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Querverlag

Krimitipp: Kommt Zeit – kommt Tod

Von Gastautorin Regine Anhamm | Am 18. April 2014
Kategorien: Featured, kulturelle, LITelle | Mit 1 Kommentar

kommtZeitkommtTodCoverHeiner Müller oder Hedwig Courths-Mahler?
Kommt Zeit kommt Tod – einer der letzten Aussprüche Heiner Müllers über seine Krankheit und auch der Titel eines großartigen Dokumentarfilms über den Dramatiker.

Zufall? Buch aufschlagen und los:

„Wo bleiben Anna und Susanne?“ Lucca sah ungeduldig aus dem Küchenfenster.

„Sie gehen doch hoffentlich nicht davon aus, dass wir bei ihnen verabredet sind.“ Mona runzelte besorgt die Brauen. …

Lucca hob spielerisch tadelnd den Zeigefinger. …

Alana sah zu Lucca, die immer noch am Fenster stand und ließ ihren Blick über den Körper der Geliebten wandern. „Wir könnten doch schon mal einen kleinen Aperitif in Angriff nehmen, was meinst Du?“, fragte sie, als sie zu ihr trat und ihre Hand nahm.

„In welcher Form, Maitresse?“ Luccas Augen funkelten. …

Mona unterbrach lächelnd das Geplänkel. …

Als sie sich zuprosteten, hörten sie draußen auf dem kiesbestreuten Hof einen Wagen über die Steine rutschen.

Der Geheime Baurat Rolf Matern trat in das Zimmer seiner Gattin. Mit der ihm eigenen raschen und energischen Art schloß er die Tür hinter sich und begrüßte seine Frau mit etwas unsicherem Blick: „Hast du eine halbe Stunde für mich Zeit, Malwine?“

Lucca lief auf Alana zu, um sie in den Arm zu nehmen. „Ich habe dich vermisst“, flüstert sie zwischen zärtlichen Küssen an ihrem Ohr.

„Hattest Du dafür tatsächlich Zeit?“ Alanas Stimme war von leichter Ironie durchzogen.

„Ja, hatte ich tatsächlich, Ungläubige, ich habe so dies und das vermisst…“ Luccas Augen verrieten ihre Absicht … „Nach so einem langen Flug fühle ich mich irgendwie schmuddelig.“

„Dem können wir Abhilfe schaffen, mein schmutziger Schatz.“ Alanas Augen leuchteten…

„Trotzkopf, lieber, bist du endlich gezähmt?“

„Ach – was war ich für eine Törin.“

Zugegeben:

wir lesen gerade parallel „Ungeliebte Frau“ von Hedwig Courths-Mahler und Entschuldigung: irgendwie sind wir mit den Büchern durcheinander geraten. Aber fällt das wirklich ins Gewicht? Nach der Lektüre von „Kommt Zeit – Kommt Tod“ besteht kein Zweifel mehr; Brigitte Bialojahn hat einen echten Wurf gelandet und ein neues literarisches Genre begründet: Courths-Mahler für Lesben! Der charmante Gartenlaubenstil wird über 322 Seiten zart durchgeklöppelt und hinterlässt eine verwirrt-begeisterte Rezensentin, die nach den ersten zehn Seiten erst einmal die Lektüre unterbrochen hat, um sich ein zierliches Lesezeichen zu häkeln.

Achja, der Inhalt:

Plötzlich und unerwartet erkrankt und stirbt Lucca Borks Vater. Dabei hatte er doch gerade erst kerngesund und vergnügt ein neues Leben begonnen, zum zweiten Mal geheiratet, frischvermählt eine neue Wohnung bezogen und finanziell abgesichert war das neue Lebensmodell auch.

Der pfiffigen und lebenslustigen Fotografin Lucca Bork ist Renate, die neue Gattin samt ihrem Sohn Ingo von Anfang an suspekt. Doch als „Womanizerin“ mit ausgeprägten Donjuanismus-Zügen hat sie alle Hände voll zu tun, ihr eigenes Leben nicht zu versauen. Und dann bekommt sie auch noch die Chance, in New York auszustellen! New York! Da gibt es doch bestimmt auch die eine oder andere interessante Frau zu vernaschen!
Lucca wacht auf, als das Testament eröffnet wird: sie ist enterbt. Und Renate verschwunden. Ingo auch. Und je mehr sie erfährt, desto mysteriöser scheint der Tod ihres Vaters. Recherche und Jagd beginnen…
Das ist ganz spannend, aber wie soll das enden?

Wenn so viel Intrige und Böses sich in dein Leben schlängeln, gibt es nur eine große Kraft, die dich daraus befreit. Genau: die Liebe! Und vielleicht noch Familienglück. Oder war das jetzt das Romanende von „Ungeliebte Frau“?
Nein, ist es nicht! Genretreues Ende – brava, Brigitte Bialojahn!
Heiner Müller lassen wir also mal aussen vor, das war eine verwirrende Titelgleichheit…

Zum Schluss Autorinnen-O-Ton:

„Wenn ich eine Schriftstellerin wäre, die wertvolle literarische Werke geschaffen hat, dann würde ich Ihnen mein schönstes Buch widmen, aber ich schreibe ja nur eine ganz leichte Unterhaltungslektüre.“ (H. C.-M.)

„Ich schreibe aber nicht, um auf roten Sofas intellektuelle Gespräche zu führen. Mir geht es um gute Unterhaltung.“ (B.B.)

Mit einem traurigen Zug um die Augen dreht die Rezensentin sich langsam um, ein Wagen hält knirschend vor der Tür ihrer Schöneberger Wohnung. „Es ist, was es ist…“ flüstert sie trotzig….

Regine Anhamm

kommtZeitkommtTodCoverBrigitte Bialojahn: Kommt Zeit – kommt Tod
Zu bestellen bei Book on Demand

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Konkursbuchverlag

Ein Kommentar

  1. Brigitte Bialojahn: Artemis26. Januar 2015 um 18:35Antworten

    [...] ihren Weg durch allerhand Turbulenzen und Schicksalsschläge zu Liebe und Familienglück bereits in „Kommt Zeit kommt Tod“. Als „Womanizerin“ mit ausgeprägten Donjuanismus-Zügen abenteuerlüsterte sie durch Gefahr [...]

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