phenomenelle
phenomenelle bei Twitterphenomenelle bei FacebookPhenomenelle bei Google PlusPhenomenelle RSS Feedphenomenelle bei Pinterest
SÜT Köln

Interview mit Lara Fabian über “Camouflage” und Identität

Von Gastautorin Larissa | Am 25. Oktober 2017
Kategorien: Featured, kulturelle, Musik | Mit 0 Kommentaren

Lara Fabian, Fotokredit: © Mehmet Turgut

Fotokredit: © Mehmet Turgut

Schritt nach vorn: Weltklasse-Stimme mit neuem Album

Am 6.10. erschien Lara Fabians drittes Album auf Englisch und ihr 13. Studioalbum namens „Camouflage“. Die belgisch-kanadische Sängerin hat bisher weltweit mehr als 20 Millionen Platten verkauft. Ab 2018 wird sie Teil der Jury in der kanadischen Version von „The Voice“. Seit Beginn ihrer Karriere setzt sich Fabian für Gleichberechtigung und Akzeptanz, insbesondere der LGBT* Community, ein. Mit Ihrer Single und dem dazugehörigen Video „La Difference“ war sie 1997 die erste Frau in Belgien, die das Thema musikalisch aufgriff. Dieses Anliegen spiegelt auch das neue Album wieder. Gemeinsam mit der legendären Songwriterin Sharon Vaughn und dem erfolgreichen Produzenten Moh Danebi schrieb und produzierte sie zwölf Songs über Identität, Masken und „Growing Wings“, der ersten Single daraus – fast alle mit Ohrwurmgarantie.

Die Mischung aus Electro-Pop und klassischer Orchestration ist ein deutlicher Schritt in eine neue Richtung für Lara Fabian. Und was für ein Schritt: Text, Komposition, Arrangement und Produktion ergeben eine sehr harmonische Mischung und zeigen scheinbar eine neue Seite der Künstlerin. Mit jedem Anhören werden die Lieder interessanter und eingängiger. Und wer mit offenen Ohren hört, wird überrascht sein von der Dynamik. Auch die aktuellen Akustikversionen online sind mehr als überzeugend, und zeigen echte Handwerkskunst, sowohl stimmlich als auch instrumentell (Videolinks findet ihr am Ende – es lohnt sich!).

Welttournee beginnt bald

Und es gibt gute Nachrichten für alle, die mehr davon wollen. Der neue Ton und Takt von Lara Fabian kann bald live erlebt werden: beginnend in den USA wird sie mehr als 40 Konzerte rund um den Globus geben. Im März 2018 kommt Fabian auch nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz.

Trotz prall gefüllten Terminkalenders nahm sich der Superstar Zeit, die Fragen von phenomenelle-Gastautorin Larissa in Berlin persönlich zu beantworten.

Lara-Fabian-Camouflage-Artwork-px900Herzlichen Glückwunsch zum neuen Album! „Camouflage“ erscheint mir als sehr kraftvolles Album, insbesondere in den Texten. Was waren die Idee und Inspiration dahinter?
Menschen. Die Menschheit und die Zeit, in der wir gerade leben. Wir sind alle auch sehr durch Schmerz verbunden. Die Menschheit hat schon viele schwere Zeiten durchgemacht. Ich glaube, Angst ist im Zentrum davon. Als ich mit Moh und Sharon im Studio saß, habe ich mich gefragt, was wäre, wenn wir das alles in der Rolle des Beobachters wahrnehmen. Was wenn wir eine alternative Version dieser Herausforderungen bieten und aus dem Tumult letztendlich ein Geschenk machen könnten.

Meist gibt es mehrere Wege damit umzugehen. Die menschlichste Reaktion ist, empathisch zu reagieren. Ohne etwas Abstand oder Perspektive kann das aber unglaublich schmerzhaft sein. Daher wollten wir beobachten, resilient sein und so vielleicht verstehen, was passiert. Mit Resilienz meine ich nicht, sich wegducken und einfach akzeptieren, was passiert, sondern das Geschehen auf eine Art willkommen zu heißen und anzunehmen. Aus dieser Herausforderung etwas Besseres zu machen, etwas das vielleicht hilft unser Bewusstsein zu erhöhen. Vielleicht verändert das auch die Paradigmen, die derzeit auf unseren Schultern lasten.

So viele Menschen auf der Welt gehen in eine neue Richtung. Sie entwickeln neue Systeme, sei es in der Wirtschaft oder Landwirtschaft, aber auch in einfachen Dingen. In diese Richtung schaue ich. Davon möchte ich mich inspirieren lassen und meine Musik darauf aufbauen. Von einer leichteren Perspektive dennoch die Entertainerin bleiben, die ich bin und mit meiner Musik einen Grund zum Aufspringen und Tanzen geben.

Du sprichst Französisch, Italienisch, Englisch und Spanisch, singst auch in diesen Sprachen, mit hauptsächlich französischsprachigen Alben bisher – was führte zu der Entscheidung jetzt wieder ein Album auf Englisch zu machen?
Es war an der Zeit. Und ich wusste wie ich es machen wollte. Ich mag die englische Sprache sehr, da die Phonetik so stark in die Musik eingebettet ist, beziehungsweise sich in sie hineinbegibt.

Über die Arbeit mit Sharon Vaughn und Moh Denebi

Lara Fabian am Flügel, Fotokredit: © 9 productionsUnd wie verlief die Arbeit zum Album mit Sharon Vaughn und Moh Denebi?
Beim Schreibprozess saßen wir jeden Tag vor einem leeren Blatt und haben unsere Gespräche, Gedanken, Gefühle, Erfahrungen und auch unsere Urteile über die Welt geteilt. Fast immer kam am Ende ein Lied dabei heraus. Insgesamt haben wir etwa ein Jahr an „Camouflage“ gearbeitet. Nebenbei war ich noch auf Tour, bin Mutter, Ehefrau… das dauert also schon seine Zeit. Es war jedoch eine unglaublich harmonische und bereichernde Zusammenarbeit mit den Beiden.

Wie kam es zu der Konstellation?
Sharon ist eine Legende. Sie ist in der „Country Hall of Fame“und hat mit so unterschiedlichen KünstlerInnen gearbeitet. Von Dolly Partons größtem Hit bis zu Boyzone hat sie unglaublich viel Tolles gemacht. Sie ist fast 70 und man glaubt, man spricht mit einer 45jährigen. Sie hat viel Country gemacht, aber Texte gehören nicht zu einem Genre. Sie drücken Empfindung und Intelligenz aus. Sharon ist wirklich ein Geschenk.

Moh ist Arrangeur und Komponist, ebenfalls mehrfach ausgezeichnet. Es war schnell klar, dass er perfekt passt. Moh achtet meine musikalische Vergangenheit sehr, schließlich kann ich nicht plötzlich eine Electro-Nischen-Künstlerin werden. Er hat es gemeistert, eine Mischung zwischen dem, was ich bin oder war, und dem was ich werde zu schaffen. Dieses Aufeinanderprallen braucht es oft. Viele KünstlerInnen, beispielsweise Sting, Peter Gabriel oder Annie Lennox, machen das wunderschön. Sie bleiben über die Jahre hinweg immer zeitgemäß. Das inspiriert mich.

Du sagst, was du warst und was du jetzt wirst. Was wirst du denn jetzt?
Oh, ich. Ich werde ich. Vielleicht.

„Camouflage“: Masken fallen lassen und ich werden

Und was heißt das?
Ich liebe es zu teilen, offen und transparent zu sein. Ich liebe es, keine Masken mehr zu tragen. Gleichzeitig heißt keine Masken mehr tragen auch Diplomatie. Denn die Maske fallen lassen, sich für Ehrlichkeit und Transparenz entscheiden, das benötigt Diplomatie, auf seine Worte achten. Zwischen liebevoll mit seinen Worten umzugehen und einer Maske tragen, gibt es eine Schwelle. Ich werde jemand, der endlich diese feine Linie zwischen Klarheit, Ehrlichkeit und spontan sein verstanden hat. Gleichzeitig passe ich auf mich selbst auf, kleide die Dinge ein bisschen in Samt.

Der Titeltrack „Camouflage“ scheint genau davon zu sprechen.
Ja, genau. Es ist ein paradoxer Titel für das, wofür das Lied eigentlich steht. Das ist bei „Perfect“ übrigens auch so. Der Name steht für das Gegenteil von dem, um das es geht.

„Camouflage“ handelt von der Entscheidung, die Maske fallenzulassen. Auch wenn eine Maske sehr hilfreich ist, wenn man sich einfügen möchte. Ich wollte mich einfügen. Im Laufe der Zeit habe ich gesehen, wie wichtig es ist zu kommunizieren. So sehr man originell sein und die eigene Identität bewahren will, gibt es doch einen Teil in einem, der dazugehören und sich austauschen möchte. Das heißt nicht, dass man sich ändern oder lügen muss, aber man kann sich besser einfügen und arbeiten damit. Es geht um Balance. „Camouflage“ ist also die Maske fallen lassen, das Risiko zu kennen und es dennoch zu tun, der eigenen Identität zuliebe.

Lara Fabian mit Autorin Larissa

Lara Fabian mit Autorin Larissa

Und der Song ist aus diesem Grund auch dein Favorit auf diesem Album?
Ja, genau. Aber auch wegen der Komposition und dem Arrangement mit Streichern und Electro. Es ist ein Lied, bei dem das Hybride des Albums wirklich vollkommen gemeistert wurde. Es hat Beides.

Die Videos zur ersten Single, „Growing Wings“ und von „Choose what you love most“ wurden beide in Island gedreht. Wie kam es dazu?
Island ist einfach wunderschön. Es manifestiert die Stille im Raum. Es ist ein Ort, an dem Du nicht denkst: Du musst meditieren. Du tust es schon. Die Energie dort … Es liegt genau in der Mitte zwischen Amerika und Europa und ist unglaublich kostbar, inmitten der Meere und Kontinente. Die Stille und den Raum, den man dort vorfindet, fand ich sehr passend für die beiden Tracks.

“Ich bin eine Kämpferin für Identität”

Du hast noch viele andere Projekte, beispielsweise dein eigenes Label „9 Productions“. Zum Soundtrack für den Film „Cello“ hast Du das Lied „Remember Me“ beigetragen. 2015/2016 warst du Teil einer Fotoserie namens „Imaginery Couples“ (deutsch „Imaginäre Paare“). Dafür fotografierte Olivier Ciappa berühmte heterosexuelle Personen als gleichgeschlechtliche Paare in meist sehr zärtlichen, intimen Posen. Die Ergebnisse warben später an öffentlichen Plätzen großflächig für mehr Toleranz. Wie kam es dazu und wie war es?
Die Idee dahinter lag mir schon immer sehr am Herzen. Ich bin eine Kämpferin für Identität. Mit jemandem, der die Integrität einer Identität nicht versteht, verbinde ich mich nicht. Das geht weiter als eine sexuelle Orientierung oder Entscheidung. Für mich ist es etwas, das einen definiert, so wie du blaue Augen hast oder deine Größe. Es geht darum, wer bin ich. Und wie komme ich dort an wer ich bin. Olivier Ciappa fragt Menschen. Zum Zeitpunkt des Shootings waren diese vielleicht heterosexuell oder auch nicht. Wer weiß das schon. Genau das liebe ich an Ciappa. Diese außergewöhnliche Eleganz und Intellgenz darin, Liebe durch Identitäten hindurch zu entwickeln, ohne die Orientierung auszuwählen. Deshalb ist er gefürchtet. Am Ende des Fotoshootings macht er den Leuten Angst. Er schafft es dich dahin zu führen, wo es nur um Identität geht, sonst nichts. Wenn alle die Orientierung sehen, sieht er Identität. Viele haben mit dieser feinen Linie ein Problem. Das Projekt führt er gerade auch in den USA weiter und darüber hinaus.

Eva Longaria sieht das genauso wie ich. Wenn sie jemanden liebt, liebt sie eine Person, eine Seele, kein Geschlecht. Es geht nicht darum, ob du Mann oder Frau bist, sondern wer du jetzt und hier bist. Das zählt für mich. Deshalb habe ich zu diesen Themen auch viele Lieder geschrieben. „La Difference“ handelt zum Beispiel von Homosexualität und „Deux ils, deux elles“ von Identität. Die Community hat mich dafür umarmt. Ich habe Videos dazu gemacht habe und die Leute fragten, wer ist diese 27jährige, ist sie … Ich bin. Frage nicht. Und ja, ich bin mit einem Mann verheiratet, habe ein Kind. Also gibt es da keine Frage. Aber wieso sollte es dazu überhaupt eine Frage geben? Können wir nicht einfach sein? Das ist meine Frage. Ich glaube viel resultiert aus Angst. Die Menschen reagieren aus Angst. Deshalb lehnen sie vieles ab. Letztendlich geht es darum, sich von Dingen zu lösen, die uns eingetrichtert wurden.

Zukunftspläne und die Freude am Tun

2018 wird es eine Welttournee geben mit über 40 Konzerten, davon fünf im März in Deutschland. Hast du noch weitere Pläne?
Ja! Erst kürzlich wurde ich eingeladen für nächstes Jahr Teil der Jury in der kanadischen Version von „The Voice“ zu sein! Ich freue mich schon sehr darauf. Am Sonntag fliege ich mit meiner Familie nach Kanada dafür.

Eine abschließende Frage noch: Du bist seit mehr als 25 Jahren erfolgreich im Musikgeschäft. Was gibt dir die Motivation dabei zu bleiben?
Freude. Wenn ich Freude habe, bei dem was ich tue, ist das ein großartiges Gefühl. Auch wenn es manchmal schwer ist, zum Beispiel mit dem vielen Reisen. Aber dann komme ich an so großartige Orte, lerne tolle Menschen kennen. Das nährt die Seele und so lange es mich nährt, werde ich weitermachen!

Herzlichen Dank für das Interview. Alles sehr spannend.
Ich danke dir. Es ist wunderbar meine deutschen Fans durch euch zu treffen. Danke.

Ich freue mich auf ein Wiedersehen zum Konzert in Berlin im März!

Fotokredit: Titelbild © Mehmet Turgut, Lara Fabian am Flügel © 9 productions

Konzerttermine 2018 in Deutschland
15.03.18: München, Zenith Kulturhalle
17.03.18: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
19.03.18: Frankfurt, Jahrhunderthalle
21.03.18: Berlin, Tempodrom
23.03.18: Hannover, Kongresszentrum Kuppelsaal
(der Vorverkauf wird in Kürze beginnen)

Links

Video zu „Growing Wings“:
YouTube Preview Image
Video zu „Choose what you love most (let it kill you)”
YouTube Preview Image

Akustikversion von “Growing Wings” bei SWR1 BaWü:
https://www.facebook.com/SWR1BW/videos/1550766694980985/

Offer Nissim Remix/ Lara Fabian – Growing Wings – Rosh Hashana Intro Mix (live):
YouTube Preview Image
“Cello – The Movie” Soundtrack – “Remember Me” by Lara Fabian:
YouTube Preview Image
und zum Abschluss ein sehr persönliches Interview, auf Französisch:
YouTube Preview Image

Offizielle Social Media Kanäle

Albuminfo

Interpretin: Lara Fabian
Albumtitel: Camouflage
VÖ: 06.10.2017
Label: 9 Productions
Vertrieb Deutschland, Österreich, Schweiz: Sony Music

Schlagwörter: , , , ,

Der Artikel hat Dir gefallen? Dann teile ihn mit Deinen Freunden!

Dein Feedback

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Plan International Anzeige
Anzeige Plan International: Bildung macht Mädchen stark!
terminelle Ankündigung Kalender

Liebe Leser_innen,

nach 4 1/2 Jahren wunderbarer und vertrauensvoller ehrenamtlicher Arbeit ist unsere Terminredakteurin bei phenomenelle von Bord gegangen. Wir lassen sie ungern ziehen, aber sie widmet sich jetzt anderen Aktivitäten. Für den wohlverdienten Ruhestand wünschen wir ihr alles erdenklich Gute.

Den Terminkalender werden wir in den kommenden Wochen erst einmal deaktivieren. Die Termine einzupflegen, ist mit einem hohen Aufwand verbunden, den wir in dieser Form derzeit nicht leisten können. Vielen Dank für euer Verständnis.

Das phenomenelle Redaktionsteam

Folge uns bei Facebook!