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Vegan Challenge

Ausstellung “limb limp”

Von Gertrude | Am 2. Juli 2012
Kategorien: All Genders Welcome |

Andrea Dettmar + Claudia Schmitz
„limb limp“
Wenn Barry Lyndon am Ende des gleichnamigen Filmes von Stanley Kubrick im
Duell seinen Unterschenkel verliert, ist von nun an für jeden sichtbar, dass sein
sozialer Aufstieg und seine Eleganz endgültig Schaden genommen haben.
Zwischen Tragik und Satire humpelt er von nun an seinem Lebensende
entgegen.
Titel und Einladungskarte zitieren diesen Moment und seine Visualisierung im
Film und eröffnen gleichzeitig einen Einblick in die Strategien der beiden
Künstlerinnen. Statt eines Motivs zeigt die Karte einen gemalten und dann
korrigierten Text und wiederholt so visuell und lautmalerisch den Verlust eines
Körperteils.
limb heißt im Englischen Gliedmaß (to be out on a limb – ganz allein dastehen),
to limp heißt hingegen humpeln, hinken, sich schleppend bewegen, es bedeutet
aber auch ein Mangel an statischer Kraft etwas das schlaff und in sich gefallen
ist. Das Hören des Titels „limb limp“ reicht nicht aus, er muss gelesen werden um
seinen mehrdeutigen Inhalt offen zu legen.
Den beiden Künstlerinnen geht es dabei weniger um einen Gedanken des
Versagens als dem Interesse an einem ständigen hin und her zwischen Versuch
und Fehler oder an der Schlappe im System, dem System das eher stolpert und
humpelt oder auch schon mal schlaff in sich zusammenfällt.
So suggeriert bei Andrea Dettmar eine Minimal Skulptur die Möglichkeit der
Benutzung und wird in Claudia Schmitz Arbeit die Idee der Interaktion entzaubert
und vorgeführt.
Andrea Dettmar entwickelt in ihren Objekt-Installationen stumpfe Zeichen die im
Wechsel zwischen Distanz und Aneignung ambivalent bleiben. Ihre Aktualität im
Raum scheint häufig überblendet, ausgeblichen und im Verfall begriffen.
Verwendet werden einfachen Materialien wie Papier, Pappmaché, Kleister, Gips
und ungebrannten Ton. Sie sind oft fragil und nicht auf Dauer und Haltbarkeit
ausgelegt. Sie werden kombiniert mit Materialien aus dem Hausgebrauch, ob
Lacke aus dem Baumarkt oder Nagellack aus der Drogerie macht hier keinen
Unterschied. Ausgehend von unterschiedlichsten kulturellen Relikten, und in
formaler Anlehnung an Minimal und Arte Povera, entstehen Gegenstände und
Objekte die Requisiten ähneln und oft auch direkt Filme zitieren. In einer
Ökonomie der Wiederverwertung und Profanierung wird eine Skulptur haptisch
zugänglich gemacht, bleibt in ihrer Zerbrechlichkeit und Instabilität aber
unberührbar. Die einzelnen losen Skulptur Elemente werden dabei, je nach
Ausstellungsort, im Prozess der Realisierung in veränderten Konstellationen zu
neuen Arrangements zusammengefügt.
Von Implantat, Abjekt, Avatar, Immersion zu mimetischem Seinsverhältnis.
Deklinierte Entelechien, isomere Phänomene, Versatzstücke. Claudia Schmitz
Arbeiten sprechen vom Verhältnis zwischen Reflexion und Selbstentfremdung
und etablieren so Tatorte des Seins mit der Frage nach Freiheit und Unfreiheit.
Sein und dessen Abwesenheit. Ihre Objekte greifen reaktiv in die Ausstellungs-
Architektur ein, ertasten, füllen architektonische Lücken, passen sich an, finden
neue Modi des Erscheinens, fallen aber ebenso wieder in sich zusammen zu
leeren Hüllen. Der Rezipient als Steuerungselement dieser pneumatischen
Plastiken, entpuppt sich in seiner erdachten Freiheit nur als dem Diktat der
Medien unterlegen – das Interagieren als simple Aktion – Reaktion.
In Vitrinen ruhende Wachsobjekte suggerieren Bekanntes – ein Panoptikum der
Irritation. Ihr Thema weiter verfolgend de-konstruiert, de-plaziert sie. Das
vermeintlich Vertraute, verankert sich im Gegenüber, wird Teil seiner Selbst.
In beiden im BBK Köln gezeigten künstlerischen Positionen eröffnet die
Beschäftigung mit Fragment, Korrektur und Differenz, Raum für vielfältige
Bedeutungsebenen. Der Versuch des Lückenhaften lässt Vergangenheit und
Gegenwart ineinander fallen, dies eröffnet Möglichkeiten, enttäuscht aber auch
Erwartungen von Stabilität und Dauer.

limb limp
Andrea Dettmar + Claudia Schmitz
Eröffnung Mittwoch 11.Juli 2012, um 20 Uhr
Ausstellung: 12. Juli – 10. August 2012

Geöffnet Mo-Fr 10-13 und 14-17 Uhr, Di -19 Uhr

 

Datum: 12.07.2012 – 10.08.2012
Location: BBK Stapelhaus
Kategorie: All Genders Welcome


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Gertrude

Geboren und aufgewachsen in Köln. Ausgestattet mit dem „Schalk im Nacken“ trägt sie das Herz am richtigen Fleck. Sie wird auch „Queen of biscuit“ (Scherzkeks) genannt. Ihr Hobby ist ihr Garten und ihre 3 Hunde.

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