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SÜT Köln

Workshop, Konzert und Vortrag: Schwule Rapper mit Sookee

Von Gastautorin Caroline Frank | Am 23. April 2014
Kategorien: Hirschfeld-Tage 2014, kulturelle | Mit 0 Kommentaren

Sookee "Schwule Rapper" 19.4.2014, © Caroline Frank

„Cro ist für mich der Schlimmste“

Am Samstag, dem 19. April, veranstaltete die NRW-Kampagne „anders und gleich – Nur Respekt Wirkt“ im Rahmen der Hirschfeld-Tage 2014 eine Kombination aus Rap-Workshop, Vortrag und Konzert in Münster. Die queer-feministische Rapperin Sookee und der Berliner Rapper Refpolk zeigten an Beispielen auf, wie sich Sexismus und Homophobie im deutschsprachigen Rap verstecken oder ganz offensichtlich zeigen.

„Schwule Rapper“ lautet der Titel eines Songs des Rappers Kool Savas. Der Text war aufgrund seiner Hassreden gegen Frauen und Schwule sowie der expliziten und gewalttätigen Sexualität, die darin beschrieben wird, Anlass und Titelgeber zugleich für die Veranstaltung am Ostersamstag. Wie kommt es, dass Rap so geprägt ist von Gewalt und Sex? Sookee und Refpolk machten sich zusammen mit 10 Workshop-Teilnehmer_innen auf die Suche nach Gründen. Sie beleuchteten gemeinsam die Anfänge von Rap in den USA, die Sub-Kultur und ihre ursprünglichen Anliegen sowie die unterschiedlichen Rap-Genres, die daraus entstanden. Die Teilnehmer_innen im Alter von 19 bis 53 Jahren lernten, wie Rap ursprünglich dazu diente, Kämpfe nicht mehr mit Blutvergießen in den Straßen auszutragen, sondern sich in Battle-Raps mit Worten zu duellieren. Die Texte, die im kreativen Teil des Workshops entstanden, waren aber weniger kämpferisch, sondern spiegelten vielmehr die Erfahrungswelten der Schreibenden.

Homophobie und Sexismus von aggressiv bis subtil

Konzert Sookee, 19.4.2014, © Caroline FrankDer Vortrag am Abend griff dann die Erfahrungswelten unterschiedlicher Künstler_innen auf und zeigte an Beispielen, wie unterschiedlich Rap sein kann. Sookee und Refpolk verstanden es, den etwa 100 Zuhörer_innen mit vier Videos einen Einblick in die Welt des Rap und seiner problematischen Aspekte zu geben. Homophobie sei hierbei nur einer von mehreren Aspekten und beziehe sich meistens auf schwule Männer. Nicht nur Videos von Bushido und KIZ sorgten für Entsetzen, sondern auch eines der ehemaligen Sexarbeiterin und heutigen Rapperin Schwester Ewa. Sie dreht die Machtverhältnisse um: Hier ist es eine Frau, die ihre realen Erlebnisse beschreibt, Freier zu Freiwild erklärt und von ihren Plänen rappt, sie auszunehmen. In zunächst sanfter anmutenden Tönen rappt Cro, der Rapper mit der Panda-Maske. Seine Beschreibung davon, wie er eine Frau schwängert, deren Namen er nicht einmal weiß und auch nicht wissen möchte, findet Sookee gar nicht so „easy“. Sie sagt

Cro ist für mich der Schlimmste, weil er so harmlos daher kommt, seine Message aber so abgründig ist.

Damit unterscheide er sich maßgeblich von Rappern wie Bushido, deren Hassreden sehr aggressiv und offensichtlich seien. Cro hingegen vermittle eher subtil, dass es okay sei, eine schwangere Frau sitzen zu lassen und nicht einmal ihren Namen wissen zu wollen, weil seine Freiheitsliebe zu groß sei.

Lila Samt von der Quing of Berlin

Konzert Sookee, 19.4.2014, © Caroline FrankFür die Entlarvung derartiger Geschlechterklischees und den Kampf gegen Chauvinismus brennt Sookees Herz. Sie nennt sich selbst “Quing of Berlin”, eine eigene Wortschöpfung, die eine Mischung aus Queen und King ist und Geschlechtergrenzen aufweichen soll. Ihr neustes Album Lila Samt ist soeben erschienen – einige Songs daraus gab sie am Samstag im gemeinsamen Konzert mit Refpolk zum Besten. In ihren Texten beschäftigt sie sich vor allem mit Kritik an Machtstrukturen, Kapitalismus und mit Identitäten in verschiedenen Lebenszusammenhängen. Das Konzert war mit mehr als 170 Zuschauer_innen sehr gut besucht und die Stimmung erreichte nicht nur bei ihrem Szene-Hit Pro Homo den Siedepunkt.

Wir sind sehr zufrieden und ganz begeistert, wie viele Menschen sich mit der HipHop-Kultur kritisch auseinandersetzen möchten,

sagte Gabriele Bischoff, Geschäftsführerin der LAG Lesben in NRW, Trägerin der Kampagne „anders und gleich“. Die Beantwortung einer Frage blieb die Veranstaltung allerdings schuldig: Warum ist Rap mit sexistischen und homophoben Inhalten so erfolgreich? Warum hören so viele Jugendliche und auch Erwachsene diese Musik trotzdem? Sookee und Refpolk, die sich mit diesen Themen auch wissenschaftlich auseinandersetzen, mahnen die unzureichende Forschungslage an. Ob es sich hier um Frustabbau, fehlende Aufklärung oder ganz andere Gründe handele, könne nur gemutmaßt werden.

Text und Fotos: © Caroline Frank

www.sookee.de
www.refpolk.de
www.andersundgleich-nrw.de

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