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SÜT Köln

Ehe für alle: Ausgemerkelt! Mit Netz und doppeltem Boden

Von Sabine Arnolds | Am 27. Juni 2017
Kategorien: Featured, informelle, Politik | Mit 1 Kommentar

Kommentar

Eheringe auf Regenbogenfahne

Wer hätte das gedacht? Die “Ehe für alle” kommt, vielleicht sogar noch diese Woche. Ludwig Greven von der Wochenzeitung Die Zeit hätte es sicher nicht gedacht. Der sagte noch vor anderthalb Wochen den Grünen eine krachende Wahlniederlage mit Todessehnsucht voraus, als sie auf ihrem Parteitag – dank Volker Becks Einsatz – die “Ehe für alle” als erste zur Koalitionsbedingung machten. Martin Schulz wohl eher auch nicht, der mit seiner SPD als dritter erst am vergangenen Wochenende mit der gleichen Forderung ins Ziel lief. Und sicher auch nicht Sonnyboy Christian Lindner. Frisch gestählt mit NRW-Erfolg versprach er nach den Grünen ebenfalls, kein Pardon mehr bei der Eheöffnung. Grüne, FDP und SPD liefen sich in den letzten Tagen schon warm für die Sommersaison der CSDs: Ehe für alle – ein Wahlkampfthema wie gemacht für laue Sommermonate.

Und nun läuft Merkel ihnen allen doch den Rang ab. So ganz en passant und wie gewohnt merkelig verschachtelt, erklärt sie am Montagabend im Live-Interview mit der Frauenzeitschrift Brigitte, die Ehefrage von der Vertrauens- zur Gewissensfrage. Wer wirklich glaubt, sie sei dann von der anschließenden Dynamik überrascht worden, ist mindestens … naiv. Momentan werden wir Zeuge von House of Cards live übertragen aus Berlin. Nur ohne Off-Kommentare der Strippenzieherin.

Ein politisches Ränkespiel mit verteilten Rollen und geschicktem Agenda-Setting erster Güte gibt sie da gerade, die so unsinkbar scheinende Kanzlerin. Merkel wusste genau, dass sie am Zug war. Andernfalls hätte ihr gerade dieses Thema empfindlich den Wahlkampf stören können. So kann sie sich genüßlich zurücklehnen und abwarten, was kommt. Vorhang auf und Auftritt Schulz-SPD: Wir erzwingen noch diese Woche die Abstimmung über die Ehe.

Gleich sprach CDU-Volker betont entsetzt-enttäuscht vom “bösen” Koalitionspartner, der “ein so sensibles Thema so schnell zur Abstimmung” bringen wolle. Und CSU-Horst? Der spielte eher widerwillig den Hardliner. Wie Merkel gab er dann scheinbar plötzlich seiner Fraktion das Okay: Möge jede*r abstimmen wie es ihm*ihr gefällt. Gut orchestriert hat die Chefin das sinkende Schiff flott und die Schotten dicht gemacht. Mit vollen Segeln nimmt sie Kurs. Die SPD musste handeln und die – auf dem Präsentierteller servierte – Gelegenheit ergreifen. Die Gefahr, andernfalls die letzte Chance verpasst zu haben, war zu groß. Auch das muss Merkel gewusst haben. Sie hat nichts zu verlieren, die SPD schon.

Am Ende wird ihr Kalkül so oder so aufgehen. Geht die Abstimmung wieder Erwarten schief, kann sie die Schuld der SPD in die Schuhe schieben. Meckern die konservativen Hardliner, kann sie schulterzuckend darauf verweisen, dass sie die Sache doch in Ruhe erst im Herbst angehen wollte. Ebenso, sollte es doch eine Verfassungsklage hageln. Darüber hinaus macht sie mit der lauteren Eheöffnung den bösen diskriminierenden, fast lautlos erschlichenen, Zusatz zum 175er-Gesetz ein wenig vergessen. Und die Herzen der konservativen Lesben und Schwulen dürften ihr weiterhin uneingeschränkt zufliegen.

Am Ende bleibt eins: Ja, es ist gut, dass endlich Fahrt ins Thema gekommen ist. Doch eine “Ehe für alle” bedeutet noch kein Ende von Diskriminierung und gesellschaftlich verankerter Homophobie. Die Hassprediger*innen wird es eher noch mehr auf den Plan rufen. Trotzdem dürfen wir uns am Freitag hoffentlich erst einmal freuen, dass Deutschland endlich mit seinen Nachbarn und Ländern wie Südafrika gleichgezogen hat.

Sabine Arnolds

Ist eine der beiden Gründerinnen von phenomenelle. Die Idee spannende Geschichten um Frauen gesammelt auf einer Seite zu erzählen und ihr eigenes Online-Magazin herauszugeben, treibt sie schon mehrere Jahre um. Ein Lebenstraum wird Wirklichkeit.

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Ein Kommentar

  1. Madeleine marti29. Juni 2017 um 11:02Antworten

    Interessanter Kommentar, vielen Dank.
    Offenbar spürt Merkel, was die Mehrheit will: Danke allen in Deutschland, welche dieses Recht ermöglicht haben,

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