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Soongava – Dance of the Orchids

Von Gastautorin Ingeborg Boxhammer | Am 30. September 2013
Kategorien: Featured, Film, kulturelle | Mit 1 Kommentar

Eine Frage der Menschenwürde

Ein Lesbenfilm, der von Nepal selbst ins Rennen um Oscars geschickt wird?

Soongava 1„Soongava – Dance of the Orchids“ ist der erste nepalesische Film, der sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe zwischen Frauen auseinandersetzt. Schaut eine nach den homosexuellenpolitischen Verhältnissen im Land, so ist zumindest die Gesetzgebung fortschrittlich: Seit 2007 wird Homosexualität in Nepal nicht mehr kriminalisiert. Diskriminierung ist verboten, der Schutz der sexuellen Orientierung per Gesetz garantiert. Sogar die bis dato legale Diskriminierung von Trans* ist seit August dieses Jahres aufgehoben; im Personalausweis kann ab sofort „männlich“, „weiblich“ oder „Drittes Geschlecht“ angekreuzt werden. Aber all das bedeutet noch lange nicht, dass die (traditionsbewusste) patriarchal heterosexuell orientierte Bevölkerung Lesben toleriert und etwaig beanspruchte Freiräume respektiert. Laut QueerAmnesty (http://www.mersi-amnesty.de) wird die Blue Diamond Society, die seit 2001 unabhängig Aufklärungs- und Gesundheitsprogramme sowie Hilfe und Beratung für sexuelle Minderheiten in Nepal anbietet, immer wieder massiv eingeschüchtert. Auch gewalttätige Übergriffe wurden gemeldet. Inmitten dieser nepalesischen Lebensrealität siedelt Subarna Thapa mit „Soongava“ in seinem ersten Spielfilm eine lesbische Liebesgeschichte an.

Diya und Kiran, zwei junge Tanz-Studentinnen Anfang zwanzig, die sich an der Universität von Kathmandu kennengelernt haben, verlieben sich ineinander und entscheiden sich für ein gemeinsames Leben. Gleichzeitig arrangiert jedoch Diyas ahnungslose und wohlhabende Familie eine Heirat mit dem Sohn einer anderen angesehenen Newar-Familie. Kathmandu – dieser Name konnte für geraume Zeit auch in Europa mit Lesben in Zusammenhang gebracht werden: Die gebürtige Vietnamesin Elula Perrin (1929-2003) eröffnete 1969 mit Aimée Mori (Lebensdaten unbekannt) in Paris den längst legendären Nachtclub „Le Katmandou“, der bis 1989 einer der gefragtesten und bekanntesten Treffpunkte für Lesben war, ein Synonym sozusagen. Das Kathmandu von heute präsentiert sich im Film gleichermaßen als modern – im Sinne von westlich orientiert – und rückwärts gerichtet, im Sinne von in Kasten denkenden Eltern, die ihre Töchter zwangsverheiraten.

Kiran willigt zunächst in die arrangierte Ehe ein und lässt die Verlobungszeremonie zu, entscheidet sich jedoch zum Entsetzen ihrer Eltern schließlich gegen die Verbindung. Und genau das ist es, was diesen Film sehenswert macht: Beide Frauen entwickeln sich mehr und mehr zu autonomen und selbstbewussten Entscheidungsträgerinnen; sie setzen sich über die Erwartungen ihrer Herkunftsfamilien hinweg, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Der Film verschweigt nicht, dass damit noch nicht alles gewonnen ist, denn die Hüter und Hüterinnen der patriarchalen Ordnung verfügen über zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten gegen tabubrechende unabhängige Frauen: Gewalt, Freiheitsberaubung oder auch Anzeige bei der Polizei. Außerhalb der Familienstruktur nutzen Männer ihre Macht und kündigen der ungehorsamen Rebellin prompt: den Arbeitsplatz, die Wohnung. Was bleibt? Nicht viel. Diya widerspricht ihrem Chef, der ihre Entlassung selbst nicht korrekt findet, es sei keine Frage der Fairness, sondern der Menschenwürde. Wenigstens Diya scheint am Ende einen kleinen Teil ihrer Ziele verwirklichen zu können. Im traditionell nepalesischen Tanz drückt sie zugleich ihre Verzweiflung wie ihre Power aus: Sie kann es schaffen.

Während bei bahnbrechenden Filmen aus dem südasiatischen Raum, wie etwa dem bewegenden Drama „Fire“ (1996) der in Kanada lebenden Inderin Deepa Mehta, das „L-Wort“ weder in der filmeigenen Werbung noch in den Hintergrundinformationen zu lesen war, nennt die Homepage zu „Soongava – Dance of the Orchids“ die Geschichte offen und klar beim Namen: „Nisha Adhikari and Diya Maskey in the lead roles of two lesbian lovers.“ (http://soongava.com/)

Und noch etwas anderes unterscheidet die lesbische Emanzipationsgeschichte „Soongava“ vom Klassiker „Fire“: Das kritische Drama „Fire“ musste damals komplett in Kanada gedreht werden, obwohl es der erste Teil einer Trilogie über das moderne Indien sein sollte. Vielleicht hat sich in all den Jahren seit 1996 doch etwas getan? Offenbar: „Soongava“ ist mit nepalesischen Geldern in Nepal gedreht und wird als nepalesischer Beitrag für den Auslandsoscar 2014 eingereicht. Wow!

 Ingeborg Boxhammer

Soongava – Dance of the Orchids

Nepal/Frankreich 2012, R: Subarna Thapa,
mit Nisha Adhikari und Deeya Maskey, 85 min

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Ein Kommentar

  1. SOONGAVA – DANCE OF THE ORCHIDS (NRW-Premiere) | homochrom7. Oktober 2013 um 11:44Antworten

    [...]   “was diesen Film sehenswert macht: Beide Frauen entwickeln sich mehr und mehr zu autonomen und selbstbewussten Entscheidungsträgerinnen… Der Film verschweigt nicht, dass damit noch nicht alles gewonnen istt, denn die Hüter und Hüterinnen der patriarchalen Ordnung verfügen über zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten gegen tabubrechende unabhängige Frauen…” – schreibt Ingeborg Boxhammer bei phenomenelle [...]

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