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SÜT Köln

Zerstörungen auf ehemaligem KZ-Gelände

Von Ulrike Anhamm | Am 16. August 2013
Kategorien: aktuelle, informelle, Politik | Mit 0 Kommentaren

Sitzgruppe mutwillig beschädigt

IlseHeinrichCharlotteKrollAm 14. August wurde auf dem Gelände des ehemaligen Jugendkonzentrationslagers und späteren Vernichtungslagers Uckermark eine gerade errichtete Sitzgruppe am Gedenkstein mutwillig beschädigt. Unbekannte hatten gegen Mittag an dem Gedenkort die Plane des Sonnen- und Regenschutzes mehrmals aufgeschlitzt und die Betonfüße einer Bank zertrümmert. Das Ensemble war gerade erst auf dem frei zugänglichen Gelände von der “Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark” errichtet worden.

Die KZ-Überlebenden Ilse Heinrich und Charlotte Kroll, die noch am Vortag mit Mitgliedern der Initiative auf der Bank saßen (s. Bild), sind schockiert über den Vandalismus. Verena Hartung, Sprecherin der Initiative, sagt:

Wir sind entsetzt über die Respektlosigkeit gegenüber den hier Ermordeten und gegenüber den Überlebenden, die hierher kommen, um zu gedenken. Aber wir werden weiter an unserem Konzept des Offenen Gedenkens festhalten. Wir lassen uns nicht einschüchtern und wir werden weiter für einen würdigen Gedenkort Uckermark kämpfen.

Ein Gedenkort für die “vergessenen Verfolgten”

Das Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen in der Uckermark wurde im Frühjahr 1942 von Häftlingen des nahegelegenen Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück errichtet. 1945 zählte das Lager ca. 1000 Mädchen und junge Frauen. Ein Erlass von 1937 über die “vorbeugende Verbrechensbekämpfung” hatte die Inhaftierung von als “asozial” kriminalisierten Mädchen möglich gemacht. Im Januar 1945 wurde auf dem Gelände ein Vernichtungslager für Häftlinge aus Ravensbrück und anderen Konzentrationslagern gebaut. Bis April 1945 wurden dort ca. 5000 Frauen umgebracht. Bis heute ist wenig über die Geschichte dieses Konzentrationslagers bekannt. Die dort Inhaftierten zählten lange Zeit zu den “vergessenen Verfolgten” des Nationalsozialismus und haben keine öffentliche Anerkennung erfahren.

Seit gut 15 Jahren arbeitet die “Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark” daran, den Ort dem Vergessen zu entreißen. Am 14. August 2013 endete das 10-tägige antifaschistische feministische Bau- und Begegnungscamp der Initiative, bei dem jedes Jahr zwischen 15 und 25 Engagierte das historische Lagergelände und die selbstgebauten Informationstafeln instandsetzen, sich mit Überlebenden treffen und sich inhaltlich austauschen. Ziel der hauptsächlich durch Spenden finanzierten Arbeit ist es, am historischen Ort die Geschichte des Jugend-KZ und des späteren Vernichtungslagers sichtbar zu machen und die Öffentlichkeit zu informieren.

Die Gestaltung des Geländes soll auch zum Verweilen und Offenen Gedenken einladen. Die freie Zugänglichkeit des Ortes unabhängig vom institutionalisierten Gedenken ist ein großes Anliegen der Initiative.

zerstoertesSegelFür die notwendigen Reparaturen und ein neues Segel bittet die Initiative um Spenden an:

Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V.
Spendenkonto 468 579 106
Postbank Berlin 100 100 10

www.gedenkort-kz-uckermark.de

Ulrike Anhamm

gründete das legendäre ‘Lesbenmagazin “Lespress”, das seit 1995 über zehn Jahre das lesbische Leben in Deutschland prägte. Die Phenomenelle-Idee gefiel ihr so gut, dass sie sofort zur Unterstützerin wurde.

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