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Gayby Baby – Kinder mit homosexuellen Eltern

Von Andrea Schlosser | Am 5. Dezember 2012
Kategorien: Film, kulturelle | Mit 1 Kommentar

„Was ist denn schon ein Vater?“

Gayby Baby Macherinnen Maya und Charlotte

Ein Interview mit Maya Newell

(The original interview in English you’ll find here)

Die meisten Dokumentationen über die Gleichstellung der Ehe konzentrierten sich bisher nur auf Berichte von Erwachsenen. Die 24-Jährige Maya Newell, selbst Kind von gleichgeschlechtlichen Eltern, und ihre Co-Produzentin Charlotte Mclellan liefern nun die erste Dokumentation zum Thema, die aus der Sichtweise von Kindern erzählt.

In Gayby Baby verleihen Maya Newell und Charlotte Mclellan den unerzählten Geschichten von Kindern mit gleichgeschlechtlichen Eltern eine Stimme – Newell nennt diese Kinder „gaybies“ – gay babys. Newell und Mclellan nutzen ihre Dokumentation, um auf die sozialen und kulturellen Schwierigkeiten aufmerksam zu machen, die während der Erziehung der Kinder auftreten könnten.

Um die Dokumentation fertigzustellen und genug Geld zu sammeln, nutzen Newell und Mclellan die Methode des Crowdfunding. Die derzeitige Summe aus Spenden beläuft sich auf 20.000 Australische Dollar. Für die Finanzierung und Realisierung des Projekts fehlen weitenhin 80.000 Dollar. Wenn auch Ihr Interesse habt das Projekt zu unterstützen, könnt Ihr dies in Form von Spenden tun:

Gayby Baby auf pozible.com

Wieso habt ihr euch dazu entschlossen Kinder und nicht deren Eltern zu interviewen?

Ich denke, wir haben in vielerlei Hinsicht viele Geschichten von Homosexuellen gehört: wichtige Kämpfe für die Gleichberechtigung früher wie heute, Coming-Out-Geschichten und sogar Geschichten von Paaren, die versuchten Kinder zu bekommen. Aber jetzt wachsen die Kinder heran und wir müssen unsere eigenen Geschichten erzählen. Das ist unbekanntes Terrain und in einer gewissen Art und Weise sind die Kinder die neueste Ergänzung in der queeren Community. Als Kind von lesbischen Müttern ist dies auch meine Lebensperspektive und ich fühle mich wohl dabei, diese zu repräsentieren.

Während Kinder aufwachsen, entwickeln sie noch ihre Identität und ihr Selbstvertrauen. Gibt es deiner Meinung nach Nachteile oder eher Vorteile, dass man kulturell lesbisch oder schwul aufwächst? Ist der gesellschaftliche und kulturelle Druck auf solche Familien und deren Kinder (nicht) zu hoch?

Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Erziehung unsere Identität und Weltanschauung prägen, ganz gleich, ob wir indisch oder deutsch sind, ob wir in der Stadt oder auf dem Land leben, oder von alleinerziehenden oder getrennt lebenden Eltern erzogen werden. Gleichgeschlechtliche Eltern zu haben, ist genau das Gleiche.
Manchmal führt es zu Herausforderungen, beispielsweise wenn man sich vor neuen Freunden an einer neuen Schule „outen“ muss. Aber manchmal gibt es auch Vorteile, zum Beispiel, wenn man seine beiden Väter dazu bringt, die tollste Kostümparty zu geben, eine Party, von der deine Freunde nur träumen können.

Ich glaube, dass sich viele Kinder in gleichgeschlechtlichen Familien unter Druck gesetzt fühlen, Erfolg zu haben und zu beweisen, dass ihre Familien eine Daseinsberechtigung haben. Ich nenne dies das „Poster-Kids-Syndrom“.
Es gibt viele Dinge, die unsere Regierungen weltweit tun könnten, um den Druck auf uns „Gaybys“ zu reduzieren. In Australien ist es illegal, dass gleichgeschlechtliche Paare heiraten und das berührt manche Kinder emotional sehr stark.

Brauchen Kinder eine Mutter UND einen Vater um aufzuwachsen? Hat eines der interviewten Kinder die Sehnsucht nach einer mütterlichen oder väterlichen Person in ihrem Leben geäußert?

Ich glaube, ein Kind braucht Sicherheit, Unterstützung und Liebe, und nicht zwei Elternteile unterschiedlichen Geschlechts. Ja, das ist ein Thema, das wir untersuchen. Kinder entwickeln kein Verlangen nach einem Vater. Normalerweise äußern Eltern das Fehlen des anderen Geschlechts als einen Verlust, der dann von den Kindern übernommen wird. Man kann nicht vermissen, was man nicht hatte. Es ist so als würde man sagen, Kinder von heterosexuellen Paaren vermissten zwei Mütter oder zwei Väter.

Sobald man die Rolle einer Mutter und eines Vaters trennt, könnte ein Kind das Gegenstück brauchen. Ich denke aber, dass es in unserem Zeitalter lächerlich ist zu sagen, dass Mütter kochen und Väter die Ernährer der Familie sein müssen.

In Gus’ Familie (eines der Kinder im Film) habe ich dessen Mutter, Amanda, niemals ein Kleid tragen sehen, und sie und Gus überschlagen sich immer auf dem Trampolin. Was ist denn schon ein Vater?

Welche neuen Erkenntnisse könnten Politiker, die gleichgeschlechtliche Ehen in Australien ablehnen, von der Ansicht der Kinder in der Dokumentation gewinnen?

Als sich Obama für die gleichgeschlechtliche Ehe aussprach, sagte er, es sei, weil seine Tochter eines Abends von einer Freundin nach Hause kam, die zwei lesbische Mütter hatte. Sie fragte ihren Vater, warum ihre Eltern verheiratet sein könnten, aber die ihrer Freundin nicht. Obama bezeichnete dies als den Moment, der seine Meinung zur Gleichstellung der Ehen änderte. Wenn die Welt sieht und hört, dass Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien sich genauso perfekt, aber auch nicht perfekt, entwickeln können wie jedes andere Kind auch, wird dies der Weg zum Wandel sein.

Hat sich die Meinung der interviewten Kinder, in Bezug auf die Beziehung ihrer gleichgeschlechtlichen Eltern, geändert, je älter sie wurden?

Natürlich ändert sich unsere Meinung, vor allem während der Pubertät. Dies ist die verblüffende Zeit in unserem Leben, wenn wir das erste Mal beginnen, uns eine eigene Meinung über die Welt und deren soziale Ungerechtigkeiten zu bilden. Wenn Kinder älter werden, sind sie eher in der Lage ihre Gefühle und Ansichten zu artikulieren als sie nur zu leben und emotional auf sie zu reagieren.

Sind Kinder von gleichgeschlechtlichen Paaren häufiger von Mobbing, beispielsweise in Schulen oder Sportvereinen, betroffen?

Gayby Baby Screenshot HomepageBei manchen Kindern ist es ihr rotes Haar, bei manchen Kindern von gleichgeschlechtlichen Eltern werden es zwangsläufig die Entscheidungen unserer Eltern sein, die uns etwas Kummer bereiten. Natürlich hängt dies davon ab, wo man zur Schule geht – auf dem Land oder in der Großstadt –  und auch von der Persönlichkeit und Kraft des Kindes, Fieslingen entgegenzutreten. Es ist eine merkwürdige Art von Mobbing, weil es dem Kind nicht anzusehen ist; wir „sehen“ nicht aus wie Kinder von gleichgeschlechtlichen Eltern. Deswegen dreht sich das Mobbing darum, was in uns ist, unsere Identität und die eigentliche Aufmachung.

Ein Kind erzählte mir, dass ein Junge in ihrer Klasse sie verspottete und sagte, dass ihre Eltern homosexuell seien. Sie antwortete: „Ja, und deine Eltern sind heterosexuell“. Nicht wissend, was das Wort bedeutete, bestritt der Junge es und lief unterlegen weg.

Ich selbst war schon einige Male in Sydney und habe die Stadt als sehr gay-friendly erlebt. Was denkt ihr, wie die Leute auf eure Dokumentation reagieren werden – gibt es Stellen, die für Aufruhr sorgen könnten?

Sydney und Melbourne sind sehr großstädtische, moderne Städte, aber es gibt immer noch viel versteckten, manchmal öffentlichen, Schwulenhass. Unsere Premierministerin ist gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gerade vor ein paar Monaten verglich Cory Bernardi, ein konservativer Abgeordneter des Parlaments, die gleichgeschlechtliche Ehe mit Sodomie. Er wurde glücklicherweise entlassen. Für manche Menschen könnte diese Dokumentation sehr kontrovers sein, aber sicherlich auch aufschlussreich.

Ist die Dokumentation nur an eine australische Zuschauerschaft gerichtet, oder plant ihr sie weltweit zu veröffentlichen?

Weltweit. Absolut. Während viele der Kinder Australier sein werden, sind die Themen und Nuancen von Familie zutiefst in jedem Menschen vorhanden, ganz gleich, woher ein Mensch kommt.

Gayby Baby wird nach Deutschland kommen! Wir hoffen, dass er auf Festivals und überall in den Kinos gespielt werden wird.

Was ist euer Ziel für die Zukunft?

Ich hoffe viele, wichtige Dokumentationen zu machen, die einen Einblick in zeitgenössische, globale Probleme geben. Ich glaube, dass die „Dokumentation“ ein starkes Medium ist, das dazu in der Lage ist, unsere Sichtweise zu verändern.

Wie können sich interessierte Menschen an dem Projekt beteiligen und spenden?

Wir brauchen eure Hilfe, Deutschland! Schaut euch unseren Trailer an:

Gayby Baby the movie – Crowdfunding Trailer (2) from Gayby Baby on Vimeo.

Wenn er euch gefällt und ihr an das glaubt, was wir machen:

  1. TWEETET unter diesem Link einen gay-friendly Star, oder einen anderen Star von dem ihr glaubt, er/sie könnte das Projekt unterstützen. Sagt uns, WARUM er/sie unseren Trailer sehen sollte: http://bitly.com/WzlHrT.
  2. SCHREIBT eine persönliche E-Mail an einige Menschen von denen ihr glaubt, dass sie Interesse an dem Film hätten, und verbreitet somit die Geschichte von Gaybies. Schaut euch unsere neue Internetseite an und beteiligt euch unter: www.gaybybabythemovie.com
  3. FOLGT uns auf Facebook: www.facebook.com/gaybybaby

Andrea Schlosser

Andrea ist Studentin der Amerikanistik mit dem Schwerpunkt LGBT Studies, Music Studies, Gender Studies und Comics Studies. Diese Einflüsse möchte sie in ihre Arbeit für „PhenomenElle“ einbringen. Neben dem kultur-und literaturwissenschaftlichen Studium, stillt Andrea ihren Bewegungs-/und Entdeckungsdrang durch regelmäßige Reisen. Ob kurz oder lang, sie liebt es fremde Menschen und deren Kulturen kennen zu lernen. Ein weiteres Interesse, das sie mit dem Reisen verbindet, ist die Fotografie, die sie während eines einjährigen Aufenthaltes in Australien für sich entdeckt hat.

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Ein Kommentar

  1. Gayby Baby – Kids with gay parents - phenomenelle5. Dezember 2012 um 10:02Antworten

    [...] (The German Interview you’ll find here) [...]

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