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SÜT Köln

Aus Eli und Marlis wird Mami und Mama

Von Daniela Zysk | Am 9. August 2012
Kategorien: LeStory, Politik | Mit 1 Kommentar

Elif Wolf vorm Regenbogen

Seit 29. Juni 2012 sind die evangelische Pfarrerin Eli Wolf und die NRW-Staatssekretärin Marlis Bredehorst (verpartnert seit 2002) nun glückliche Eltern des kleinen David Valentin. Mit 53 Zentimetern und 3990 Gramm ein ganz normales Baby. Die Nachricht über die Schwangerschaft hatte allerdings eine Boulevardzeitung groß heraus gebracht, was in der Lesbencommunity durchaus kritisch diskutiert wurde und auch für die zwei werdenden Mütter in der ohnehin anstrengenden Zeit ein Drahtseilakt war. Eli sagt dazu: “Uns hat das schon sehr überrascht. Wir haben nicht damit gerechnet, dass eine Regenbogenfamilie auf die Titelseite kommt. Lesbische Mütter sind anscheinend doch noch sehr viel außergewöhnlicher als wir dachten.”

Bis auf diese kleine Episode herrscht allerdings eitler Sonnenschein bei den Müttern, die jetzt knapp 4 Wochen nach der Geburt immer noch fasziniert von dem Ereignis berichten, wie Marlis Bredehorst in diesem sehr gut moderierten Podcast des Bayrischen Rundfunk.

Die schwangere Eli Wolf mit Partnerin Marlis BredehorstIch durfte dieser Tage mit Eli ein längeres Telefonat führen und sie erzählte mir persönlich davon, wie sich seit der Geburt der Fokus für sie verschoben hat. Eine Situation, die sicherlich jede Mutter und Co-Mutter nachvollziehen kann. Glücklich ist sie darüber, dass sie sich beruflich seit 1995 als feministisch und offen lesbische evangelische Pfarrerin in einem Frankfurter Frauenzentrum (sie befindet sich aktuell gerade in Mutterschutz) schon soweit selbst etwas geschaffen hat und auch viel dort bewirkt hat. “Deshalb kann ich mich ganz auf das Kind konzentrieren, ohne zu befürchten, dass ich etwas verpasse”, sagt sie. Der Frage, wann und wie es für sie  beruflich weitergeht, sieht sie also sehr gelassen entgegen.

Ich wollte von ihr wissen, ob es wirklich keinerlei negative Erlebnisse bezüglich dieser immer noch nicht alltäglichen Schwangerschaft und Geburt gab. Sie berichtet, dass wohl ein paar Kirchenmitglieder bei der Verabschiedung in Frankfurt nicht dabei gewesen seien. Am meisten traf sie aber die Reaktion einer befreundeten feministischen Lesbe: “Sie machte mir ganz klar, dass sie meinen Babywunsch nicht gutheißen könne, da sich ein emanzipatorischer feministischer Lebensstil und ein Baby ausschließen würden.” Neu war die Reaktion für Eli Wolf allerdings nicht. So brauchte sie wegen ihres Kinderwunschs länger für das Coming Out, da in den 80er und 90er Jahren das Thema Lesben und Kinder in Deutschland schwer miteinander vereinbar war. Obwohl einige Kinder aus früheren heterosexuellen Beziehungen hatten. Erst als sie für kurze Zeit in den USA studierte, traf sie auf Lesben, für die das kein Thema war, und sie fühlte sich nicht mehr zwischen den Stühlen.

Die restliche Umwelt reagierte ausschließlich positiv auf die Nachricht, bei den Wolf-Bredehorsts hängen 50 Glückwunschkarten daheim in Köln. Darunter auch Karten aus den verschiedenen politischen Lagern. “Nur die schwierige rechtliche Situation bei zwei Müttern macht mir noch Kopfzerbrechen”, sagt Eli nachdenklich. Denn auch eine Staatssekretärin durchläuft den schwierigen und aufwändigen Prozess einer Stiefkindadoption – ohne Vorteile. Partnerin Marlis Bredehorst erzählt in dem Podcast so plastisch darüber, dass sich die Hörerin vorstellen kann, wie unmenschlich so eine Situation für die Co-Mutter ist, trotz der Freude über das Kind. Eli Wolf nahm nur deshalb den Namen ihrer Partnerin an, damit der kleine Sohn einen gemeinsamen Namen tragen kann. Dabei ist die Namensgebung nur eine von vielen Schwierigkeiten für homosexuelle Eltern im Jahre 2012 in Deutschland. So verabschiedeten wir uns im Telefonat mit der gemeinsamen Hoffnung, dass die Situation im Jahr 2013 ein bessere wird.

Wir drücken Marlis und Eli, aber auch uns allen dafür fest die Daumen und wünschen der Familie Wolf-Bredehorst alles Liebe für die Zukunft mit ihrem Sohn!

Daniela Zysk

Co-Gründerin von phenomenelle. Sie erlebte ihre ersten Lesbenbabyschritte in der schwäbischen Provinz und war dann später in Köln in mehreren LGBTIQ Organisationen tätig, wo sie u.a. den WomenPride gründete und im Moment das Filmfestival homochrom unterstützt. Sie ist ein unverbesserlicher Happy-End Freak und findet die Vernetzungsmöglichkeiten dank der Social Networks das Größte seit der Erfindung von kalten koffeinhaltigen Getränken.

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Ein Kommentar

  1. Susanne Lück9. August 2012 um 16:36Antworten

    Wie schön! Ein feines Sujet und ein feiner Bericht. :-)

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