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Shamim Sarif im Interview zu “Despite the Falling Snow”

Von Gastautorin Larissa | Am 15. Mai 2014
Kategorien: Featured, Film, kulturelle | Mit 1 Kommentar

Dreharbeiten Despite the Falling Snow

Der neue Film der Regisseurin von I can’t think straight

Das Leben von dem sie träumten oder Despite the Falling Snow, wie das Buch von Shamim Sarif im Original heißt, ist die Grundlage für ihren neuesten Film. Der Roman handelt von einer Liebesgeschichte im Russland des kalten Krieges, Ende der 50er Jahre, aus der Perspektive von Alexander. Er ist mittlerweile 60, lebt in Boston und will sein Lebenswerk, ein Catering Imperium, verkaufen. So wechselt man zwischen den Handlungen im modernen amerikanischen Leben in eine fast vergessene Zeit, zurück in seine Heimat und zur Liebe seines Lebens, Katja. ihr Tod blieb ungeklärt und nie konnte er Frieden damit schließen. Nun macht sich seine Nichte Lauren daran, das Rätsel zu lösen und dringt immer tiefer in eine Zeit der politischen Spiele und Gefahren ein. Die Dreharbeiten zu Despite the Falling Snow wurden im Frühjahr beendet und phenomenelle Gastautorin Larissa hatte die Möglichkeit, der Regisseurin Shamim Sarif ein paar Fragen zu stellen.

Der Roman „Das Leben von dem sie träumten“ spielt in verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten. Wie kam es zu dieser  Geschichte und wieso hast du das Setting so gewählt?
Es hat tatsächlich als Kurzgeschichte über Verrat und Russland angefangen und hat sich dann verselbstständigt. Zu dem Zeitpunkt habe ich viel gelesen und mich entschieden selbst nach Russland zu fahren und es hat sich zu einer Geschichte entwickelt über Verrat und Liebe zwischen Menschen, die sich an zwei komplett gegenüberliegenden Seiten des Spektrums befinden. Und wenn die Welten der beiden Menschen so vollkommen unterschiedlich sind, wie können sie sich lieben? Geschweige denn, dass vielleicht noch ein Verrat zwischen den beiden liegt.

Wenn die Frage nicht zu persönlich ist – gab es einen konkreten Anlass für diese Geschichte?
Screenshot von Webseite Despite the Falling SnowNein, es hatte keinen direkt persönlichen Anlass. In allen meinen Arbeiten ist es mir wichtig, zwei Dinge zu integrieren: zum einen zwei Menschen bei denen man nicht unbedingt denkt, dass sie zueinander passen, aus welchen Gründen auch immer. Und wie sie einander beeinflussen und sich aufeinander einlassen. Zum anderen habe ich gerne einen starken politischen Hintergrund, weil es dann um mehr geht, wenn zwei Personen unter Druck stehen und die politische Komponente hinzu kommt, zum Beispiel eine Regierung die gegen sie ist oder ein System, dem sie sich wiedersetzen müssen.

Warum spielt die Geschichte in Moskau und Boston?
Moskau kam aus dem politischen Hintergrund und Boston war mehr eine persönliche Wahl. Ich habe meinen Master an der Universität von Boston gemacht. Es war eine unglaubliche Zeit als Studentin und das wollte ich in diesem Roman beschreiben und zelebrieren auf eine Art. Es fiel mir leicht die Stadt zu beschreiben.

Und wieso diese spezielle Ära?
Für mich war das eine besonders interessante Zeit als ich mehr über die russische Geschichte gelernt habe. Das Gefühl eines Krieges, den man nicht wirklich sehen kann, Gegner die man nicht wirklich definieren kann und das Gefühl, immer unter Beobachtung zu stehen und unsicher zu sein, wem man vertrauen kann. Es ist herausfordernd, in so einer Zeit Vertrauen aufzubauen und jemanden zu lieben und war für mich ein interessanter Bereich um ihn zu erkunden.

Mit den beiden Elementen der „schwierigen Liebe“ und dem politischen Hintergrund, was möchtest du mit diesem Roman bzw. Film ausrdrücken, was liegt darunter?
Ich glaube ich möchte damit etwas ausdrücken, was ich in anderen Projekten auch schon versucht habe, nämlich mit dem Hintergrund der Politik und Situation, dass die menschliche Seele/der Geist ein wirklich unglaublicher Teil von uns bleibt und wir die Fähigkeit haben, anders zu denken, anders zu handeln, die Welt anders zu sehen und die Welt anders zu beeinflussen, als was wir überhaupt für möglich halten. Es ist der Grundgedanke, dass wenn man offen bleibt für alles, kann auch alles passieren. Das klingt vielleicht ein bisschen nach Poesiealbum, aber ich glaube wirklich, wenn Menschen mutig, beharrlich und  integer sind und getrieben werden, dass sie zu Unglaublichem fähig sind. Und das spiegelt sich auch in der Geschichte zwischen Katja und Alexander wieder.

Als du die Schauspieler ausgesucht hast, nach was hast du gesucht?
Ich hatte keine spezifische Vorstellung der Charaktere, ich wollte ein Grundgefühl, eine bestimmte Qualität haben. Eine gute Kommunikation zwischen uns ist essentiell. Nicht zwingend, dass die Persönlichkeit mit der Figur übereinstimmt, denn dafür sind es gute Schauspieler.

Eure Söhne sind ebenfalls im Film – wie war das?
Es sind nur kleine Rollen; sie kamen für einen Drehtag dazu. Es ist auf jeden Fall meine schwerste Arbeit als Regisseurin! Aber sie waren ja schon in anderen Filmen mit kleinen Rollen dabei, am Ende von I can’t think straight und einer von ihnen unter anderem als Sohn von Lisa Ray in The World Unseen. So sind sie an Filmsets gewöhnt und es war toll, dass sie dort waren. Ethan hat auch ein paar Stuntszenen und wollte sie selbst machen, so hat er darin Unterricht bekommen und sie selbst gemacht. Luca hat einen Chameo Auftritt als Schuljunge, der von Katja behandelt wird. Es war wunderbar Familie und Filmwelt zu verbinden.

Hanan Kattan wird den Film auch wieder produzieren. Wieso habt ihr euch entschieden auch an diesem Film miteinander zu arbeiten?
Dreharbeiten Despite the Falling SnowIch glaube nicht, dass ich mit jemand anderem Filme produzieren wollen würde. Wir haben eine sehr starke Beziehung, nicht nur privat (sie sind verheiratet, Anm.d.R.), sondern auch beruflich als Produzentin und Regisseurin. Jemanden zu finden, der kreativ die eigenen Vorstellungen mit harter Arbeit  in einen Film umsetzen kann, ist ein Geschenk. Für sie ist es wahrscheinlich etwas stressiger als für mich, aber sie macht es trotzdem (lacht). Vor allem aber ist es schön, in dieses eigene Universum eines Films, auch mit all den Reisen, die Familie einbringen zu können.

Wie lief der Dreh des Films? Bist du zufrieden mit dem Ergebnis?
Ja, ich glaube es gibt keinen Film bei dem die Produktion immer vollkommen geschmeidig läuft. Wir haben viel in Belgrad gedreht, doch es war einer der wärmsten Winter seit Jahren und so gab es kaum Schnee. Es war ein großes und tolles Team und das Ergebnis ist wirklich toll. Vor allem mit so vielen unterschiedlichen Locations und dem Budget das wir hatten.

Wie ist denn der Zeitplan ab jetzt und wann kommt der Film in die Kinos?
Wir editieren die nächsten drei Monate, dann kommt post-production und Effekte, anschließend der Soundtrack und September/Oktober wird er fertig sein zur Veröffentlichung. Wir hoffen also Anfang 2015 in den Kinos damit zu sein!

Eine tolle Bandbreite an Schauspielern wirken nun am Film mit. Letzten Jahr hieß es unter anderem auch, dass Maria Furtwängler und Olga Kuylenko mitspielen werden, doch jetzt sind sie nicht dabei?
Leider war es so, dass sich die Zeitpläne verschoben haben und wir viel später angefangen haben, als geplant. So hat es mit Olga leider nicht geklappt. Mit Maria haben wir viel gesprochen und kurz vor Drehbeginn war sie unsicher im Bezug auf die Liebesszene und so haben wir uns gemeinsam entschlossen getrennte Wege zu gehen.

Apropos Liebesszene – welche Gewichtung hat die lesbische Geschichte im Film und wieso ist sie Teil des Romans?
Insgesamt machen Alexander und Katja ca. 60% des Films aus und ca. 40% die Gegenwart. Es ist ein sehr starker zweiter Plot und ist ein modernerer Teil des Ganzen. Lauren wird darin eine Beziehung zu einer russischen Journalistin unterhalten – was abweichend vom Buch ist –, die mit ihrer eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat. Ich glaube es war wichtig, dass im Film (im Gegenteil zu einem Buch), beide Geschichten eine gewisse Stärke haben und die jeweils anderen Facetten eines Themas zeigen.

Was möchtest du noch zum Film selbst sagen, was ist dir wichtig bei diesem Projekt?
Ich glaube es ist eine neue Stufe im Bezug auf die Komplexität des Geschichtenerzählens im Vergleich zu The World Unseen und I can’t think straight. Hier haben wir sechs Hauptcharaktere im Gegenteil zu zwei, zwei verschiedene Zeiträume und zwei verschiedene Locations mit Moskau und New York, statt Boston wie im Buch. Es gab viel zu balancieren und es war bis jetzt eine sehr spannende Reise. Vor allem dass sie einander ergänzen und ich bin sehr glücklich mit allem, was bis jetzt rausgekommen ist. ich hoffe, dass die Menschen weiterhin Enlightenment Productions unterstützen und wir weiterhin gute Ergebnisse schaffen.

Kann ich fragen ob es ein Happy End geben wird?
(lacht) Ja und nein. Es wird eine unschöne Überraschung geben und eine schöne. Da wirst du wohl warten müssen, bis der Film im Kino ist, das kann ich jetzt nicht verraten.

Und noch eine letzte Frage: Arbeitest du aktuell an weiteren Projekten trotz deines vollen Terminkalenders?
Das tue ich derzeit tatsächlich; ich arbeite an einer Geschichte für ein Buch und eine Verfilmung. Es ist ein Actionfilm der sich um ein Team von weiblichen Agenten handelt. Es geht dabei um sanfte Macht und wie Privatpersonen und Unternehmen in der Welt vielleicht viel mehr Einfluss haben als sie es in der Vergangenheit hatten. Und wie weit man damit gehen kann samt Verantwortung und Gefahren, die das mit sich bringt. Es soll ein intelligenter Thriller werden.

Herzlichen Dank für das interessante Interview und alles Gute für die weiteren Projekte!
Es war mir ein Vergnügen und vielen Dank.

Fotos: Setbilder von den Dreharbeiten zu Despite the Falling Scene, © Enlightenment Productions

Webseite zum Film mit viel Bildmaterial Behind the Scenes
und hier noch ein kleiner Clip vor Beginn der Dreharbeiten

Shamim Sarif – Despite the falling Snow
Das Leben von dem sie träumten
Verlag Krug & Schadenberg
368 Seiten

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Ein Kommentar

  1. Sam29. Juli 2014 um 21:35Antworten

    Äh… was, bitte, Frau Furtwängler? Da hat sie plötzlich Bedenken wegen der Liebesszenen???

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