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phenomenelle des Tages: Lotte Hahm

Lotte Hahm (23.5.1890–1967)

Die Vorsitzende des Damenclubs Violetta und der Lesbenvereinigung Monbijou gehört zu den bekanntesten und wichtigsten lesbischen Aktivistinnen der Weimarer Republik. Ihre Markenzeichen: Kurzhaarschnitt, Hemd und Krawatte. Die Nationalsozialisten verhaften sie und sperren sie mehrere Jahre in ein Konzentrationslager. Auch engen Freund_innen gegenüber schweigt Hahm über diese Zeit bis an ihr Lebensende. Einer der Gründe, warum sich die Spurensuche nach ihr schwierig gestaltet.

Geboren in Dresden wird Hahm in den 20er Jahren eine der führenden Figuren in der Berliner Lesbenszene. 1926 übernimmt sie den Damenklub Violetta, einer der größten und bekanntesten seiner Art in Berlin. Hier treffen sich Angestellte und Verkäuferinnen. Der Club veranstaltet Tanzabende und andere Aktivitäten, gehört der Homosexuellenvereinigung Bund für Menschenrecht (BfM) und leistet politische Emanzipationsarbeit. Hahm hält Vorträge darüber wie notwendig Aufklärung über die homosexuelle Lebensweise ist und über die homosexuelle Frau. Sie ist Chefredakteurin der Zeitschrift Die Freundin und vereinigt später Violetta und Monbijou. Am 8.3.1933 verbieten die Nazis die Zeitschrift. Hahm wird verhaftet. Bis heute lassen sich die genauen Gründe nicht klären. Dass den Nationalsozialisten die lesbische Aktivistin eine Unbekannte war, wie manche behaupten, klingt jedenfalls mehr als unwahrscheinlich.

1938 wird Hahm entlassen und organisiert erneut Treffpunkte für lesbische Frauen. Diesmal im Verborgenen. Auch nach der Kapitulation veranstaltet sie Frauenabende und gehört zu denjenigen, die Ende der 50er Jahre vergeblich versuchen, den BfM wieder ins Leben zu rufen. Vergessen und tot geschwiegen stirbt sie vermutlich 1967. Erst Historikerinnen wie Claudia Schoppmann entreißen die legendäre lesbische Aktivistin dem bleiernen Schlaf der Geschichte.

Foto: Quelle www.cabaret-berlin.com

Weitere Quellen und Links

One thought on “phenomenelle des Tages: Lotte Hahm”

  1. Susanne Lück sagt:

    Wow … was für eine Courage — nach dem KZ gleich wieder rein ins Akivistinnenleben! Guter, wichtiger und superinteressanter Beitrag, danke dafür!

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