Ziemlich imperfekt: A Perfect Ending
Die Story in Kurzform: Eine gutsituierte, verheiratete aber frustrierte Mittfünfzigerin und eine verwitwete Endzwanzigerin, die als Escort-Girl arbeitet, verlieben sich ineinander.
Wird das gutgehen? – Wird nicht verraten.
Werden wir Sex-Szenen sehen? - Dies ist ein Nicole-Conn-Film! Natürlich! Wahrscheinlich die längsten Sexszenen mit dem größten Altersunterschied in der Lesbenfilmgeschichte.
So, um das ganze nun authentisch, dramatisch, “kritisch” zu gestalten, kommen folgende Zutaten dazu:
Die Mittfünfzigerin namens Rebecca (Barbara Niven) leidet darunter, dass ihr Mann (John Heard) ausschließlich ans Business denkt. Nochmehr leidet sie darunter, dass sie noch nie einen Orgasmus hatte, was sie ihren beiden besten (zufälligerweise lesbischen) Freundinnen beichtet, die zufälligerweise sehr gut bekannt sind mit der Besitzerin (Morgan Fairchild) eines Escort-Clubs. Diese Agentin organisiert ihr Business nicht mit Karteikärtchen, nein auch nicht mit einem Laptop, sondern mit Barbiepuppen (Fairchild sieht nach ihren Liftings schon selbst aus wie eine Barbie).
Rebecca wird also überredet, sich doch einmal ein lesbisches Date zu kaufen. Gesagt, getan. Eine Verwechslung, viele Schlucke Wodka später und nach drei Anläufen klappt es dann auch echt mal mit dem Date und dem Sex.
Die junge Prostituierte namens Paris (Jessica Clark) hat es umgekehrt auch nicht leicht: Eigentlich ist sie nämlich Künstlerin und malt, wann immer sie kann. Was nicht so oft passiert, denn sie leidet sehr darunter, dass sie eine Mitschuld am Tod ihres Mannes trägt.
Rebeccas Mann macht krumme Geschäfte und begeht einen großen Fehler. Rebeccas Sohn verlobt sich mit der falschen Frau. Jemand erkrankt unheilbar an Krebs. Rebecca rächt sich an ihrem Mann.
Und wie gesagt: Rebecca und Paris verlieben sich ineinander und haben schließlich guten Sex.
Unabhängig davon, ob das vielleicht ein bisschen zu tief in die Klamottenkiste gegriffen ist: man kann daraus sicher einen spannenden Film machen, Nicole Conn kann es nicht.
Dabei geben alle SchauspielerInnen offensichtlich ihr Bestes, um authentisch daherzukommen, insbesondere Barbara Niven ist wunderbar.
Aber die Inszenierung ist einfach furchtbar schlecht, die wahnsinng langatmigen Kameraschwenks auf belanglose banale Details, die fast schon unerträgliche Musikuntermalung sind schierer Kitsch. Und schon wieder muss eine überforderte Schauspielerin eine verkannte aber “really talented” Künstlerin spielen, was so dermaßen daneben geht, dass man in den Kinositz beißen möchte.
Aber das sind die Konstanten in Nicole Conns Filmen, das scheint tatsächlich ihr Geschmack zu sein.
Die Fürstin des lesbischen Kitsches hat wieder zugeschlagen.
Wer auf Soul-Kiss-Produktionen und sowas steht: Reingehen. Für alle anderen ist es eine Strafe (Sorry, liebe Barbara Niven).
A Perfect Ending, USA 2012, Soul Kiss Films
Ulrike Anhamm
gründete das legendäre ‘Lesbenmagazin “Lespress”, das seit 1995 über zehn Jahre das lesbische Leben in Deutschland prägte. Die Phenomenelle-Idee gefiel ihr so gut, dass sie sofort zur Unterstützerin wurde.
Schlagwörter: Barbara Niven, Jessica Clark, Lesbenfilm, Nicole Conn, Perfect Ending









Danielas 5 Worst Dyke Movies 2012 - phenomenelle15. Oktober 2012 um 10:34
[...] nicht weiß wo ich anfangen soll zu lästern und wo aufhören. Deshalb überlasse ich dies lieber Ulrike Anhamm, die eine eigene Review auf phenomenelle verfasst [...]
Jasmina Dreissel4. April 2013 um 17:05
Hach Danke ! Habe das genauso empfunden und mich teilweise sogar ernsthaft fremdgeschämt. Es hätte ein netter Film werden können, aber leider… nunja.