phenomenelle
phenomenelle bei Twitterphenomenelle bei FacebookPhenomenelle bei Google PlusPhenomenelle RSS Feedphenomenelle bei Pinterest
SÜT Köln

phenomenelle des Tages: Jill Johnston

Von Sabine Arnolds | Am 18. September 2013
Kategorien: informelle, LeStory | Mit 1 Kommentar

Solange nicht alle Frauen Lesben sind,
wird es keine wahrhaftige politische Revolution geben.

Jill Johnston (17.5.1929–18.9.2010)

Buchcover Lesbian Nation, @jilljohnston.comIhre Karriere als Autorin beginnt mit Tanzkritiken, die sie ab 1959 regelmäßig für The Village Voice schreibt, eine Wochenzeitung in New York. In den 60er und 70er Jahren etabliert sie sich als eine der bekanntesten lesbisch-feministischen Aktivistinnen. Wobei sie häufig sowohl Kontroversen in der feministischen als auch der schwulen und lesbischen Bewegung auslöst. 1973 erscheint ihr bekanntestes Werk Lesbian Nation, eine Sammlung feministisch lesbischer Essays.

Geboren wird Johnston in London als Tochter einer amerikanischen Krankenschwester und eines britischen Uhrmachers. Sie ist noch ein Baby als ihre Mutter mit ihr zurück in die Staaten zieht. Erst mit 21 Jahren erfährt sie aus einem Nachruf über ihren Vater, dass sie ein uneheliches Kind ist. Johnston selbst heiratet Ende der 50er, trennt sich aber nach 6 gemeinsamen Jahren und 2 Kindern von ihrem Ehemann.

Von der Tanzkritikerin zur Aktivistin

Während sie ihre Tanzkritiken schreibt, lernt Johnston in New Yorker die avantgardistischen Künstler_innen und Musiker_innen der Stadt kennen. Als sich Anfang der 60er Jahre die postmoderne Tanzbewegung formiert, kennt sie die entscheidenden Choreograph_innen. Deren Angriffe auf die Tanz-Tradition unterstützt sie mit positiven Artikeln. Mehr und mehr schreibt sie in den Kolumnen auch über sich selbst und ihre Abenteuer in der New York Kunstszene. Dabei probiert sie neue, gewagte Formen von Sprache und Text aus. Ein Kritiker beschreibt ihren Stil einmal als eine Mischung aus Gertrude Stein, E. E. Cummings und Jack Kerouac.

Johnston gilt als die Begründerin der US-amerikanischen politischen Lesbenbewegung. Wohl auch aufgrund der Vorurteile, die sie als Lesbe in den Anfängen der Frauenbewegung erfahren muss, kommt sie zu dem Schluss

Alle Frauen sind Lesben außer denen,
die es jetzt noch nicht wissen.

Als Feministin mit dem Feind im Bett?

Eine heftige Debatte darum, ob es möglich ist, gleichzeitig Feminstin zu sein und mit dem “Feind ins Bett zu steigen”, entbrennt. Mit dem Klassiker Lesbian Nation: The Feminist Solution schreibt Johnston den Schlüsseltext einer eigenständigen lesbisch-feministischen Bewegung. Die soll sich sowohl von einer gemeinsamen Lesben-/Schwulen- als auch der Frauenbewegung emanzipieren. Wenn nötig macht Johnston ihren Standpunkt auch mit krassen Aktionen deutlich. 1971 sprengt sie eine Podiumsdiskussion mit Norman Mailer und Germaine Greer, indem sie mit einem Frauenpaar aus dem Publikum auf der Bühne knutscht. Die geplante Provokation schockiert anwesende intellektuelle Schwergewichte wie Susan Sonntag.

1993 und 2009 heiratet Johnston noch einmal, ihre langjährige Lebengefährtin Ingrid Nyeboe – zuerst in Dänemark und ein zweites mal in Conneticut, wo das Paar bis zu ihrem Tod lebt.

Foto: Buchcover Lesbian Nation, @jilljohnston.com

Weitere Quellen und Links

Sabine Arnolds

Ist eine der beiden Gründerinnen von phenomenelle. Die Idee spannende Geschichten um Frauen gesammelt auf einer Seite zu erzählen und ihr eigenes Online-Magazin herauszugeben, treibt sie schon mehrere Jahre um. Ein Lebenstraum wird Wirklichkeit.

Mehr Artikel von Sabine ArnoldsWebsite

Schlagwörter: , , ,

Der Artikel hat Dir gefallen? Dann teile ihn mit Deinen Freunden!

Ein Kommentar

  1. Andrea Krug19. September 2014 um 13:16Antworten

    Danke wieder einmal für diese “Phenomenelle des Tages”. Wie schön, dass auf diese Weise eine lesbische Tradition sichtbar wird.
    Herzlichen Gruß, Andrea

Dein Feedback

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

phenomenelle des Tages

Anne Will (18.3.1966)

081110 Anne Will Als Vorzeigelesbe mag sie sich wohl nicht sehen, frauenpolitisch wird die Journalistin und Polittalkerin als Mitinitiatorin von Pro Quote umso deutlicher.
<<< Mehr dazu >>>
Stellenanzeige
Anzeige Plan International: Schülerin statt Sklavin
terminelle Ankündigung Kalender

Liebe Leser_innen,

nach 4 1/2 Jahren wunderbarer und vertrauensvoller ehrenamtlicher Arbeit ist unsere Terminredakteurin bei phenomenelle von Bord gegangen. Wir lassen sie ungern ziehen, aber sie widmet sich jetzt anderen Aktivitäten. Für den wohlverdienten Ruhestand wünschen wir ihr alles erdenklich Gute.

Den Terminkalender werden wir in den kommenden Wochen erst einmal deaktivieren. Die Termine einzupflegen, ist mit einem hohen Aufwand verbunden, den wir in dieser Form derzeit nicht leisten können. Vielen Dank für euer Verständnis.

Das phenomenelle Redaktionsteam

Plan International Anzeige
Anzeige Plan International: Schülerin statt Sklavin
Folge uns bei Facebook!