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phenomenelle des Tages: Miriam Makeba

Miriam Makeba (4.3.1932–10.11.2008)

Miriam Makeba10Ihr Beiname „Mama Africa“ war zugleich eine Liebkosung und ein Ehrentitel für die bekannteste Sängerin und Menschrechtsaktivistin Südafrikas. Musikalisch ließ sie sich vom Jazz, besonders von Sängerinnen wie Billie Holiday und Ella Fitzgerald, beeinflussen. Sie vermischte ihn mit den traditionellen Einflüssen afrikanischer Musik und wurde so zur Wegbereiterin der Weltmusik.

Ihr Leben beginnt in Johannesburg und die Zeichen stehen alles andere als günstig für die Neugeborene. Die Mutter hat keine andere Chance, sie verdient ihren Lebensunterhalt als Küchenhilfe in weißen Haushalten. Makeba ist erst wenige Tage alt, als die Mutter wegen illegalen Bierbrauens verhaftet und verurteilt wird. Die ersten Lebensmonate verbringt das Kind im Gefängnis. Sie ist 6 Jahre alt als der Vater stirbt, muss die Schule vorzeitig abbrechen und schon als Teenager ebenfalls Geld als Küchenhilfe oder mit anderen Jobs verdienen. In ihrer Freizeit singt sie im Chor.

Mit 18 Jahren wird Makeba Mutter von dem ersten ihrer vielen Ehemänner. Es bleibt ihr einziges Kind. Den Mann verlässt sie bald, weil er gewaltätig ist. In den 50ern beginnt sie professionell bei einer Jazz-Combo zu singen. Mit den Skylarks gründet sie dann eine reine Frauengesangsgruppe. 1959 hat sie einen kurzen Cameo in der Doku-Fiction Come Back, Africa. Der Film führt sie auf die Bienale in Venedig und macht sie einem größeren Publikum bekannt. Harry Bellafonte unterstützt sie bei ihrer Karriere in den USA. 1960 verweigert die südafrikanische Regierung ihr die Rückkehr. Sie darf nicht an der Beerdigung ihrer Mutter teilnehmen.

Makebas Ruhm steigt, sogar bei Kennedys Geburstagskonzert ist sie dabei. 1967 wird Pata, Pata ein Welterfolg. Sie fällt in den USA in Ungnade, weil sie einen Black Panther Aktivisten heiratet, zieht nach Guinea. Und sie erhebt ihre Stimme gegen die Apartheid in ihren Liedern, aber auch als Delegierte bei den Vereinten Nationen. 1990 zum 70. Geburstag von Nelson Mandela darf sie anlässlich eines Konzerts zu seinen Ehren erstmalig nach Südafrika zurückkehren.

Bis zuletzt bleibt sie eine Kämpferin. Sie gründet eine Stiftung, die sich unter anderem um missbrauchte junge Frauen in ihrem Heimatland kümmert. Sie spricht davon, dass die Regierung praktisch nichts tut, um über HIV und Aids aufzuklären und Kondombenutzung selbstverständlich zu machen. Sie prangert an, dass junge Mädchen vergewaltigt werden, weil Mann glaubt, sich bei einer Jungfrau vor Aids schützen zu können. Sie engagiert sich für verfolgte Künstler_innen. Und dabei findet sie am Ende der Tod. Während eines Solidaritätskonzerts für den Anti-Mafia-Schriftsteller Roberto Saviano, der auf den Todeslisten der Verbrecherorganisation steht, erleidet sie einen Herzinfarkt und stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Auch wenn ihre Stimme verstummt ist, bleiben ihre Lieder und ihr soziales Vermächtnis.

Foto: By Roland Godefroy (Own work) [GFDL or CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons

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