phenomenelle
phenomenelle bei Twitterphenomenelle bei FacebookPhenomenelle bei Google PlusPhenomenelle RSS Feedphenomenelle bei Pinterest
SÜT Köln

Protest gegen lesbische Unsichtbarkeit bei der Berlinale 2014

Von Daniela Zysk | Am 6. Februar 2014
Kategorien: Allgemein, Featured, Film, informelle, kulturelle | Mit 1 Kommentar

Heute startet in Berlin wieder eines der größten und wichtigsten Filmfestivals der Welt, die Berlinale. Zum 64. Mal werden auf den roten Teppichen Stars und Sternchen und in den Kinos viele Filmpremieren aus allen Teilen der Welt gezeigt.

Seit 1987 gibt es im Rahmen der Berlinale den Teddy Award. Dies ist laut eigener Aussage einer der wichtigsten Filmpreise für queere Filme, der im Rahmen einer eigenen Gala-Veranstaltung verliehen wird. Auch viele lesbische Filmpremieren wurden dort in der Vergangenheit honoriert und damit auf sie aufmerksam gemacht. Im letzten Jahr gewann unter anderem der Film Concussion den Preis der Teddy Jury.

Der Verein Teddy e.V. schreibt in seiner Vereinssatzung:

§ 2 ZWECK, GEMEINNÜTZIGKEIT 2.1. Der lesbisch-schwule Filmpreis “TEDDY” (erst­mals 1987 verliehen) ist als offiziell aner­kann­ter Preis der Internationalen Filmfest­spiele Berlin der einzige Filmpreis seiner Art weltweit. Zweck des Vereins ist es, den TEDDY-Filmpreis mit den Mitteln des Vereins zum Förderpreis zu machen andere lesbisch-schwule Filmvorhaben zu för­­dern, die im Sinne von Bildung den Aus­bau von Tole­­ranz und Ver­ständigung zwi­schen den homo­sex­uel­len und hetero­sexuellen Bevöl­kerungs­grup­pen zum Inhalt haben die gesellschaftliche Wichtigkeit eines lesbisch-schwu­len Filmpreises national und inter­national hervor­zuheben und weiter zu fördern.

TEddy 3
So war es für Fans lesbischer Filme umso schockierender, dass in diesem Jahr kein einziger Langspielfilm mit lesbischen Inhalt auf der Berlinale gezeigt wird.
Branchenkennerinnen sind sich einig: am Fehlen von Einsendungen liegt es nicht, und dass alle eingereichten Filme mangelnde Qualität aufweisen, ist unwahrscheinlich. Das beweisen ja gerade andere große Filmfestivals, die mit großartigen lesbischen Filmen die Sichtbarkeit von Lesben unterstützen.

Um ein Zeichen gegen das Vorgehen der Berlinale und auch die bisherige Sprachlosigkeit der Teddy-Award-Verantwortlichen zu setzen, hat eine Gruppe von Filmexpertinnen einen offenen Protestbrief formuliert, der bereits Unterstützerinnen gefunden hat. Auch wir von phenomenelle gehören zu den Erst-Unterzeichnerinnen.
Euren eigenen Protest, oder eine Kopie diese Briefes könnt ihr mailen an: berlinale@berlinale.de, panorama@berlinale.de, info@teddyaward.de.

Offener_Brief_an_die _Berlinale

Offener Brief an die Berlinale-Verantwortlichen, 6. Februar 2014

Sehr geehrter Herr Kosslick, sehr geehrter Herr Speck, sehr geehrte Berlinale-Verantwortliche,

mit großer Empörung haben wir zur Kenntnis genommen, dass bei der 64. Berlinale 2014 so gut wie keine Lesbenfilme vertreten sind: Die Liste für den Teddy Award führt einen einzigen Langfilm und einen einzigen Kurzfilm auf!
Wie kann das sein? Warum wurden keine Filme mit lesbischer Handlung ins Programm genommen? Während im frauenfeindlichen Cannes (s. Petitionen wegen der fehlenden FilmemacherINNEN) im vergangenen Jahr immerhin eine lesbische Liebesgeschichte mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, ignorieren Berlinale-Verantwortliche Filmproduktionen über weibliche Homosexualität. Insbesondere in Zeiten der erstarkenden homosexuellenfeindlichen Initiativen (Demonstrationen gegen die Homo-Ehe in Frankreich, Diskriminierung Homosexueller bei den Olympischen Spielen in Sotschi, Petitionen gegen emanzipatorische Bildungspläne in Baden-Württemberg usw.) ist das Fehlen lesbian-like oder sich als lesbisch definierender Filmcharaktere auf einem Festival wie der Berlinale unter keinen Umständen akzeptabel.

Diesen Brief werden wir in Kürze auf www.lesben.org, www.phenomenelle.de und www.lesbengeschichte.de veröffentlichen.

Mit freundlichen Grüßen

Sabine Arnolds, Co-Gründerin von www.phenomenelle.de
Gabriele Bischoff, Geschäftsführerin LAG Lesben in NRW e.V., Redaktion Zeitschrift Wir Frauen
Carolina Brauckmann, Singer/Songwriter
Ingeborg Boxhammer, Autorin von „Das Begehren im Blick – Streifzüge durch 100 Jahre Lesbenfilmgeschichte“ und Co-Redakteurin von www.lesbengeschichte.de
Christiane Buck, Vorstand LAG Lesben in NRW e.V.
Konstanze “Konny” Gerhard, Betreiberin von “Konnys Lesbenseiten/www.lesben.org”, Vorstand im BLSJ e.V. – Bund lesbischer und schwuler JournalistInnen und im LSVD Schleswig-Holstein
Heike Janes, Filmemacherin und Mediengestalterin Bild & Ton
Claudia Lindner
Andrea Mielek, Vorstand LAG Lesben in NRW e.V.
Sünje Pohle, Mitarbeiterin der Haki e.V. in Kiel
Nele Tabler, Bloggerin, karnele.de
Daniela Zysk, Co-Gründerin von www.phenomenelle.de und Vorstand von Homochrom Filmfest und Filmreihe e.V.

Fotocredit: Dagmar Trüpschuch

Daniela Zysk

Co-Gründerin von phenomenelle. Sie erlebte ihre ersten Lesbenbabyschritte in der schwäbischen Provinz und war dann später in Köln in mehreren LGBTIQ Organisationen tätig, wo sie u.a. den WomenPride gründete und im Moment das Filmfestival homochrom unterstützt. Sie ist ein unverbesserlicher Happy-End Freak und findet die Vernetzungsmöglichkeiten dank der Social Networks das Größte seit der Erfindung von kalten koffeinhaltigen Getränken.

Mehr Artikel von Daniela ZyskWebsite

Schlagwörter: ,

Der Artikel hat Dir gefallen? Dann teile ihn mit Deinen Freunden!

Ein Kommentar

  1. Berlinale 2015 - Lesbische Beiträge3. Februar 2015 um 09:53Antworten

    [...] Vom 05. bis 15.2. 2015 findet wieder in Berlin das Filmfest Berlinale statt und im Gegensatz zu letztem Jahr, haben die Programmentwickler tatsächlich ein paar Filme mit lesbischem Inhalt gefunden, die sie zeigen möchten. *Ironie Off*. Hier unser Protest zur lesbischen Unsichtbarkeit im letzten Jahr: http://www.phenomenelle.de/allgemein/protest-gegen-lesbische-unsichtbarkeit-bei-der-berlinale-2014/ [...]

Dein Feedback

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Workshop LAG-Lesben
Anzeige LAG Lesben und Schwules Netzwerk Projekt-Workshop
terminelle Ankündigung Kalender

Liebe Leser_innen,

nach 4 1/2 Jahren wunderbarer und vertrauensvoller ehrenamtlicher Arbeit ist unsere Terminredakteurin bei phenomenelle von Bord gegangen. Wir lassen sie ungern ziehen, aber sie widmet sich jetzt anderen Aktivitäten. Für den wohlverdienten Ruhestand wünschen wir ihr alles erdenklich Gute.

Den Terminkalender werden wir in den kommenden Wochen erst einmal deaktivieren. Die Termine einzupflegen, ist mit einem hohen Aufwand verbunden, den wir in dieser Form derzeit nicht leisten können. Vielen Dank für euer Verständnis.

Das phenomenelle Redaktionsteam

Plan International Anzeige
Anzeige Plan International: Schülerin statt Sklavin
Folge uns bei Facebook!
homochrom Filmfest
homochrom Filmfestival 2017