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phenomenelle des Tages: Catherine Deneuve

Catherine Deneuve (geb. 22.10.1943)

Catherine Deneuve 2010Sie spielt die Geheimnisvolle, die Reservierte, die Unnahbare so überzeugend wie keine zweite Schauspielerin. In Frankreich besitzt sie den Status einer Nationalheldin, weltweit gehört sie zu den ganz großen Stars, die das Kino hervorgebracht hat. Regisseur François Truffaut fand sie „so schön“, dass ein Film mit ihr auch ohne Geschichte tragfähig sei.

Obwohl die Deneuve nie eine Schauspielschule besucht, dreht sie bereits mit 13 Jahren ihren ersten Film. Die ältere Schwester Françoise, wie beide Eltern ebenfalls Schauspielerin, vermittelt die Rolle. Mit gerade 21 kommt der große Erfolg: Les Parapluies de Cherbourg von Nouvelle Vague Regisseur Jaques Demy. Der endgültige Durchbruch folgt mit Polanskis Ekel. Ihre Rolle als unnahbare Schöne festigt Buñuels Belle de Jour. Auf über 120 Filme blickt der längst zur Ikone aufgestiegene Weltstar inzwischen zurück. Ein Ende ist nicht abzusehen. Privates teilt sie nur ungern, selten gibt sie Interviews.

Eine Ikone im Lesben-Olymp

Spätestens mit ihrer Rolle als bisexuelle Vampirin im Klassiker Begierde von 1983 erspielt sich La Deneuve einen festen Platz im Olymp der Lesben-Ikonen. Auch in anderen Filmen scheut sie nicht davor zurück, sexuell alles andere als eindeutige Hetero-Rollen zu wählen. 2000 zaubert sie mit Kollegin Fanny Ardant in 8 Frauen einen Catfight mit anschießendem innig-erotischem Kuss auf die Leinwand.

Nur einmal, 1995, wackelt ihr Thron im lesbischen Olymp eine Weile heftig. Nach einem verlorenen Rechtsstreit mit der Schauspielerin muss sich das US-amerikanische Lesbenmagazin Deneuve in Curve umbenennen. Der Einwand der Herausgeberinnen, das Magazin sei nach ihrem Hund benannt, lässt das Gericht nicht gelten. Der Leinwandlegende ist der Hinweis wichtig, sie wolle lediglich ihren Markennamen Deneuve schützen. Ob sich ein lesbisches oder ein heterosexuelles Frauenmagazin nach ihre benennt, ist ihr offensichtlich gleichgültig.

Politisches und soziales Engagment

Auch wenn Deneuve ihren Beruf mit Leidenschaft ausübt, findet sie Zeit für weitere Aktivitäten. Sie schreibt für große französische Magazine und Zeitschriften Artikel, 2005 erscheinen ihre Tagebuchaufzeichnungen zu den Filmen Indochine und Dancer in the Dark als Buch. Anfang der 70er Jahre gehört sie zu den Frauen, die Simone de Beauvoir für ein Aufsehen erregendes Bekenntnis zur Legalisierung der Abtreibung gewinnen kann, das Manifest der 343. Kritik zog sie jüngst von feministischer Seite auf sich. Mit anderen prominenten Frauen schrieb sie ein Manifest gegen die Auswirkungen der #MeToo-Debatte. Diese verenge Sexualität, zu der ein gewisses aggressives Begehren gehöre. Später ruderte sie zurück und zum einjährigen Bestehen im Oktober 2018 betonte sie deren Wichtigkeit. Auch für weitere politische Anliegen setzt sich Deneuve ein, mit Amnesty International gegen die Todesstrafe und mit der Waris Dirie Foundation gegen Genitalverstümmelung von Frauen und Mädchen.

Foto: Georges Biard [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

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