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SÜT Köln

Vermögenssicherung und Geldanlage 2013

Von Gastautorin Petra c. Göttel | Am 21. Dezember 2012
Kategorien: informelle | Mit 2 Kommentaren

Die Finanzexpertin und unabhängige Vermögensverwalterin Petra C. Göttel prognostizierte bereits Ende 2006 die internationale Finanzkrise. Jetzt liefert sie uns finanzpolitisch quergebürstet neues Hintergrundwissen mit spannenden Ausblicken:

Wieso, weshalb, warum…Neue Zeiten, neue Möglichkeiten

Was in den vergangenen Jahren innerhalb des deutschen, europäischen und weltweiten Banken-, Finanz- und Geldsystems geschah und weiterhin geschieht, wird noch bedeutende Folgen haben. Finanziell, wirtschaftlich, politisch und dadurch am Ende auch gesellschaftlich. Denn letzten Endes lässt sich Mathematik nicht austricksen. Das gesamte Finanzsystem ist insbesondere durch die weltweite Verschuldung und Überschuldung an vielen Stellen schief und brüchig geworden und erodiert von Tag zu Tag mehr.
Wo immer sich neue Herausforderungen stellen, gibt es aber auch gleichzeitig neue Chancen und Möglichkeiten. In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird sich für einen großen Teil der Menschheit die entscheidende Frage stellen, wie man sich ein neues, faireres und transparenteres globales Geld- und Wirtschaftssystem idealerweise vorstellt und umsetzt.
Doch es geht nicht nur um das abstrakte große Ganze. Es geht in dieser Zeit auch ganz konkret um jeden einzelnen Menschen. Jede und jeder hat ihre, bzw. seine persönliche Lebenssituation, Finanzmöglichkeiten und Gelder, welche in den kommenden Jahren so sinnvoll wie möglich eingesetzt und angelegt werden können und sollten. Hierfür heißt es zum einen, die Risiken rechtzeitig zu erkennen und zum anderen die jeweils individuell passenden Chancen zu nutzen, welche sich auch in schwieriger Zeit jeder Privatanlegerin und jedem Privatanleger bieten.

Ich freue mich, Sie an meinem Wissen teilhaben zu lassen und wünsche Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und zahlreiche neue Erkenntnisse:

Die Bevölkerung wird seit Jahren getäuscht

Die meisten Staaten weltweit haben enorm hohe Verschuldungen angehäuft. Mittlerweile sind auch Europa und der Euroraum zur Großproblemzone mutiert. Die Europäische Zentralbank EZB sowie die meisten der weiterhin existenten Nationalbanken der Eurozone schaffen virtuell pausenlos neues Geld. Im Klartext und in der Wirkung auf das Geldsystem: die Druckerpressen rotieren auf Höchstgeschwindigkeit. Die Kaufkraft der europäischen Gemeinschaftswährung ist dadurch bereits schwer angeschlagen. Jeder erkennt die Preissteigerungen seit der Euro-Einführung im Alltag und am eigenen Portemonnaie, selbst wenn manch vermeintlicher Wirtschaftsexperte versucht, der Bevölkerung anderes einzureden.

Denn trotz aller Beteuerungen aus der Politik werden die meisten dieser Schuldenberge auf normalem Wege, also via Wirtschaftswachstum, Sparen, Steuererhöhungen usw. voraussichtlich nie mehr zurückbezahlt werden können. Zusätzlich ist die Bevölkerung eines Landes nach dem anderen von den drakonischen Sparmaßnahmen und daraus folgenden Konjunktureinbrüchen völlig überfordert, was echtes Wirtschaftswachstum weiter erschwert oder gar unmöglich macht. Doch nicht nur das, überfordert werden neben den Schuldnern auch die Gläubigerländer. Statt Zinszahlung und Tilgung müssen sie darauf gefasst sein, mit jedem Jahr mehr ihre Forderungen komplett abzuschreiben und Milliarden an Investitionen aus öffentlichen und privaten Kassen als unwiederbringlich verloren anzusehen.

Ganz entscheidend und für die Zukunft elementar wichtig zu verstehen ist, dass Vermögen immer gleichzeitig an anderer Stelle Schulden darstellt. Bei Schuldenschnitten, im Klartext: Schuldenerlassen wird somit auch stets gleichzeitig das entsprechende Vermögen vernichtet. Warum das so ist und um diesen Vorgang einfach verstehen zu können, noch einmal der folgende kurze Abschnitt aus meinem Artikel „Der schleichende Systemkollaps“ neu zusammengefasst.

Der unfassbare Trick der modernen Geldschöpfung

Neues Geld wird ausschließlich durch das gleichzeitige Entstehen neuer Schulden geschaffen. Die nur den Allerwenigsten bekannte Methodik der modernen Geldschöpfung liegt in der Kreation neuer, zusätzlicher Verschuldung. Diejenigen Leserinnen und Leser unter Ihnen, welche sich in Buchhaltung auskennen, wissen, dass bei einem Buchungsvorgang immer zwei Seiten bedient werden müssen: Soll und Haben. Sofern es nicht in einer Fälscherwerkstatt fabriziertes Papiergeld ist, muss jegliche moderne, staatliche Währung ebenfalls zwei Buchungsseiten durchlaufen. Abrechnungstechnisch ein Guthaben an einer Stelle, eine Schuld an einer anderen. Dies ist bei den eigenen, persönlichen Finanzen ganz genauso. Mein Geld-Guthaben bei einer Bank bedeutet für diese Bank wiederum mir gegenüber eine Rückzahlungsverpflichtung und damit Schulden.

Schuldenschnitte sind daher gleichzeitig auch Vermögensvernichtung

Genau das wird eines Tages das Kernproblem des globalen „Schulden-Turms zu Babel“ werden: Nicht nur die Schulden sind dann – auf welchem Wege auch immer – weniger, wertlos oder ganz einfach gelöscht, sondern auch das ursprünglich gegengebuchte Vermögen! Denn jeder Schuldenschnitt führt buchhalterisch automatisch, parallel und sofort beim Investor auch zur Streichung, zur Vernichtung seines Guthabens. Ob dies nun ein Privatanleger oder die öffentliche Hand als Gläubiger ist, spielt dabei keine Rolle. Vom „guten Geschäft für Deutschland“, wie Angela Merkel etwa die griechischen Staatsanleihen 2010 noch anpries, hört man jedenfalls nichts mehr. Der Privatanleger sitzt mit seinen Geldanlagen dabei direkt oder indirekt mit im sinkenden Boot.

Hans Eichel und seine Empfehlung griechischer Staatspapiere

Im Jahr 2000 erhielt der damalige Bundesfinanzminister Hans Eichel unerwartete Post. Der Präsident der hessischen Landeszentralbank, Reckers, warnte dringend und bis auf weiteres vor einer Aufnahme von Griechenland in den Euroraum. Der Beitritt wurde trotzdem durchgedrückt, der Mahner als „absolut unzuständig“ erklärt und ihm ein Maulkorb verpasst. Damit nicht genug. Eichel und zahlreiche bekannte Namen aus Wirtschaft und Politik empfahlen im Frühjahr 2010, während des Beginns des Griechenland-Dramas und des Anlaufens der seitdem omnipräsenten medialen „Pro-Euro“-Kampagne, auf großformatigen Fotostrecken im „Handelsblatt“ zur Geldanlage allen Ernstes griechische Staatspapiere zwecks solider Geldanlage!

Deutsche Banken waren dank solcher Unterstützung in den letzten Jahren natürlich heilfroh, ihre eigenen Griechenland-Schuldenpapiere dem Bankkunden direkt weiterverkaufen zu können. Wenn das nicht ausreichte, gab es ja noch die hauseigenen Produkte wie Staatsanleihen-basierte Investmentfonds und Versicherungen, an die man diese Papiere konzernintern gerne weiterreichte. Viele Privatanleger mussten dadurch indirekt mitbezahlen.

Aufgrund der enormen Summe ausstehender Griechenland-Staatsanleihen reichte selbst das nicht annähernd aus, um die bei öffentlichen und privaten Geldgebern entstandenen massiven Schieflagen gegenüber dem maroden Mittelmeeranrainer aufzufangen. So musste schließlich die mit europäischem Steuergeld finanzierte EZB herhalten. Die EZB nahm letzten Endes diese Schuldpapiere als vermeintlich werthaltige Sicherheit an. Erhebliche Teile dieser Aufkäufe wurden sogar zum viel höheren ursprünglichen Ausgabepreis durchgeführt, obwohl die Papiere im Wert bereits stark gefallen waren. Im Gegenzug hatte die EZB dafür nicht nur Griechenland, sondern besonders den deutschen und europäischen Banken Geld gegeben. Damit sich auch hier das Investmentbank-Spekulationsrad immer weiter und immer schneller drehen darf. In die nächsthöhere Rotationsstufe versetzt wird dieses Spekulations-Karussell der Vermögensvernichtung nun auch noch durch den ESM.

„Der ESM bringt das Spekulations-Karussell der Vermögensvernichtung in die nächsthöhere Rotationsstufe“.

Der ESM ist eine tickende Zeitbombe

Im Sommer 2012 verabschiedeten die jeweiligen nationalen Parlamente der Euro-Staaten den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM als weiteren Teil des dauerhaften Euro-Rettungsschirms. Etwas, das „dauerhaft gerettet“ werden muss, ist allein schon sprachschöpferisch eine irreführende, weil unlogische Bezeichnung. Denn entweder ein Mensch oder eine Sache ist dann endlich einmal gerettet oder sie ist eben noch nicht gerettet, die Gefahr besteht also weiterhin.

Sowohl der erst wenige Monate alte ESM als auch sein längst als zu klein erachteter Vorgänger EFSF haben dieser Tage bereits die ersten Bonitäts-Herabstufungen der Ratingagenturen kassiert. Hatte jemand langfristig anderes erwartet? Wie soll das alles denn auf die Dauer überhaupt wirksam funktionieren, wenn jetzt schon bald die Hälfte der Länder, die für den ESM haften sollen, selbst bereits am Tropf hängt? Der Chefvolkswirt der OECD, Pier Carlo Padoan, sorgt sich offen um den Fortbestand der Euro-Zone und gab Ende November 2012 zu Protokoll: „Die Währungsunion ist einem starken Zerfallsdruck ausgesetzt und könnte in Gefahr sein.“

Die einstige Vision vom Stabilitäts-Euro der Verträge von Maastricht ist spätestens seit 2010 nur noch Geschichte und Makulatur. Es steht nach wie vor noch Euro drauf, es ist aber schon seit Jahren nicht mehr das enthalten, was einmal den Bürgern von der Politik an ursprünglichen Sicherheiten und Regeln hoch und heilig versprochen wurde. Hohe Staatsdefizite und rapide Geldvermehrung sind die Realität, vergessen die No Bailout-Klausel, wonach kein Land für die Schulden des anderen haften muss. Der vorläufige Gipfel ist, dass der Gemeinschaftstopf ESM nicht nur für die Schulden anderer Länder, sondern mittlerweile sogar schon für die Schulden maroder Banken benutzt wird. So gingen kürzlich etwa 40 Milliarden €, also 40.000 Millionen €, aus dem ESM an spanische Banken.

Was nun?
Fortsetzung im Teil 2:

  • Skandalöse Fakten zur tickenden Zeitbombe ESM, welche fast die gesamte öffentliche Berichterstattung im ESM-Werbetrommelfeuer unter den Teppich kehrte
  • Für deutsche Anleger birgt die geplante Bankenunion neue RisikenNach der Inflation folgt die Deflation, auch bei Immobilien und Geldanlagen. Welche Folgen hat das für Sie?

 

Petra C. GöttelPetra C. Göttel ist unabhängige Vermögensverwalterin. Sie machte sich nach mehreren Jahren im deutschen Steuerberatungsbereich bereits vor 21 Jahren selbständig als unabhängige Finanz- und Wirtschaftsberaterin in Stuttgart. Sie lebt und arbeitet seit 2009/2010 im Fürstentum Liechtenstein und leitet dort die unabhängige Vermögensverwaltungsgesellschaft Petra C. Göttel Vermögensverwaltung AG. Petra C. Göttel gehört zu den sehr wenigen internationalen Vermögensverwaltern, welche bereits ab Herbst 2006 die sich anbahnende internationale Finanzkrise klar erkannt und prognostiziert hatten. Zusätzlich zu ihrer Schwerpunkttätigkeit der strategischen Vermögensanlage für ihre Mandanten ist sie Autorin und gefragte Referentin.

Disclaimer
Sämtliche Rechte dieses Artikels liegen bei Petra C. Göttel. Sämtliche von mir beschriebenen Sachverhalte sind nach bestem Wissen dargestellt und nach bestem Gewissen erläutert, sie beanspruchen jedoch weder eine Garantie auf Richtigkeit, noch erheben sie Anspruch auf Vollständigkeit. Sämtliche dargestellten Sachverhalte und getroffenen Aussagen stellen ausschließlich meine persönliche Meinung dar. Dieser Artikel kann in keinem Falle eine individuelle Beratung darstellen oder ersetzen. Daher ist auch jegliche Haftung durch Befolgung oder Unterlassung aufgrund in diesem Artikel getroffener Aussagen vollständig ausgeschlossen. Danke für Ihr Verständnis.

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2 Kommentare

  1. Mea C.21. Dezember 2012 um 21:43Antworten

    wirklich ein interessanter Artikel

  2. Birgit22. Dezember 2012 um 09:30Antworten

    Sehr interessanter, leicht verständlich und aufschlussreicher Fachartikel, der einen Blick hinter die Kulissen gewährt und die letzten Jahre zusammenfassend in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt als uns die Politik gerne hätte glauben lassen wollen. Bin gespannt auf die heutige Fortsetzung!

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