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Ylva Verlag

Lesetipp: Gestohlene Tage

Von Gastautorin SAM | Am 13. Mai 2013
Kategorien: kulturelle, LITelle | Mit 0 Kommentaren

Buchcover Gestohlene TageHeny Ruttkay schreibt eine wunderbare Hommage an das Berlin der 1930er Jahre: Eva ist lesbisch und lebt bei ihrer Familie in Karlsruhe. Sie versucht mit allen Mitteln aus der Familienidylle auszubrechen und nach Berlin zu fliehen. Denn sie weiß, dass sie dort – im sogenannten Sündenbabel – ihre Neigungen ausleben kann. Bei der langweiligen Hochzeit ihrer Cousine begegnet sie schließlich Heinrich wieder. Heinrich ist ihr Großcousin und war früher bei solchen Familienfesten ihr bester Spielkamerad. Schnell kommt Heinrich Evas Homosexualität auf die Schliche, denn er ist selber schwul. Und nicht nur das: Er sucht händeringend nach einer Frau, die bereit ist, mit ihm eine Scheinehe einzugehen. Sobald er unter der Haube ist, sponsert ihm eine zwar kinderlose, dafür aber umso reichere, Tante eine großzügige Wohnung in Berlin – plus Unterhalt. Eva und Heinrich überlegen nicht lange und reisen sittlich verheiratet nach Berlin. Kaum dort angekommen stürzen sich beide in die Szene, schlafen tagsüber, sind nächtelang unterwegs und haben Affären, Affären, Affären. Herrlich, dieses Buch! Dennoch kommt es wie es kommen muss: Eva verliebt sich in die jüdische Ärztin Esther und Heinrich verschenkt sein Herz an den kommunistischen Funktionär Kurt. Man muss in Geschichte keine eins gehabt haben, um zu wissen, dass dieser Roman nicht gut ausgehen kann. Und so setzt man – wie Eva -  beim Lesen rechts und links die Scheuklappen auf und versucht die letzten schönen Tage im „Sündenbabel“ zu verleben, das mehr und mehr an Glanz verliert, während die braune Masse es anfängt zu überrollen. Doch das ist nicht das einzige Problem der beiden Protagonisten, denn auch das hier ist freilich unvermeidlich: Eines Tages kommt die liebreizende reiche Tante zu Besuch um zu sehen, ob sie denn schon Ersatzenkel erwarten kann. Selbstverständlich hat sie ihren eigenen Wohnungsschlüssel.

Heny Ruttkay zeichnet ein originalgetreues Berlin der 1930er Jahre nach. Wer es mag, in dieser „Aimée und Jaguar“- Nostalgie zu schwelgen, wird dieses Buch lieben. Obwohl es in allen Belangen (leider) wesentlich harmloser ist, als besagter Film.

SAM

 

 

Heny Ruttkay: Gestohlene Tage

Historischer Roman, Querverlag, 288 Seiten, 14,90 €

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