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SÜT Köln

Ein Kommentar zu “Hart aber fair”

Von Gastautorin Meike | Am 8. Dezember 2012
Kategorien: kulturelle, TV | Mit 0 Kommentaren

Wie ein Adventskalender die Gleichstellung verhindert

Der folgende Text erschien von Meike zuerst auf ihrem Entertainment- und Medien-Blog: Rosalie & Co. Wir bedanken uns für die Möglichkeit, diesen hier auch posten zu dürfen.

Was haben die Christmas Avenue in Köln und der Winter Pride in Hamburg mit der Frage zu tun, ob homosexuelle Paare bei der Einkommensteuer und bei Adoptionen die gleichen Rechte und Möglichkeiten haben sollen wie heterosexuelle Paare?

Wenn es nach Herrn Plasberg und seiner “Hart aber fair”-Redaktion geht, anscheinend eine ganze Menge. Jedenfalls scheinen ein schwul-lesbischer Weihnachtsmarkt und ein Adventskalender, auf dem leicht bekleidete Herren abgebildet sind, auszureichen, um bei dem ARD-Moderator Zweifel aufkommen zu lassen, ob er tatsächlich so ein “berufstoleranter Großstädter” ist, der diese Frage mit einem klaren “Warum denn nicht?” beantwortet. Denn warum sollte eine Gruppe, die mit solcherlei Aktionen ihr Anderssein betont, gleiche Rechte bekommen?

Weihnachtskalender aus Hart aber Fair

Und wie schon bei der Ankündigung der Sendung mit dem Titel “Papa, Papa, Kind: Homo-Ehe ohne Grenzen?” konnte man sich spätestens an diesem Punkt erneut fragen: Ernsthaft, Herr Plasberg? Daran wollen Sie festmachen, ob ein Teil der Bevölkerung in diesem unseren Lande im 21. Jahrhundert weiterhin dafür diskriminiert wird, wen sie lieben, und ob Kinder in sogenannten Regenbogenfamilien weiterhin rechtlich schlechter gestellt werden als Kinder, die Mami und Papi zuhause haben, nur weil sie das “Pech” haben, dass ihre Eltern schwul oder lesbisch sind? An einem Adventskalender???

Natürlich ging es in der Sendung nicht nur um Weihnachtsmärkte und Adventskalender, aber im Nachhinein hätte man es sich fast gewünscht. So wären einem wenigstens die minutenlangen Ausführungen von Martin Lohmann, Chef des katholischen Fernsehsenders K-TV, darüber, wie kostbar Sexualität ist, aber doch bitte nur, wenn daraus potentiell ein Kind enststehen kann, ebenso erspart geblieben wie die altbekannte Leier vom Kindeswohl und dass Kinder ein Recht darauf haben, bei einer Mutter und einem Vater aufzuwachsen. Die wurde diesmal von Birgit Kelle vorgetragen, die sich anscheind vor allem dadurch als Gast der Sendung qualifizierte, dass sie Mutter von vier Kindern ist. Wie gut es für das Wohl von Kindern, die mit nur einem Elternteil oder aber mit homosexuellen Eltern aufwachsen, ist, wenn man ihnen permanent erzählt, dass ihre Familie weniger wert ist als eine “klassische” Familie, diese Frage hat leider niemand gestellt.

Hart aber fair Diskussionsrunde

Überhaupt, an kritischen und fundierten Nachfragen kam da – bis auf die Frage, ob Herr Lohmann, der nur ein Kind hat, dann auch nur einmal mit seiner Frau Sex hatte – weder von Moderator Plasberg noch von den anderen Gästen in der Runde leider herzlich wenig. Zumindest als es um das Nein der Kanzlerin zur steuerlichen Gleichstellung homosexueller Paare ging, hätte doch mal jemand fragen können, warum die kinderlose Ehe von Frau Merkel eigentlich schützenswerter ist als die Lebensgemeinschaft eines homosexuellen Paares mit Kindern. Wo ist Volker Beck, wenn man ihn braucht?

Statt dessen wurde munter von der “homosexuellen Ehe” gesprochen, obwohl es die in Deutschland gar nicht gibt, und die Diskussion insbesondere an Schwulen und schwulen Paaren festgemacht, obwohl ein großer Teil der homosexuellen Paare in Deutschland aus zwei Frauen besteht. Wenig hilfreich war auch die Äußerung von Ex-No Angel Lucy Diakovska, dass es in homosexuellen Beziehungen eine klassische Mann-Frau-Rollenverteilung gäbe und sie, wenn sie mit ihrer Freundin ein Kind hätte, wohl die Vaterrolle übernehmen würde. Für die Zuschauerinnen und Zuschauer war es ein bißchen so wie Stefan Kaufmann, CDU-Bundestagsabgeordneter und (trotzdem) schwul, es zu Beginn der Sendung im Hinblick auf die Tätigkeit als Politiker beschrieben hatte: “Man braucht ein gewisses Maß an Gelassenheit”.

Und trotzdem, so widersprüchlich und ironisch das jetzt auch klingen mag, war diese Sendung hilfreich. Denn auch ohne kritische Nachfragen haben die Verfechter des klassischen Ehe- und Familienbildes einmal mehr bewiesen, worum es ihnen geht – nämlich ums Prinzip und um die Aufrechterhaltung ihrer Vorstellungen von Moral, Sitte und Anstand. Und das geht langsam aber sicher nicht nur den von Herrn Plasberg so bezeichneten “berufstoleranten Großstädtern” auf die Nerven.

Gestern Abend, während die Sendung noch lief, bekam ich eine SMS von einer heterosexuellen Bekannten, die sich selbst als eher konservativ bezeichnet. Sie schrieb:

“Ich schaue gerade Hart aber fair und bin empört. Ich habe neben FDP durchaus schon CDU gewählt. So wie die sich aufstellen werde ich die CDU nicht mehr wählen.”

Danke.

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