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Verfolgung von Lesben im Nationalsozialismus in Bielefeld

Von Gastautorin Christine Stonat | Am 21. Mai 2014
Kategorien: Hirschfeld-Tage 2014, kulturelle | Mit 0 Kommentaren

Verfolgung von Lesben im Nationalsozialismus, Bielefeld 16.5.2014, Hirschfeld-Tage 2014, © Christine Stonat

Vortrag und Gespräch im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2014 in Bielefeld

Die Verfolgung von Lesben im Nationalsozialismus in Bielefeld war das Thema bei der Veranstaltung am 16.5.2014 im Bielefelder Frauenkulturzentrum. Julia Kammann und Lisa Klingbeil stellten im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2014 die Ergebnisse ihrer Nachforschungen im Auftrag des Frauenkulturzentrums vor.

Das Thema der Verfolgung von Lesben im Nationalsozialismus sei ein schwieriges Forschungsfeld, so die Vortragenden, weil es im Nationalsozialismus keine systematische Verfolgung von Lesben und keine strafrechtliche Verfolgung wie bei schwulen Männern nach § 175 gab. Es existierten nur wenige Akten und Dokumente. Zeitzeuginnen sind und waren auch früher schwer zu finden, das berichtete auch Historikerin Claudia Schoppmann in ihrem Vortrag wenige Tage zuvor im Frauenkulturzentrum Bielefeld. Es ist davon auszugehen, dass Lesben „verdeckt“ verfolgt wurden und Homosexualität nicht der Hauptgrund der Verfolgung von Lesben war. Ihre im schlimmsten Falle Internierung ins KZ erfolgte meist nicht aufgrund ihres Lesbisch seins, sondern sie wurden als „Asoziale“ oder „Kriminelle“ etwa wegen Unzucht mit Abhängigen oder Nötigung verurteilt, wie alle anderen Frauen, etwa Prostituierte, die nicht der Sexualpolitik des Nationalsozialismus entsprachen. Häufig wurden sie von Kolleg_innen, Nachbar_innen oder anderen Bekannten denunziert.

Vermerk LL für lesbische Liebe?

Im einzigen expliziten Frauen-KZ Ravensbrück sollen Frauen den Rosa Winkel, mit dem vor allem Schwule gekennzeichnet wurden, mit dem Vermerk „LL“ für „Lesbisch Liebe“ getragen haben. Bekannt ist, dass Jenny S. und Erna P. in Ravensbrück als Jüdinnen mit dem Zusatz „Triebhafte Lesbierin“ oder „sehr aktive Lesbierin“ im Meldebogen interniert waren. Bei Elli S. und Margarete R. stand als Haftgrund „politisch“ mit Zusatz „lesbisch“. Die Autorin und LGBT-Aktivistin Ilse Kokula berichtet in ihrem Buch Der Kampf gegen Unterdrückung unter anderem von einem „Lesben-KZ“ in Bützow. Hier soll es einen eigenen „Lesben-Block“ mit mehreren lesbischen Häftlingen gegeben haben. Vergewaltigungen und Zwangsprostitution zur „Umerziehung“ lesbischer Frauen waren hier systematische Foltermethoden.

Zu verfolgten Lesben in Bielefeld und lesbischen Bielefelder Frauen in Konzentrationslagern ergaben die ersten Forschungsergebnisse im Auftrag des Frauenkulturzentrums keinerlei Ergebnisse.

Bäumer, Ferber, Koch-Otte – Bielefelder Lesben im Nationalsozialismus

Näher vorgestellt wurde von den Vortragenden stattdessen noch einmal Elisabeth Zimmermann, die 1913 im Bielefeld nahen Paderborn geboren wurde, die Claudia Schoppmann für ihr Buch Zeit der Maskierung als Zeitzeugin interviewt hatte.

Im anschließenden Gespräch stellte eine Besucherin das Buch Frauen in der Bielefelder Geschichte vor. Zu den knapp 40 Frauenbiographien (Geburtsjahre 1826 bis 1923) des Buches zählen unter anderem die der Frauenrechtlerin, Politikerin und Schriftstellerin Gertrud Bäumer (1873-1954), Gestalterin und Professorin Gertrud Kleinhempel (1875-1948), Schulleiterin und Jugendpflegerin Emmy Mertgen (1880-1959) und Glaskünstlerin und Pädagogin Hilde Ferber (1901-1967). In all den oben genannten Kurzbiographien finden sich Hinweise darauf, dass die vier Bielefelderinnen mit Frauen zusammengelebt haben. Nicht in dem Buch erwähnt wird die Bielefelder Bauhaus-Textl-Künstlerin Benita Koch-Otte (1892-1976), nach deren Designs und Mustern noch heute in Bethel gewebt wird. Sie gilt ebenfalls als lesbisch. Benita Koch-Otte liegt in Bethel begraben. Wissenschaftlich belegt ist das Lesbisch sein der genannten Frauen jedoch nicht.

Begleitende Ausstellung

Die Bielefelder Veranstaltungen zum Thema „Lesben im Nationalsozialismus“ im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2014 wurden begleitet von der Ausstellung „Und trotzdem … Lesben im Nationalsozialismus“ (s. Foto oben), die vom Frauenarchiv ausZeiten e.V. und von Rosa Strippe e.V. in Kooperation mit der LAG Lesben in NRW konzipiert wurde.

Weiterführende Literatur zur Veranstaltung:
Claudia Schoppmann Zeit der Maskierung (Orlanda Verlag, 1993/1998)
Ilse Kokula Der Kampf gegen Unterdrückung (Frauenoffensive, München 1975)
Insa Eschebach Homophobie und Devianz. Weibliche und männliche Homosexualität im Nationalsozialismus (Forschungsbeiträge und Materialien der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Bd. 6)
Christa Schikorra Kontinuitäten der Ausgrenzung. ‚asoziale‘ Häftlinge im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. (Metropol, Reihe Dokumente, Texte, Materialien, Bd. 41, Berlin 2001)
Bärbel Sunderbrink (Hg.) Frauen in der Bielefelder Geschichte (Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2010)

Gastautorin Christine Stonat ist Herausgeberin des lesbischen Bielefelder Online-Magazins weird

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