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Daniela Weber

Fremdgehen an Karneval. Was nun?

Von Gastautorin Uta Himmelmann | Am 27. Februar 2017
Kategorien: Partnerschaft, spezielle | Mit 1 Kommentar

Karneval macht Spaß

Aber häufig auch Anlass zum Fremdgehen

Nach Karneval herrscht Hochkonjunktur bei Paartherapeutinnen*, denn Untreue führt zu heftigen Beziehungsproblemen und ist häufig der Grund dafür, eine Paartherapie zu beginnen. Falls Treue in der Beziehung vereinbart wurde, geraten Paare in eine große Krise, wenn eine Partnerin* plötzlich ein sexuelles „Abenteuer“ oder eine Affäre hat. Die sexuellen Kontakte zu anderen Frauen* werden meistens heimlich hinter dem Rücken der Partnerin* gesucht.

Ab wann ist Fremdgehen wirklich Fremdgehen?

Die Antwort auf diese Frage liegt im Detail. Und ist bei jedem Paar individuell. In Beziehungen werden bezüglich Treue und Untreue eigene individuelle Vereinbarungen getroffen. Diese Vereinbarungen können offen ausgesprochen sein oder aber unausgesprochen im Hintergrund existieren. Dabei können sich die Partnerinnen* gegenseitig ausdrücklich in einer offen ausgesprochenen Vereinbarung, wechselnde sexuelle Kontakte mit anderen Partnerinnen* erlauben (offene Beziehungen oder offene eingetragene Lebenspartnerschaft).

Die offen Beziehung oder Lebenspartnerschaft

Bei der offenen Beziehung liegt der Fokus ausschließlich auf dem sexuellen Erlebnis an sich. Es geht also nicht um Liebe oder um die persönliche Beziehung zu einer anderen Frau*.  Dabei vereinbart jedes in offener Beziehung lebende Paar ganz individuelle Regeln und Absprachen, was der Partnerin* sexuell mit einer anderen Sexpartnerin erlaubt ist und was nicht. Paare in offener Beziehung erleben es aber immer als Fremdgehen und Untreue, wenn die andere Partnerin* die vereinbarten Regeln verletzt. Dann schaut sich die Paartherapeutin zusammen mit dem Paar ganz konkret die individuellen Paarvereinbarungen an und analysiert, wo eine der Liebespartnerinnen* diese Regeln verletzt hat. Zum Beispiel wird es häufig als Verletzung und Untreue erlebt, wenn sich eine von beiden in einen dritten sexuellen Kontakt verliebt. Dann muss erarbeitet werden, was die Ursachen sind und wie sich solche Regelverletzungen in Zukunft verhindern lassen.

Polyamorie – mehrere Liebesbeziehungen

Zwei Partnerinnen* können auch in beidseitigem Einverständnis Polyamorie (parallel mehrere erlaubte Liebesbeziehungen) vereinbaren. Auch hier werden häufig Regeln vereinbart. Zum Beispiel könnte ein Paar die Anzahl der weiteren Liebesbeziehungen mit anderen Frauen durch eine Absprache begrenzt haben. Oder ein Paar vereinbart, wie viel  Zeit sie sich für ihre Beziehung fest reservieren wollen und was in Notfällen geschehen soll. Auch hier schaut man sich bei erfolgten Verletzungen die eigenen miteinander konkret vereinbarten Beziehungsregeln ganz genau an.

Monogamie – Treue bzw. keine offenen Absprachen

Für den Fall, dass das Paar hingegen keinerlei offene Absprachen getroffen hat, gilt in unserer historisch überwiegend christlich geprägten westlichen Kultur automatisch die Monogamie (Treue zwischen zwei Liebespartnerinnen*) als vereinbart. Die deutsche Gesellschaft ist u. a. von der Gesetzgebung her auf treue Zwei-Personen-Liebesbeziehungen bzw. eingetragene Lebenspartnerschaften ausgerichtet. Das ist in anderen Ländern und Kulturen anders.

Bei Monogamie ist jeglicher sexueller Kontakt mit Dritten unerwünscht. Daher empfinden monogame Lesbenpaare alle sexuellen Kontakte zu anderen Frauen als Untreue und Fremdgehen. Dort liegt jedoch wieder einmal der Teufel im Detail. Was konkret die jeweilige Liebespartnerin als sexuellen Kontakt empfindet und was nicht, kann sehr unterschiedlich sein. Das kann zu Verletzungen und Missverständnissen in der Beziehung führen. Ein Kuss kann zum Beispiel sehr unterschiedlich interpretiert werden. Die Intensivität variiert vom flüchtigen Freundschaftskuss auf die Wange über den sozialistischen Mundkuss etwa in der ehemaligen DDR bis hin zum minutenlangen intensiven Zungenkuss. Was der anderen erlaubt ist, ist Definitionssache.

Besonders bei unausgesprochener Monogamie sind dem Paar solche Definitionen oft unklar und unbewußt, weil sie im Alltag nicht thematisiert werden. Das kann dann dazu führen, dass die eine davon überzeugt ist, dass sie nicht untreu war. Die andere Partnerin* versteht das Geschehene aber sehr wohl als Untreue und ist verletzt. Die Paartherapeutin hilft dem Paar in der Paartherapie dann dabei klare Definitionen abzusprechen. So bekommt das Paar nach dem Vertrauensverlust wieder mehr Sicherheit.

Ist ein Verzeihen möglich?

Es kommt vor, dass ein One-Night-Stand oder ein einmaliger Seitensprung besser verziehen werden kann als eine Affäre oder längere Zweitbeziehung. Dies ist aber nicht bei allen Frauenpaaren so. Die Verletzung des Belogen- und des Hintergangenwerdens entsteht nämlich auch bei einmaligem sexuellem Fremdkontakt. Darüber hinaus zerstört die Untreue die das Einzigartige und Ausschließliche der Liebesbeziehung. Dazu kommen der Schock und der daraus resultierende Vertrauensverlust bei der hintergangenen Partnerin*. Dies hinterlässt häufig tiefe Spuren, die das Paar aufarbeiten muss, so dass die hintergangene Partnerin* Schritt für Schritt wieder neues Vertrauen aufbauen kann.

Trennung oder Zusammenbleiben?

Neben der Ursachensuche ist die Frage “zusammenbleiben oder trennen?” bei der Aufarbeitung des Fremdgehens ein wichtiges Thema. Beide Partnerinnen* können dabei herausfinden, was für sie jeweils das Beste ist. Wenn von beiden unterschiedliche Beziehungsmodelle, zum Beispiel Monogamie gegenüber Polygamie, gewünscht werden, kann eine Trennung sinnvoll sein. Das Paar kann allerdings auch übereinstimmend entscheiden zusammenzubleiben, wenn konkrete Problemlösungen und eine gemeinsame Zukunftsperspektive erarbeitet werden konnten.

Nach dem Schock: Aufbruch zu einer besseren Beziehung

Häufig führt eine Paartherapie dazu, dass die Beziehungsqualität sich nach dem positiv bewältigten Schock des Fremdgehens im Vergleich zu vorher sogar verbessert, unter anderem weil die Einzigartigkeit und Wichtigkeit der Beziehungspartnerin*, wieder bewusster wird und Beziehungsprobleme gemeinsam gelöst werden konnten.

Text: Uta Himmelmann

Zur Person:

Die Diplom Psychologin Uta Himmelmann arbeitet seit über 12 Jahren im Stimmig-Sein-Institut in Köln und bietet Paartherapie für alle Paare, Beratung speziell für Regenbogenfamilien, Einzelberatung & berufliches Coaching sowie Psychotherapie mit Körper, Stimme und Atem an. Weitere Informationen unter www.hilfe-zur-klaerung.de und www.gluecksberatung.de.

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Ein Kommentar

  1. Manfred Schmidt-Hamburger4. Juli 2017 um 10:46Antworten

    Mit großem Interesse habe ich den Beitrag zum Thema Fremdgehen gelesen. Meine Co-Autorin Nina Basch und ich haben gerade dazu als E-Book einen psychologischen Ratgeber verfasst, der sich explizit an alle Geschlechter wendet. (Fremdgehen von A bis Z) und der sich anders als üblich nicht mit den Folgen, sondern dem guten Gelingen einer Affäre befasst. Nina Basch, die lange Jahre als Verhaltenstherapeutin tätig war, hat eine sehr liberale Auffassung zum Fremdgehen und “Betrügen”, denn sie glaubt, dass oft eine Beziehung durch das Bekenntnis unnötig leidet. Gern würden wir unser Buch einmal vorstellen. Dann bitte mailen.
    Manfred S-H

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