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Konkursbuchverlag

Interview mit Mirjam Müntefering

Von Daniela Zysk | Am 23. Oktober 2012
Kategorien: kulturelle, LITelle | Mit 1 Kommentar

Beliebte Autorin lesbischer Literatur

Mirjam Müntefering mit dem Augspurg-Heymann-Preis

Bild: Tina Stotz

Mirjam Müntefering (geboren 1969) ist eine der beliebtesten deutschen Autorinnen für Literatur mit lesbischem Inhalt.

Sie hat sich eine große Fangemeinde aufgebaut, besonders unter jüngeren Leserinnen, da sie in ihren Büchern eine positive Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität gerade in der Pupertät aufzeigt.

Im Jahr 2009 erhielt Sie den Augspurg-Heymann Preis der LAG Lesben in NRW. Wir sprachen mit der Autorin über ihr neues Buch, ihre Zukunftspläne und das Leben an sich.

Es ist ja in letzter Zeit still um dich geworden. Dein neuer Roman Siebter erschien nach 2 Jahren Pause vor einigen Tagen. Um was geht es in dem neuen Buch?

Nachdem ich seit 1998 mehr als 20 Bücher rausgebracht habe, war das letzte Jahr wirklich sehr still … Das liegt daran, dass ich in 2011 an Krebs erkrankt bin und in der Zeit der Behandlungen sind Lesungen oder andere Veranstaltungen nicht drin gewesen.

ABER es geht mir wieder gut! Und geschrieben habe ich in dieser schweren Zeit auch. Dabei heraus gekommen sind gleich zwei Bücher. Ein Weihnachts-Schmöker-Geschenk-Buch über einen ausgesetzten Hund: Weihnachten mit Bolle (Hardcover im Lübbe Verlag – frisch erschienen) UND mein ganz besonderer Stolz: SIEBTER, mein RabenRoman.

Siebter ist ein sehr besonderes Buch, eine Liebesgeschichte und eine Geschichte über Zusammenhalt und Freundschaft. Das sind Themen, über die ich früher auch schon oft geschrieben habe. Aber diesmal erzähle ich die Geschichte aus der Sicht von Rabenvögeln.

Buchcover SiebterDer schlaue Rabe Siebter lebt in der Kolonie am Steinnest unter der Linde. Hier verliebt er sich nicht nur in die hübsche ErsteTochterTheaTheo, sondern erlebt auch mit, wie die Krähe Minella angeschossen wird. Gut, dass am Hof auch ihre Miss White lebt, die sich um Minella kümmert und für sie die Tierärztin Anne und deren Vater Dad auf den Hof holt. Doch damit ist der Ärger nicht beseitigt. Der junge Will Blacksmith, der für Minellas Verletzung verantwortlich ist, liegt plötzlich tot im Kuhstall und Miss White wird verdächtigt. Die Raben müssen die Wahrheit ans Licht bringen.

Als ich zu meinem Roman Liebesgaben über Monogamie in der Tierwelt recherchierte, stieß ich auf die faszinierenden Rabenvögel. Ihr Sozialleben und ihre Intelligenz fesselten mich. Zugleich empfand ich es als furchtbar tragisch, dass diese Tiere – die früher einmal als Götterboten galten und als weise verehrt wurden – seit dem Mittelalter dämonisiert wurden. Noch heute sind sie bei den meisten Menschen nicht gern gesehen. Mir lag sehr am Herzen, Sympathie und Verständnis für sie zu wecken.

Außerdem ist Siebter im kleinen Debüt Verlag erschienen, der Verlag, den meine Lebensgefährtin Sabine ins Leben gerufen hat und in dem bisher ausschließlich Bücher mit lesbischen bzw schwulen ProtagonistInnen erschienen sind. Zum ersten Mal bin ich also am kompletten Entstehungsprozess beteiligt gewesen. Das hat riesig Spaß gemacht! Und weil die Bücher bei uns zuhause lagern, können wir auch anbieten, dass alle LeserInnen, die das Buch per Mail über den Verlag bestellen, eine persönliche Widmung von mir bekommen können. Das ist doch auch was Besonderes.

Du lebst mit deiner Frau zusammen auf dem Land, wo du eine Hundeschule leitest, aber auch Schreibworkshops veranstaltest. Wann bleibt da Zeit fürs Schreiben?

Das ist eine schlaue Frage. Im letzten Jahr habe ich viel reflektieren und nachdenken können. Und im Frühjahr 2012 habe ich daher den Großteil meiner Hundeschule aufgegeben. Ich hatte 15 Jahre lang in zwei Full-time-Jobs gearbeitet. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Nun habe ich mich fürs Schreiben entschieden! – was eine Herzensentscheidung ist. Und es warten jede Menge neuer, spannender Geschichten auf mich.

Zu meiner Schreibleidenschaft zähle ich auch das Weitergeben dessen, was mir so viel Freude macht: die Schreibworkshops. Die sind ja eigentlich eher SchreibURLAUBE – denn sie gehen über eine Woche, sind auf nur wenige Teilnehmerinnen begrenzt und finden in schönem Ambiente mit wunderbarer Verpflegung statt. Während dieser Woche schreibe ich selbst nicht, sondern lasse mich einfach wieder anstecken von der Begeisterung der Teilnehmerinnen.

Was denkst du über die heutigen großen CSD-Paraden? Immer noch Notwendigkeit oder unpolitisches „Zurschaustellen“?

Ich finde sämtliche Veranstaltungen rund um den CSD – und dazu zähle ich auch die Paraden – nach wie vor wichtig. Zum einen tragen sie dazu bei, dass wir uns der Gleichberechtigung aller Lebensweisen immer mehr annähern. Zum anderen geht es aber doch nicht nur darum. In meinen Augen ist es auch eine wunderbare Festivität, zu der wir Menschen treffen, uns austauschen und einfach mal feiern können.

Du hast einen Magister in Filmwissenschaften. Besteht noch Interesse am Film oder ist dies völlig in den Hintergrund gerückt?

Bist Du Hellseherin? Nachdem ich schon im Studium Drehbuchseminare belegt hatte, nehme ich in ein paar Tagen an einem Seminar zur Skriptentwicklung teil, das vom HR organisiert wird. Ich weiß noch nicht, ob mir diese enge Zusammenarbeit mit Redaktionen liegen würde. Schließlich bin ich es seit vielen Jahren gewöhnt, meine Geschichten erstmal zuende zu schreiben, bevor mir jemand reinreden kann. Aber ich schnuppere jetzt mal rein und bin gespannt, was dabei raus kommt.

Gab oder gibt es Pläne einen deiner Romane zu verfilmen?

Davon träume ich nach wie vor. Aber das ist von vielen Faktoren abhängig. Daumen drücken hilft!

Wie stehst du zu den Social Networks wie Facebook und Twitter, wo du (bisher) nicht vertreten bist?

Ich habe wohl eine ziemlich nostalgische Ader. Ich mag handgeschrieben Briefe, die in meinem echtem Briefkasten landen, einfach lieber als Emails. Und daher habe ich mich lange geziert, z.B. bei Facebook mitzumischen. Allerdings hat sich auch das in den letzten Monaten geändert. Und derzeit basteln wir an meinem Facebook-Auftritt.

Welche Bücher liest du selbst gern und welche Autorin/welcher Autor inspiriert dich?

Ich lese querbeet GESCHICHTEN! Die sogenannte gehobene Literatur interessiert mich meist nicht. Mir ist wichtig, dass ich in den Büchern eintauchen und alles miterleben kann. Ich bin ein riesen Harry Potter-Fan, liebe Jane Austen, Marge Piercy, aber auch aktuelle coole Geschichten wie Irgendwas geht immer (zum Schreien komisch) oder Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry (sehr nachdenklich) oder Das Schicksal ist ein mieser Verräter (wer hier nicht weint, hat kein Herz).

Sehr inspirierend ist es auch, in meinen Schreibworkshops mit zu erleben, wie die Figuren der Teilnehmerinnen sich plötzlich entwickeln und ihre Geschichte finden. Das ist erhebend. Als sei ich bei gleich mehreren Geburten dabei …

Wenn du dir eine berühmte Person zu einem Abend-Dinner aussuchen dürftest. Wer wäre dies und wieso?

Ich würde ein Dinner für Joanne K. Rowling, Kate Winslet und Emma Thompson kochen. Weil ich sie alle drei für ihr Können und ihr tiefstes Wesen, das sich in ihrem Können spiegelt, verehre – und weil ich mir die Gespräche in dieser Runde extrem interessant vorstelle.

Für alle Müntefering-Fans: Ein Siebter zu gewinnen

Wir verlosen ein Exemplar ihres neuen Romans! Wer an der Verlosung** teilnehmen möchte, schickt bitte ganz schnell eine mail an verlosung@phenomenelle.de, Stichwort “Siebter”. Unter den ersten 20 Einsendungen wird die Gewinnerin gezogen. Einsendeschluss ist der 30.Oktober 2012. Viel Glück!
**Teilnahmeberechtigt sind nur Personen über 16 Jahre. Die Preise werden nicht in bar ausgezahlt. Die Gewinner werden schriftlich per Mail benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

http://www.mirjam-muentefering.de

Daniela Zysk

Co-Gründerin von phenomenelle. Sie erlebte ihre ersten Lesbenbabyschritte in der schwäbischen Provinz und war dann später in Köln in mehreren LGBTIQ Organisationen tätig, wo sie u.a. den WomenPride gründete und im Moment das Filmfestival homochrom unterstützt. Sie ist ein unverbesserlicher Happy-End Freak und findet die Vernetzungsmöglichkeiten dank der Social Networks das Größte seit der Erfindung von kalten koffeinhaltigen Getränken.

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Ein Kommentar

  1. phenomenelle des Tages vom 29.1.2013: Mirjam Müntefering29. Januar 2013 um 11:47Antworten

    [...] Mirjam Müntefering im Interview mit phenomenelle [...]

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