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SÜT Köln

Kordula Völker über lesbischen Humor, L-Beach und Angela Merkel

Von Daniela Zysk | Am 7. Juni 2014
Kategorien: informelle, LeStory | Mit 0 Kommentaren

Bettgeflüster Foto Rose Benninghoff

Sie würde am liebsten Jesus fragen, ob er mit Conchita Wurst verwandt sei und warum er keinen Bart habe. Und Angela Merkel rät sie, die Hände nicht mehr zum umgekehrten Lesbenzeichen zu formen. – Die Kabarettistin Kordula Völker im Gespräch mit Phenomenelle:

Du hast in Dinslaken nun seit einiger Zeit das Theater Halbe Treppe und trittst dort auch ab und zu auf. Ist dies der Grund, weshalb du nur noch selten auf Tournee bist ?
Ja und Nein. Natürlich habe ich mit meinem kleinen Theater ordentlich zu tun, aber ich mache mittlerweile viele Regieprojekte und unterrichte Kabarett und Comedy. Das macht ungeheuren Spaß und hat den Vorteil, dass ich nun mehr an den Wochenenden zu Hause sein kann. Das allerbeste ist jedoch, dass ich mir meine Auftritte nun gezielter aussuchen kann und somit auch kleine Locations eine Chance haben mich mal buchen zu können.

Wie kam es zu der Idee mit dem Theater ?
Ich habe in dem Haus für Unternehmerinnen ein Seminar zum Thema Vortragscoaching gegeben. Dann kamen so viele Frauen, dass der Seminarraum zu klein war und ich ins große Foyer umgezogen bin. Für meinen Zweck habe ich dann Vorhänge vor den Glastüren aufgehängt und Scheinwerfer angebracht. Ab dem Moment hatte ich ein “Theater”. Da wir dann das Foyer für jede Vorstellung zum Theater umbauen mussten, habe ich nun meinen Standort gewechselt. Ab Herbst habe ich in Dinslaken einen eigenen Theaterraum mit 50 Plätzen. Und außerdem ein wunderbares Team mit den schönsten und charmantesten Lesben des Niederheins. An dieser Stelle einmal DANKE! Ach ja: An manchen Abenden gibt es dann den Clit Club – exklusiv für Lesben ab 50. Kurzum es lohnt sich mal vorbeizukommen ;)

Als eine Lesbe Ü30 schaust du stolz oder mit Sorge auf die jüngere Generation?
Jede Generation hat ihre eigenen Chancen und Schwierigkeiten. Mein Gefühl derzeit ist: es wird öffentlich überall von Toleranz geredet. Immer wird postuliert: Alles ist möglich, alles ist lebbar. Aber dann gibt es die versteckte Diskriminierung. Und die finde ich manchmal schwieriger zu handlen als den offenen Hass zu meiner Coming-out-Zeit. Abgesehen davon: Manchmal habe ich das Gefühl es ist heute bei diesem „Anythings goes“ extrem schwierig eine eigene Identität zu entwickeln. Gibt es noch das WIR-Gefühl bei aller Individualität? Einen Gruppenzusammenhang, der dir den Rücken stärkt? Ich pflege meine alte Pfadfinderrinnen-Romantik und definiere mich immer noch als Lesbe und freue mich über unsere kleine Community hier in Dinslaken. Und ja: mein Lebensentwurf ist immer noch ein anderer als der von heterosexuellen Frauen. Vermutlich aber auch ein anderer als der der meisten Lesben. Ups, jetzt wird es widersprüchlich. Oder queer – oder was? Abgesehen davon finde ich es wunderbar, dass es heute Jugendtreffs wie das anyway in Köln oder enterpride in Mülheim gibt. Nicht umsonst bin ich Schirmfrau beim SVLS. Und bei meinen Newcomerabenden im Theater Halbe Treppe stehen auch immer junge Lesben auf der Bühne. Dann stehe ich daneben und bin einfach nur glücklich zu sehen, mit wie viel Power und Gradlinigkeit die heute ihr Ding durchziehen.

Wie ist dein Verhältnis zu Großveranstaltungen wie den CSD, L- Beach oder das LFT ?
Da wirst du mich selten finden. In großen Menge fühle ich mich total lost. Dann stehe ich blöd rum und fühle mich nur noch unwohl. Soweit das private. Nun das politische. LFT unbedingt. Da geht es auch nach 30 Jahren um neue Impulse in der Lesbenbewegung. Manchmal schwer auszuhalten in den Diskussionen, aber wichtig für einen politischen Background. Die großen CSDs sind mir zu schwulenlastig und körperfixiert. L-Beach ist was für die Reichen und Schönen. Falls ich noch mal das eine oder andere werde, versuche ich es mal dort ;)

Lachen

Wie und ob überhaupt unterscheidet sich der Humor zwischen Lesben und Heteras ? Lachen Lesben anders?
Als ich mit meinem Lesbenkabarett anfing, war der Grad von Selbstironie bei den homosexuellen Damen stark unterentwickelt. Ich hab da manchmal Entwicklungshilfe geleistet und wurde dafür oft als Nestbeschmutzerin beschimpft. Später wurde kräftig und deftig gelacht und sogar ausufernd abgefeiert. Heute sind die Damen mehr mit Karriere, Altersvorsorge und identitätsstiftenden Maßnahmen beschäftigt. Damit zentrieren sich die Satirethemen in den lesbischen Traditionswelten um Couchgarnituren, Diät Cola, Cybersex und Partnerschaft. Das allerdings finde ich widerum so ganz und gar nicht lustig.

Wenn du eine berühmte Persönlichkeit zum Essen treffen könntest, welche wäre dies und wieso ?
Oh je – eine Fangfrage. Wen nehme ich Frau, Mann, Lesbe? Und was ist bitteschön prominent? Aber gut. Ich würde gerne mal Jesus treffen und ihn fragen, ob er mit Conchita Wurst verwandt ist und warum er keinen Bart hat. Dann würde ich nach Berlin zu Angela Merkel fahren und ihr raten, ihre Hände nicht mehr zum umgekehrten Lesbenzeichen zu formieren, weil mich das immer so nervös macht, wenn ich sie sehe. Und zu guter Letzt würde ich meine beste Freundin besuchen, weil sie berühmt ist für ihr Lachen, ihre Großzügigkeit und ihr couragiertes Eintreten für alle, die keine Lobby haben in diesem Land und jeden Tag sehen, dass sie irgendwie über die Runden kommen. Sollte ich dann irgendwann einmal auch so viel an Persönlichkeit zustande bringen, würde ich mich zu einem Gläschen Rotwein einladen und darauf aufstoßen, dass das Leben einen Sinn gemacht hat.

In Berlin soll es bald einen Lesbenfriedhof geben – was hälst Du davon?
Für mich definitiv zu weit weg. Einen kleinen Friedwald hier am Niederrhein unter einer schönen Trauerweide, auf einem Hügel und einem kleinen Bachlauf zu meinen Füssen fände ich romantischer. Dazu ein Eichhörnchen als Nachbarin und ein paar Füchse zum gute Nacht sagen reichen mir völlig aus. Ob die dann weiblich oder männlich sind, ist mir auch komplett egal. Ich bin schließlich im Lesbenhimmel! – mehr geht eh nicht.

Wo kann man dich in nächster Zeit antreffen?
Auf Wolke sieben, am Rande des Wahnsinns und überall dort, wo ich mit meiner Kunst willkommen bin:

20.08.2014 Sonntags Club Berlin „Bettgeflüster“
30.08.2014 Begine Berlin „adrenalin – lesbisch unplugged“
14.09.2014 Zentrum Altenberg Oberhausen „Bettgeflüster“
27.09.2014 Theater Halbe Treppe Dinslaken „Kleine Wunder – Liederabend“
29.11.20114 Theater Halbe Treppe Dinslaken, „Kleine Wunder – Liederabend

Weitere Infos zu Kordula Völker:
Homepage: http://www.kordulavölker.de
Lespress Interview: Alles wird gut

Fotocredit: Rose Benninghoff

Daniela Zysk

Co-Gründerin von phenomenelle. Sie erlebte ihre ersten Lesbenbabyschritte in der schwäbischen Provinz und war dann später in Köln in mehreren LGBTIQ Organisationen tätig, wo sie u.a. den WomenPride gründete und im Moment das Filmfestival homochrom unterstützt. Sie ist ein unverbesserlicher Happy-End Freak und findet die Vernetzungsmöglichkeiten dank der Social Networks das Größte seit der Erfindung von kalten koffeinhaltigen Getränken.

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