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Filmreview: Not a Man In Sight – Ingen mann i sikte

Von Gastautorin Ingeborg Boxhammer | Am 15. Januar 2013
Kategorien: Film, kulturelle | Mit 1 Kommentar

Drei Generationen von Lesben

Not A Man In Sight

(Bild: Verleih)

Die norwegisch-schwedische Filmemacherin Mette Aakerholm Gardell beginnt ihren Film mit der Frage nach ihrem eigenen Selbstverständnis. Viele Jahre betrachtete sie sich als lesbische Aktivistin, mochte aber das Etikett „Lesbe“ nie. Nun gibt sie zusammen mit ihrer Frau Stina ihrem lang gehegten Kinderwunsch nach und reflektiert filmisch die Veränderungen, die die Insemination und die neuen Ziele bewirken: Sie wünscht sich eine Familienstruktur, in der das Kind im Mittelpunkt stehen wird. Anlässlich dieser Entscheidung befragt sie auch zwei weitere Paare nach deren Selbstverständnis.

Not A Man In Sight

(Bild: Verleih)

Eine junge Frau, die sich als „maskulin“ definiert, findet sich weder in den Begriffen „Lesbe“ noch in „transsexuell“ wieder, obwohl ihre Freundin sie eindeutig als Frau wahrnimmt, mit der sie gerade eine intime Beziehung lebt. Den Junglesben stellt Aakerholm Gardell ein älteres Paar um die Siebzig gegenüber, das sich an frühe Kämpfe um die Anerkennung lesbischer Lebensweisen erinnert und sich auf einen Lebensabend auf Lesbos freut, auch wenn sie dort von den Bewohner_innen nicht wirklich gelitten sind.

Die sehr persönliche Dokumentation deckt durch die eigene Neudefinition der Filmemacherin eine zunehmende Befremdung angesichts der zurzeit modernen Begrifflichkeiten auf: Passt „Lesbe“ [lesbisk] nicht (mehr)? Ist die Kategorie zu scharf oder zu unscharf? Interessanterweise scheint die breiter gefasste Einordnung „queer“ ohne Bedeutung für die Neuorientierung zu sein – die Statements beziehen sich hauptsächlich auf lesbisch, homosexuell oder „gay“. Dabei rücken die noch nicht festgezurrten Rollen der zukünftigen Mütter in den Vordergrund, während sie in den Überlegungen der werdenden Großmutter gespiegelt werden. So selbstverständlich scheint die Regenbogenfamilie doch noch nicht zu sein. Die beiden Mütter jedoch strahlen Zuversicht und Sicherheit aus. Vielleicht überträgt sie sich auf die zweifelnde Zuschauerin.

Norwegen/Schweden/UK 2012, R: Mette Aakerholm Gardell, 60 min

Ingeborg Boxhammer

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Ein Kommentar

  1. Isabella16. Januar 2013 um 10:47Antworten

    danke für den review, ingeborg! was die inhalte angeht: ich kann es langsam nicht mehr hören/sehen/lesen? mädelz von heute – was kann denn an dem begriff “lesbisch” nur so schlimm sein? es meint: wenn du es bist, liebst du frauen. nur frauen. hast du die “neigung, eignung und befähigung” (danke an annette schavan für diese formulierung, die ich hier gerne borge), beide (oder alle) geschlechter zu lieben, dann bezeichnet man das als “bisexuell”. heteros/-as lieben jeweils ausschließlich das jeweils andere geschlecht.
    ich habe das gefühl, bei dieser gender diskussion gehen ein paar dinge ganz gehörig durcheinander – unnötig wie ein kropf! identität und gender können sich tatsächlich linear entsprechen! ja, das gibt’s!es mag langweilig sein – aber es ist eben manchmal auch ganz einfach. und – hat gar nicht weh getan, oder?

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