Juni 1970.

Fotocredit: Lucía Sánchez Saornil in 1933 von Unbekannt by Wikimedia Commons CC0

Weitere Quellen und Links

Sabine Arnolds

Ist eine der beiden Gründerinnen von phenomenelle. Die Idee spannende Geschichten um Frauen gesammelt auf einer Seite zu erzählen und ihr eigenes Online-Magazin herauszugeben, treibt sie schon mehrere Jahre um. Ein Lebenstraum wird Wirklichkeit.

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