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Rezension „Der junge König“ – Band 3: Die Nasen werden bunt (1988-1990)

titel_der junge könig_band_3_20151123.inddDer Männerschwarm Verlag hat seine Trilogie „Der junge König“ vervollständigt. 2014, 2015 und 2016 hat er neue und alte Fans von Ralf König jeweils mit einem Band mit Werken aus den 80er-Jahren beglückt, zum Teil aufwändig aus den Originalveröffentlichungen erstellt, da Druckvorlagen nicht mehr vorhanden oder Originale vergilbt sind. Privat fiel in diese Zeit der Umzug aus der beschaulich-basisdemokratischen Dortmunder Schwulenszene der späten 80er in die Homometropole Köln. Das Thema HIV und Aids sind nun nicht mehr wegzudenken und selbst die Mütter der schwulen Protagonisten geben diesen nun meist gegen ihren Willen Tipps für Safer Sex.

Ende der 80er Jahre hat Ralf König den Durchbruch endgültig geschafft und veröffentlicht in mehreren Verlagen gleichzeitig, was ihn zwischenzeitlich regelrecht überfordert. Mit einer Veröffentlichung im Comic Verlag Carlsen gelingt auch der symbolische Durchbruch in die allgemeine Comicwelt, noch bevor das Genre „graphic novel“, das seine längeren Comics am besten beschreibt, überhaupt etabliert war. Schwerpunkte sind die Comics „Prall aus dem Leben“, „Zitronenröllchen“ und die gemeinsam mit Walter Moers gezeichneten „Schwulxx-Comix“. Auch diese Kooperation ist sicherlich ein symbolischer Durchbruch. Diese und andere Comics werden nun zunehmend farbig – auch dies ein neuer Impuls. Schließlich finden sich einige noch nicht in Buchform veröffentlichte Zeichnungen in dem dicksten der drei Bände.

Die Art wie Frauen dargestellt werden, aber auch die Tatsache, dass sie bei Ralf König entweder Mutter, Beiwerk oder Konkurrentinnen um geile Männer sind und gern als „Quarktaschen“ bezeichnet werden, hat ihm gelegentlich den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit eingetragen, dem er in kurzen Begleittexten entgegentritt. So wird es denn auch weiterhin so sein, dass die einen sich köstlich über Ralf König und seine Knollennasen und Quarktaschen amüsieren, während andere den Comiczeichner dann doch zu männerlastig finden.

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