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Buchklassiker: Der andere Blick – lesbische Geschichte in Österreich

Von Gastautorin Larissa | Am 14. April 2016
Kategorien: kulturelle, LITelle | Mit 0 Kommentaren

Oder: eine Ausstellung, die (2001) nicht sein durfte

27 Autorinnen und Autoren tragen im Buch Der andere Blick ihren Teil zur queeren Kulturgeschichte Österreichs bei. Anlass war eine Museumsausstellung zur Europride 2001 in Wien. Die eigentlich geplante Ausstellung durfte jedoch im selben Jahr nicht stattfinden. „Es sei kein Thema für eine historische Darstellung“ war damals die Begründung des Museumsdirektors. Welch‘ Ironie.

Kulturgeschichte aus neuem Winkel betrachtet

Coverbild "Der andere Blick – Lesbischschwules Leben in Österreich"

Glücklicherweise ließen sich die Herausgeber_innen Wolfgang Förster, Tobias G. Natter und die kürzlich verstorbene Ines Rieder davon jedoch nicht abhalten und erschufen so diesen „Katalog“. Untergliedert in musikalische Vortragsbezeichnungen wie „Preludio“, „Intermezzo Maestoso“ und „Crescendo“ führen uns die Schreiber_innen durch die Jahrhunderte.

Teilweise übergreifende Themen wie „Die Kultivierung des Fummels im 18. Jahrhundert“ geben Einblicke in Kulturentwicklungen, die weit über Österreich hinausgingen. Wer Beispiele schätzt und in deren Tiefe wühlt, findet diese bei Aufsätzen zu Künstlern und KünstlerInnen mit Bezug zu LGBTI* Themen. Natürlich sind Sigmund Freud, die Habsburger_innen und Tily Losch mit dabei, aber auch Überraschungen wie Heimito von Doderer oder Max Kübeck.

Lesbischem Leben in Kultur und Alltag widmen sich Texte zur „Lust an der Provokation“ , „Auf der Bühne“, und viele weitere machen lesbische Geschichte erlebbar. Interessant ist auch der Blick auf die „Lesbenbewegung in Österreich seit den 70er Jahren“ , die „lesbisch-schwule Emanzipationsgeschichte in Oberösterreich“ , „Körperpolitik in Österreich am Beispiel Transgender“ und die „Verfolgung von Lesben und Schwulen in der NS-Zeit“. Die Beispiele ließen sich für das fast 300 Seiten lange Werk fortführen und der thematische Bogen des Bandes ist groß.

Lesbisch-schwule Geschichte verdrängt aber nicht verhindert

Die Bibliographie und das Personenregister entpuppen sich als ein wahrer Fundus. Denn es gibt im Vergleich zu anderen Themen nach wie vor wenig Archiviertes und  die Aufarbeitung der LGBTI* Geschichte in Österreich begann erst in den letzten Jahrzenten (vgl „Lesben im Archiv“). Dank Strafverfolgung und gesellschaftlichem Ausschluss bis ans Ende des 20. Jahrhundert wurde lesbisch-schwule Geschichte damit fast unsichtbar gemacht. Der andere Blick macht detailreich deutlich, dass die LGBTI*Kultur trotzdem lebendig war – oft geheim und verwundbar, doch nie völlig unterbunden.

JedeR Autor_In bringt ihren/seinen eigenen Fokus und Schreibstil mit in den Katalog. Die Sammlung ist daher sehr bunt und schafft viele unterschiedliche Perspektiven. Nicht nur für HistorikerInnen ist Der andere Blick daher fast ein Muss, sondern auch für alle, die einen tieferen Blick in die Entwicklungen der Kulturgeschichte in Österreich werfen und neue Erkenntnisse gewinnen möchten.

Der andere Blick
Lesbischwules Leben in Österreich. Eine Kulturgeschichte
HerausgeberInnen: Wolfgang Förster, Tobias G. Natter, Ines Rieder
Format: gebundene Ausgabe
Erscheinungsjahr: 2001
erhältlich im Buchhandel
ISBN-13: 978-3950146608
Preis: 29 €

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