phenomenelle

Featured

Shamim Sarif - Das Leben, von dem sie träumten

Krimitipp: Kommt Zeit – kommt Tod

kommtZeitkommtTodCoverHeiner Müller oder Hedwig Courths-Mahler?
Kommt Zeit kommt Tod – einer der letzten Aussprüche Heiner Müllers über seine Krankheit und auch der Titel eines großartigen Dokumentarfilms über den Dramatiker.

Zufall? Buch aufschlagen und los:

„Wo bleiben Anna und Susanne?“ Lucca sah ungeduldig aus dem Küchenfenster.

„Sie gehen doch hoffentlich nicht davon aus, dass wir bei ihnen verabredet sind.“ Mona runzelte besorgt die Brauen. …

Lucca hob spielerisch tadelnd den Zeigefinger. …

Alana sah zu Lucca, die immer noch am Fenster stand und ließ ihren Blick über den Körper der Geliebten wandern. „Wir könnten doch schon mal einen kleinen Aperitif in Angriff nehmen, was meinst Du?“, fragte sie, als sie zu ihr trat und ihre Hand nahm.

„In welcher Form, Maitresse?“ Luccas Augen funkelten. …

Mona unterbrach lächelnd das Geplänkel. …

Als sie sich zuprosteten, hörten sie draußen auf dem kiesbestreuten Hof einen Wagen über die Steine rutschen.

Der Geheime Baurat Rolf Matern trat in das Zimmer seiner Gattin. Mit der ihm eigenen raschen und energischen Art schloß er die Tür hinter sich und begrüßte seine Frau mit etwas unsicherem Blick: „Hast du eine halbe Stunde für mich Zeit, Malwine?“

Lucca lief auf Alana zu, um sie in den Arm zu nehmen. „Ich habe dich vermisst“, flüstert sie zwischen zärtlichen Küssen an ihrem Ohr.

„Hattest Du dafür tatsächlich Zeit?“ Alanas Stimme war von leichter Ironie durchzogen.

„Ja, hatte ich tatsächlich, Ungläubige, ich habe so dies und das vermisst…“ Luccas Augen verrieten ihre Absicht … „Nach so einem langen Flug fühle ich mich irgendwie schmuddelig.“

„Dem können wir Abhilfe schaffen, mein schmutziger Schatz.“ Alanas Augen leuchteten…

„Trotzkopf, lieber, bist du endlich gezähmt?“

„Ach – was war ich für eine Törin.“

Zugegeben:

wir lesen gerade parallel „Ungeliebte Frau“ von Hedwig Courths-Mahler und Entschuldigung: irgendwie sind wir mit den Büchern durcheinander geraten. Aber fällt das wirklich ins Gewicht? Nach der Lektüre von „Kommt Zeit – Kommt Tod“ besteht kein Zweifel mehr; Brigitte Bialojahn hat einen echten Wurf gelandet und ein neues literarisches Genre begründet: Courths-Mahler für Lesben! Der charmante Gartenlaubenstil wird über 322 Seiten zart durchgeklöppelt und hinterlässt eine verwirrt-begeisterte Rezensentin, die nach den ersten zehn Seiten erst einmal die Lektüre unterbrochen hat, um sich ein zierliches Lesezeichen zu häkeln.

Achja, der Inhalt:

Plötzlich und unerwartet erkrankt und stirbt Lucca Borks Vater. Dabei hatte er doch gerade erst kerngesund und vergnügt ein neues Leben begonnen, zum zweiten Mal geheiratet, frischvermählt eine neue Wohnung bezogen und finanziell abgesichert war das neue Lebensmodell auch.

Der pfiffigen und lebenslustigen Fotografin Lucca Bork ist Renate, die neue Gattin samt ihrem Sohn Ingo von Anfang an suspekt. Doch als „Womanizerin“ mit ausgeprägten Donjuanismus-Zügen hat sie alle Hände voll zu tun, ihr eigenes Leben nicht zu versauen. Und dann bekommt sie auch noch die Chance, in New York auszustellen! New York! Da gibt es doch bestimmt auch die eine oder andere interessante Frau zu vernaschen!
Lucca wacht auf, als das Testament eröffnet wird: sie ist enterbt. Und Renate verschwunden. Ingo auch. Und je mehr sie erfährt, desto mysteriöser scheint der Tod ihres Vaters. Recherche und Jagd beginnen…
Das ist ganz spannend, aber wie soll das enden?

Wenn so viel Intrige und Böses sich in dein Leben schlängeln, gibt es nur eine große Kraft, die dich daraus befreit. Genau: die Liebe! Und vielleicht noch Familienglück. Oder war das jetzt das Romanende von „Ungeliebte Frau“?
Nein, ist es nicht! Genretreues Ende – brava, Brigitte Bialojahn!
Heiner Müller lassen wir also mal aussen vor, das war eine verwirrende Titelgleichheit…

Zum Schluss Autorinnen-O-Ton:

„Wenn ich eine Schriftstellerin wäre, die wertvolle literarische Werke geschaffen hat, dann würde ich Ihnen mein schönstes Buch widmen, aber ich schreibe ja nur eine ganz leichte Unterhaltungslektüre.“ (H. C.-M.)

„Ich schreibe aber nicht, um auf roten Sofas intellektuelle Gespräche zu führen. Mir geht es um gute Unterhaltung.“ (B.B.)

Mit einem traurigen Zug um die Augen dreht die Rezensentin sich langsam um, ein Wagen hält knirschend vor der Tür ihrer Schöneberger Wohnung. „Es ist, was es ist…“ flüstert sie trotzig….

Regine Anhamm

kommtZeitkommtTodCoverBrigitte Bialojahn: Kommt Zeit – kommt Tod
Zu bestellen bei Book on Demand

Shamim Sarif - Das Leben, von dem sie träumten

One thought on “Krimitipp: Kommt Zeit – kommt Tod”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Anzeige


Anzeige Plan International: Bildung macht Mädchen stark!

visuelle

  • Buchtipp: Elke Weigel – “Wind der Freiheit”
  • Fernsehinfos vom 9. bis 23.10.2020
  • Buchtipp: “Riss in der Zeit” von Ahima Beerlage
  • Filmtipp zum 75. Geburtstag von Ilse Kokula
  • Ilka Bessin: Abgeschminkt – Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede
  • Interview und Verlosung zu 25 Jahre “Krug & Schadenberg”
  • Der Schottische Bankier von Surabaya: Ein Ava-Lee-Roman
  • CD-Review: LAING sind zurück mit neuem Album
  • Interview: „Diversity muss von der Führung kommen“
  • 5 Serien für Fans starker TV-Charaktere …
  • „Danke Gott, dass ich homo bin!“ – Filmreview von „Silvana“
  • Buchrezi: “Lesbisch. Eine Liebe mit Geschichte”
  • Rückblick auf die NorthLichter
  • DVD-Rezi: “Call My Agent” – Staffel 2
  • Berlin: Etwas andere Pride Parade am 23. Juni 2018 …
  • Buchrezi: Carolin Hagebölling “Ein anderer Morgen”
  • Ausstellungseröffnung „Lesbisches Sehen“ im Schwulen Museum Berlin
  • „The Einstein of Sex“ – Stück über Magnus Hirschfeld
  • “Here come the aliens” – Das neue Album von Kim Wilde
  • Album-Review: Lisa Stansfield “Deeper”
  • Theater X: Deutschlands vergessene Kolonialzeit
  • Berührend humorvoll: die Serie “Call My Agent” – mit lesbischer Hauptfigur
  • CD-Vorstellung und Interview: Elise LeGrow „Playing Chess“
  • Berlinale Preview von „Night Out“