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„Eine Lesbe singelt um die Welt“: Stand-Up-Comedian Anika Hoffmann

Von Gastautorin Lisa Wischer | Am 16. Dezember 2012
Kategorien: informelle, kulturelle | Mit 0 Kommentaren

Kaya Yanar analysiert in seinen Programmen auf lustige Weise Deutsch-Türken, Cindy aus Marzahn beschäftigt sich mit fülligeren Frauen, Mario Barth mit dem Wesen Frau im Allgemeinen. Jeder Stand-Up-Comedian hat so sein Thema.
Anika Hoffmann hat entdeckt, dass es in der Lesbenwelt ganz schön viel zu lachen gibt und ist seit 2010 mit ihrem Programm „Eine Lesbe singelt um die Welt“ unterwegs. Die Wahlberlinerin ist eigentlich ausgebildete Groß-und Außenhandelskauffrau, hat das Büro aber gegen die Bühne eingetauscht und kommt mit ihrem Humor, in dem eine große Portion Selbstironie steckt, nicht nur in der Homoszene gut an. Zwischen den Planungen für ihr zweites Soloprogramm hat die 27-Jährige sich Zeit genommen, Phenomenelle ein paar Fragen zu beantworten. Unter anderem verrät Anika Hoffmann, warum sie sie gerade Comedy übers Lesbisch sein macht.

Seit 2010 stehst du mit deinem Programm „Eine Lesbe singelt um die Welt“ auf der Bühne. War es immer dein Plan und Wunsch Comedy zu machen?

Anika HoffmannDas Leben verläuft ja glücklicherweise nie nach Plan. Rückblickend betrachtet hätte ich mir als Teeny nie vorstellen können, auf der Bühne zu stehen, geschweige denn Stand-Up Comedy zu machen. Referate bzw. freie Reden zu halten war für mich die Höchststrafe. Unfreiwillig konnte ich jedoch durch witzige Kommentare die Klasse ganz gut unterhalten. (Hat sich jedoch nie positiv auf die Noten ausgewirkt)

Wann hast du überhaupt dein Talent fürs lustige Geschichten erzählen, Witze schreiben und im Endeffekt für Stand-Up Comedy entdeckt?

Das „Talent“ war schon immer da. Ich habe immer die Geburtstagsreden bzw. –grüße für die Familie geschrieben. In der Schule hatte ich, wie man so schön sagt auch ein wenig die Klassenclownposition. Und von klein auf hatte ich eine extra Speicherkapazität hinsichtlich Witze. Ich habe Witze in mich aufgesaugt, dass tu ich auch heute noch!! Meine Idole sahen auch anders aus…Otto, Dieter Krebs, Helge Schneider.

Warum hast du dich für Comedy übers Lesbisch-Sein entschieden?

Das ist ganz einfach…weil ich beweisen kann, dass Lesben lachen können!!!

Die Vorurteile über männerhassende, schlecht gelaunte Kampflesben halten sich immer noch hartnäckig im Gesellschaftsbild. – Leider! Die Realität sieht anders aus. Das Schlagwort ist VIELFALT. Mit einem Augenzwinkern will ich aufzeigen, wie absurd einige Klischees sind!! Das lesbische Leben ist spannend, witzig und bunt.

Lachen Lesben und Schwule anders oder über andere Sachen als Heterosexuelle?

Nein. Das hat auch nichts mit Sexualität zu tun. Menschen lachen, weil das, was sie hören oder sehen ihren Sinn für Humor trifft.
Würden wir diese Frage auf ein anderes Themenfeld runterbrechen, könnte ich auch fragen: Schmeckt eine Tomate einer Lesbe und einem Schwulen genauso gut wie einem Heterosexuellen?

In deinem Programm stecken viele (wahre) Klischees. Wie viel Klischee steckt in dir selbst?

Die Klischees…bzw. das, was ich beschreibe, fand seinen Anfang bei mir. Einiges trifft definitiv auch auf mich zu. Die kurzen Haare, der Gang…

Wenn eine Frau wie du das lesbische Leben so analysiert hat, ist sie da gerne lesbisch?

Lesbisch zu sein ist für mich eine Bereicherung. „Anders“ zu sein ermöglicht es, aus der Masse heraus zu stechen. Und das lesbische Leben ist ja nicht immer so überspitzt, wie ich es darstelle. Es kann auch ganz spießig sein!

Anika HoffmannReizt es dich in Zukunft auch noch andere Themenfelder zu behandeln? Auch um einen weiteren Schritt Richtung große Comedy-Bühnen zu machen?

Natürlich möchte ich in erster Linie als Künstlerin wahrgenommen werden. Ich bin Veranstalterin einer eigenen Show in Berlin. Kümmer mich diesbezüglich. auch um die komplette Organisation. Innerhalb dieses Rahmens beschäftige ich mich mit anderen Themenfeldern.
Hin und wieder bin ich als Moderatorin tätig. Aber ich fühle mich wohl dabei, die lesbische Lebensweise darzustellen. Derzeit arbeite ich – und es wird sicherlich noch etwas dauern – an meinem zweiten Soloprogramm „Der Weg zu eingaytragenen Lebensgaymeinschaft“. Es gibt einfach noch viel Material!

Wirst du auf der Straße oder in Berlins Lesben-Szene oft erkannt und angesprochen? Wie gehst du damit um?

Also, ich spüre das gar nicht wirklich. Dazu kommt, dass ich auch nicht mehr so häufig auf Szeneparties zu finden bin. Ich glaube ich wurde in den letzten zwei Jahren zwei bis dreimal Mal in Berlin bewusst angesprochen. Das ist natürlich erstmal irritierend. Andererseits ist angesprochen zu werden auch sehr schön, denn offensichtlich habe ich die Leute erreicht und bin in deren Gedächtnis geblieben.

Wie sehr hat sich dein Leben sonst durch den Erfolg verändert?

Mmmh… da hat sich nicht allzu viel verändert. Das einzige was sich wirklich verändert hat ist die Internetpräsenz. D.h. ich habe neben meiner Homepage noch zwei Seiten bei Facebook und meinen Youtubechannel. All das mache ich in Eigenregie. Also die Nutzung des Internet hat sich rapide gesteigert!

Du stehst ja nicht nur alleine, sondern in deiner Show akc akut – lachen und gut! [anikas künstlerinnen circus] auch mit anderen Künstlern und Künstlerinnen auf der Bühne. Was macht dir mehr Spaß?

Das kann ich gar nicht so genau sagen, beides ist aufregend! Der Vorteil bei meiner Show ist natürlich, dass ich nicht komplett alleine spiele.- Da kann ich mich auch mal etwas zurücklehnen. Ich mag beides, das ist ein tolles Kontrastprogramm.

Anika Hoffmann

Foto: Vision Pictures

Die Lesben-Welt ist ja leider nicht immer lustig. Wie siehst du die aktuelle politische Diskussion um steuerliche Gleichstellung für homosexuelle Paare und das Recht auf gemeinsame Adoption?

Ich finde in der heutigen Generation sollte es einfach nicht mehr in dieser Form problematisiert werden. Politiker & Kirchenvorstände reden sich in Talkshows etc. um Kopf und Kragen, um irgendwie zu erklären und zu beweisen, wie unnormal solch ein Familienkonzept ist. Wenn homosexuelle Paare die ehelichen Pflichten erfüllen müssen, sollten sie auch definitiv Anspruch auf die Rechte haben!! Da ist für mich einfach gar kein Diskussionsspielraum. Politik & Kirche müssten letztendlich mal auf die verbesserte 2.1 Version upgedated werden.

Weihnachten steht vor der Tür. Wie sieht ein klassisches lesbisches Weihnachtsfest aus?

Ganz kitschig mit der Familie. Mit allem was dazu gehört. Geschenke, weihnachtliche Musik, gutes Essen und dem ein oder anderen Glühwein.

Was erwartet uns im nächsten Jahr von dir? Wird 2013 dein Jahr? =)

Es ist schon ziemlich viel im Kalender eingetragen. Ich werde so viel wie möglich mit meinem Soloprogramm in Deutschland, Österreich und vielleicht auch der Schweiz unterwegs sein. Meine eigene Show wird selbstverständlich im regelmäßigen Tonus fortgesetzt. Es wird einige Projekte mit anderen Künstlern geben. Und dann muss das zweite Soloprogramm geschrieben werden. Es wird nicht langweilig!!!

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