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Interviewserie “Frauen an den Turntables”: Inge Linne

Von Daniela Zysk | Am 4. Juli 2014
Kategorien: Allgemein, kulturelle, LeStory, Musik | Mit 0 Kommentaren

Eine Frau als DJ – das ist so ähnlich wie eine Frau in der Chefetage eines Großkonzerns. Es gibt sicherlich etliche weibliche DJs, aber die wenigsten schaffen es ganz nach oben.
Der Weg dorthin ist gepflastert mit Vorurteilen und dummen Sprüchen wie ” „Hast du den Track von deinem Freund?“.

Wir wollen bekannten und weniger bekannten weiblichen DJs/DJanes mit unserer Interviewreihe “Frauen an den Turntables” Gelegenheit geben sich zu äußern und weitere Sichtbarkeit zu bekommen.
Kennst du auch eine weibliche DJ, die wir interviewen sollten? Dann schicke uns bitte eine Info an: redaktionelle@phenomenelle.de

Inge Linne

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Unter welchem Namen trittst du auf ?

Um die Frage zu beantworten, habe ich mal ein paar alte Plakate durchwühlt. Im Laufe meiner DJ Laufbahn habe ich mit den unterschiedlichsten Namenskonstellationen aufgelegt. Als ich in Kalifornien war, hieß ich z.B. DJ Sunshine, da mein Name sehr schwer auszusprechen war und meine dortigen Freundinnen mir dann kurzerhand den Sonnenscheinstaatnamen gegeben haben. Zurück in Deutschland hieß ich dann z.B. Inge L. , DjingelL oder auch Ile de Cologne. Ich war aber nie so wirklich 100% zufrieden mit den Namen, da sie nicht das ausdrückten, wer ich bin. Also entschied ich mich für Inge Linne (ohne DJ oder irgendwelche Zusätze), auch weil ich sowieso meistens nach meinem richtigen Namen gefragt werde. Irgendwie kann sich kaum eine/r vorstellen, dass ich tatsächlich so heiße, also nutze ich die Gelegenheit und trage meinen Künstlerinnennamen mit meiner eigenen Identität. Ich bin Inge Linne.

Seit wann machst du Musik und wie kamst du dazu ?

Seit dem ich meinen ersten Kassettenrekorder bekam, habe ich mit Leidenschaft Hörspiele und Musik gehört. Außerdem gab es einen sehr, sehr alten Plattenspieler, mit dem ich mit meinen Geschwistern Singles aus den 50ern und 60ern gehört habe. Und ziemlich früh habe ich angefangen, mehrere Geräte nebeneinander zu stellen und versucht sie parallel laufen zu lassen. Das hat natürlich nie funktioniert. Versuch mal einen selbstmitgeschnittenen Song aus Robert Treutels WDR 1 Show mit einer James Last Platte zusammenzubringen, das ist schon eine Herausforderung!
Als Jugendliche lernte ich dann Waldhorn spielen, ein übrigens sehr schönes Blasinstrument. Mit 20 kam dann noch die Trompete hinzu und derzeitig phantasiere ich mit meiner DJ Freundin Madame Summit, dass wir das mal live ausprobieren. Das Problem des Übungsraums ist die derzeit einzige Hürde, da meine letzte (Hör)Nachbarin sich tatsächlich eine Schallschutzmauer einbauen hat lassen, nachdem mein Üben so schrecklich und nervig war.
Der Vorteil am Spielen von Instrumenten ist, dass ich ungefähr weiß, wie ein Song aufgebaut ist und auch schon mal höre, ob es elektrisch oder Holz ist, was da läuft und welche Seele der Song hat.

Welche Musikrichtung bevorzugst du als DJ/Djane ?

Oh, das ist nicht leicht zu beantworten.
Ich bin als DJ in der klassischen Wave & Punk – Zeit groß geworden und hörte unglaublich gern Musik mit politischen Messages wie Holiday in Cambodia von den Dead Kennedys oder auch This is not a love song von P.I.L. – später entdeckte ich dann House Musik. Aretha Franklin war eine der ersten Sängerinnen, die mit Deeper Love House wunderbar umgesetzt hat, und ab da verschlug es mich auch zu Disco, Soul, Funk & House. Heute fasziniert mich immer noch die sanftere Form von Vocal und Deep House oder auch Balkan Beats – beide Styles sind geprägt von Blasinstrumenten.
Einer meiner Eigenschaften ist es, Liedtexte von Anfang bis Ende aufmerksam zu hören. Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein, wenn du weißt, dass der Text z.B. nicht gerade menschenfreundlich ist, die Leute sich den Song aber trotzdem wünschen. Ein Paradebeispiel ist da der Song Just the way you are, hört euch den Text mal an und findet die frauenfeindlichen Stellen – während ihr einen wildromantischen Abend mit eurer Liebesten verbringt.
Musik muss also für mich bestenfalls eine Message tragen oder gerne auch instrumental ohne Gesang sein. Diese Musik bringt dann in mir die Glücksmomente hervor.

Wo legst du überall auf ?

Ich lege gerne da auf, wo ich willkommen bin und die Atmosphäre stimmt. Das war in der Tat schon mal das Berghain, aber ich lege auch gerne bei Privatparties in Wien oder Berlin auf. In Köln findet ihr mich in der Werkstatt, Im Club Bahnhof Ehrenfeld, In der Kahnstation, Im Stadtgarten oder auch schon mal im Stollwerck.

Was war/wäre dein größter Erfolg ?

Es ist jedes Mal wieder ein großer Erfolg, wenn die Menschen tanzen, denn dafür kommen sie ja in den Club oder zur Party. Ein wunderbarer Moment ist, wenn alle springen und Spaß beim Tanzen haben. Hierbei ist es für mich nicht wichtig, wie groß oder berühmt die Location ist. Allerdings ist eine schöne und offene Atmosphäre der DJ gegenüber wichtig, zwar bist du auf der einen Seite Dienstleisterin, gibst aber auch auf der anderen Seite dein Herz für eine tolle Party, an die alle noch gerne zurückdenken. Und in solchen Glücksmomenten kramst du dann wer weiß welche Songs aus dem Repertoire, die ins Erstaunen versetzen.

Gibt es einen Unterschied zwischen einem lesbischen und einem nicht-lesbischen Publikum ?

Grundsätzlich ist es immer ein Unterschied, wo du spielst. Ob bei einer Privatparty, einer Hochzeit, einem gemischten oder einem rein lesbischen Event. Die Erwartungen sind meist sehr unterschiedlich, und ich kann das mittlerweile relativ gut einschätzen und weiß, wie ich reagieren muss. Sicherlich spielt auch das Alter und die Veranstaltung eine Rolle. Also gehst du irgendwo hin um zu tanzen und einen guten Abend zu haben oder um eine bestimmte DJ zu hören?

Was liegt dir auf dem Herzen im Bezug auf Locations und/oder Veranstalter ?

Da befinde ich mich in einer Doppelrolle. Zum einen veranstalte ich selbst mit 2 anderen Frauen die venus‘ delights Partyreihe, und zum anderen bin ich auch Auftragnehmerin. Als Veranstalterin ist es mir ungemein wichtig, dass unsere Gäste sich technisch wie sozial gut aufgehoben und wertgeschätzt fühlen und die angemeldeten Bedarfe umgesetzt werden. Heißt also, die Mikros sind tatsächlich da oder es gibt wirklich einen funktionierenden CD Player. Als Veranstalterin und als DJ ist es ungemein wichtig, dass der Sound gut und die Technik aktuell ist, denn nichts ist schlimmer als Sound, der weh tut. Wichtig ist ebenfalls, dass die Lokation uns gerne als Gäste willkommen heißt und das Personal Spaß hat.
Als Veranstalterin engagiere ich mich seit Jahren im Rahmen von ColognePride und möchte zum einen mehr lesbische Sichtbarkeit (auch durch das Feiern!) und zum anderen kritische Stimmen unterstützen. So wird dieses Jahr mit SOOKEE auf der Bühne eine queer-feministische Hip Hop Künstlerin vertreten sein.
Als DJ fühle ich mich wohl, wenn mir wertschätzend begegnet wird und ich nicht nur als Dienstleisterin sondern als Ressource gesehen werde, die für eine wunderbare Nacht sorgen wird. Für die Gäste ist dies über die Atmosphäre zu spüren.

Hast du Vorbilder und wenn ja wen ?

Klar, Vorbilder hast du, wenn du jung bist und eine Orientierung suchst. Das waren bei mir Nina Hagen und David Bowie. Die haben mir jetzt zwar nicht gezeigt, wo die eins schlägt und wie du die raushörst, allerdings haben sie mir gezeigt, dass es etwas anderes als den Mainstream gibt. Die eins oder der erste. Schlag ist für einen DJ ungemein wichtig, und da ich lange Zeit mit Platten auflegte, hat mir mein Instrumentenspielen sehr geholfen. Verfeinert und viel gelernt habe ich später beim Draufschauen, was meine Kolleg_innen so machen. Und so habe ich von Hans Nieswandt noch mal eine Menge gelernt. Heute würde ich eher von Lernen in der Peer Group sprechen und empfinde dies als ungemein hilfreich.

Weitere Infos:
Facebook: www.facebook.com/IngeLinne
Musik: https://soundcloud.com/inge-linne
Projekte: www.venusdelights.de

Fotocredit: Inge Linne

Daniela Zysk

Co-Gründerin von phenomenelle. Sie erlebte ihre ersten Lesbenbabyschritte in der schwäbischen Provinz und war dann später in Köln in mehreren LGBTIQ Organisationen tätig, wo sie u.a. den WomenPride gründete und im Moment das Filmfestival homochrom unterstützt. Sie ist ein unverbesserlicher Happy-End Freak und findet die Vernetzungsmöglichkeiten dank der Social Networks das Größte seit der Erfindung von kalten koffeinhaltigen Getränken.

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