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SÜT Köln

CSD in der Politikklemme?

Von Gastautorin Almut Dietrich | Am 15. Juni 2013
Kategorien: informelle, Pride | Mit 1 Kommentar

Screenshot 01 von www.schlau-nrw.de

67 % der homophoben Übergriffe gegenüber bisexuellen und schwulen Schülern wurden durch „Deutsche“ verübt, 22 % der Täter waren rechtsradikal. Diese Zahl bezieht sich auf 2007/2008. Sie stammt aus der gleichen Untersuchung von Maneo (Schwules Antigewaltprojekt in Berlin), die in dem Editorial der rik 6/2013 zitiert wird, um zu belegen, dass „die linke Schwulenbewegung“ das Problem muslimischer Täter ignoriert. In einer Auswertung im Maneo-Heft Impuls 02/2008 werden Jugendliche, die noch zur Schule gehen als die Gruppe identifiziert, die am stärksten von homophober Gewalt betroffen sind. Die Differenz in den Aussagen inklusive einer niedrigeren Zahl aus der Vorjahresbefragung (hier hatten 16,9 % aller 24.000 Befragten vermutet, dass die Täter nichtdeutscher Herkunft waren), machen deutlich, dass es hier nicht um Fakten, sondern um Wahrnehmungen und Einschätzungen geht, die je nach Fragestellung variieren.

Logo SchLAu NRW von www.schlau-nrw.deViel wichtiger jedoch ist, dass diese Zahlen keinen konkreten Nutzen haben, um Gewalt gegenüber  Lesben, Schwulen und Trans* zu verhindern. Dass Migrant_innen und deren Nachkommen Teil der deutschen Gesellschaft sind und als solche ebenfalls Lesben, Schwule und Trans* diskriminieren, ist unstrittig und wird, anders als im Editorial der rik behauptet, längst in der konkreten Arbeit berücksichtigt. Die 15 Schulaufklärungsprojekte von SchLAu NRW haben sich zum Beispiel schon lange interkulturell geöffnet und erreichen über ihre Aufklärungseinsätze von der Hauptschule bis zum Gymnasium alle Jugendlichen. Projekte wie HỏMigra, das aus dem internationalen Treffpunkt baraka und der interkulturellen Arbeit des RUBICON entwickelt wurde, leisten Aufklärungsarbeit  in Kooperation mit Migrantenorganisationen, ohne dabei in rassistische Stereotype zu verfallen.

Um Gewalt im öffentlichen Raum zu bekämpfen, ist die Frage, wo es zu Gewaltvorfällen kommt, viel wichtiger als die Frage, welche vermutete Herkunft die Täter haben. Die Forderung an Stadt und Polizei, hier in der Gewaltprävention die Belange  von Lesben, Schwulen und Trans* zu berücksichtigen, ist nicht neu. Sie wird seit vielen Jahren von den wenigen Ehrenamtlern des Schwulen Überfalltelefons im LSVD, aber auch von der Landeskoordination der Anti-Gewalt-Arbeit für Lesben und Schwule vorgebracht. Um dieser  Forderung in Köln Nachdruck zu verleihen, braucht es ein deutlich nachhaltigeres und breiteres Engagement der LSBT*-Community gegen Diskriminierung und Gewalt als bislang. Das eindeutige Votum der Mitglieder und Mitgliedsorganisationen im Kölner Lesben- und Schwulentag (KLuST) gegen Extremismus  und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sowie die neue Orientierung der CSD-Parade 2013 bieten dafür eine gute Grundlage.

Anmerkung der Redaktion: Die Stellungnahme von Almut Dietrich wurde als offener Brief zum Editorial “CSD in der Politikklemme” in der rik 6/2013 versandt.

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Ein Kommentar

  1. Susanne Lück15. Juni 2013 um 17:25Antworten

    Großartiges Erwiderung. Danke.

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